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Betriebsratschef Fischer: Kein Personalabbau mehr möglich – Stahlindustrie droht Aus



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Dillingen
Dillinger Hütte kämpft um Bestand
Betriebsratschef Fischer: Kein Personalabbau mehr möglich – Stahlindustrie droht Aus

22. Februar 2016, 02:00 Uhr
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Der Fortbestand der Dillinger Hütte wird bedroht durch Billig-Stahl aus China auf den europäischen Märkten, weltweite Stahl-Überkapazitäten und neue Umweltauflagen durch die EU-Kommission. Am 11. April wollen sich die deutschen Stahlarbeiter gegen die Bedrohungen wehren. Foto: Rolf Ruppenthal Foto: Rolf Ruppenthal
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MichaelFischer
Mit einer Kundgebung wollen sich die rund 5600 Beschäftigten der Dillinger Hütte am nationalen Stahl-Aktionstag beteiligen, der am 11. April stattfindet. Betriebsratschef Michael Fischer warnt vor dem Ende der saarländischen Stahlindustrie.
 
Michael Fischer, Betriebsratschef der Dillinger Hütte, spricht von einer inzwischen explosiven Lage in der Branche und am Standort Dillingen. „Bei uns gibt es keine Möglichkeiten mehr, Personal abzubauen, denn die Kollegen sind nicht noch weiter belastbar“, sagt Fischer im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch eine eventuelle Auslagerung von Leistungen bringe keine nennenswerten Spareffekte mehr. Fischer betont, die Dillinger Hütte habe seit 2013 in zwei Programmen zur Senkung von Kosten insgesamt 400 Stellen abgebaut, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Verbunden mit Kostensenkungen von rund 130 Millionen Euro jährlich. Das aktuelle Programm „Primus 16“ berühre auch einen Stellenabbau in der Verwaltung. Mit all diesen Maßnahmen habe man eigentlich geglaubt, am Ziel zu sein.

Die neuen geplanten finanziellen Auflagen der EU-Kommission zum Umweltschutz und Zertifikatehandel bedrohten jetzt nochmals „alleine den Standort Dillingen jährlich mit zusätzlichen Belastungen zwischen 25 und 50 Millionen Euro. Davon sind zwischen 450 und 900 Stellen betroffen“, rechnet Fischer vor.

Das Überleben des Standortes Dillingen und der gesamten saarländischen Stahlindustrie werde noch weiter erschwert durch die Strategie der Chinesen, Billig-Stahl in großen Mengen auf den europäischen Markt zu werfen und die schon vorhandenen weltweiten Stahl-Überkapazitäten. „Wer weiter Stahl aus China zu Dumping-Preisen zulässt, der entscheidet sich aktiv für eine Ende der europäischen Stahlindustrie“, sagt der Betriebsratschef an die Adresse der Politik, insbesondere in Brüssel.

Die Saarländer seien im weltweiten Vergleich kleine Hersteller. Die Chinesen gingen jedoch gezielt vor. „Sie sind systematisch daran interessiert, die Preise zu drücken, damit die europäischen Hersteller auf dem Zahnfleisch gehen.“
 

Die Technologie im Auge

In einem zweiten Schritt machten sie dann ganze Standorte platt und bauten dort die Technologie ab. An letzterem zeigten sich auch andere weltweit tätige Stahl-Produzenten interessiert. Niemand solle glauben, dass jemand am Ende die Dillinger Hütte übernimmt, um dann noch Stahl an der Saar zu produzieren, warnt Fischer.

Ohne die Hütte fehlten alleine der Stadt Dillingen Steuereinnahmen in einer Größenordnung, die in etwa dem gesamten Defizit des Haushalts entsprechen. Ohne die Stahlarbeiter „wird es sich nicht mehr lohnen, in der Stadt ein Geschäft geöffnet zu halten. Auch Baumärkte brauchen wir dann im Saarland weniger“, so Fischer. Der drohende Kaufkraft-Verlust durch Stahlarbeiter und ihre Familien treffe Regionen und das ganze Land. „Alleine aus Beckingen kommen 527 unserer Mitarbeiter, 448 aus Nalbach, wo auch unser Zulieferer Plakoma sitzt. 493 Beschäftigte wohnen in Rehlingen-Siersburg, 456 in Saarlouis, 432 in Schmelz und 312 in Wallerfangen.“ 220 000 Beschäftigte an allen Stahl-Standorten inklusive Zulieferern seien wesentlich daran beteiligt, die Saar-Wirtschaft und das Land zu stärken.

Um sich gegen die drohende Entwicklung von außen zu wehren, werde sich die Dillinger Hütte mit ihren Beschäftigten am nationalen Stahl-Aktionstag am 11. April mit einer Kundgebung beteiligen, kündigt Fischer an. Denn Stahl habe Zukunft. Die europäischen Standorte seien mit die umweltfreundlichsten, hätten Milliarden-Investitionen in die Verbesserung ihrer Anlagen investiert. Auch Dillingen habe sich hier längst fit gemacht. 400 Millionen Euro seien in die neue CC6 Stranggußanlage geflossen, die Anfang 2017 in Betrieb geht. Dillingen produziere heute 33 Stahl-Spezialitäten, die kein Konkurrent aufweisen kann. Auch strategisch seien sowohl die Dillinger Hütte als auch Saarstahl Völklingen unter Federführung der SHS Stahl Holding Saar fit für die Zukunft. Die Montan-Stiftung Saar sorge dafür, „dass das Geld im Land bleibt und reinvestiert wird in unsere Stahlunternehmen. Deshalb können wir auch die hohen Investitionsraten halten“, so Fischer. Solche Vorteile hätten andere Stahl-Standorte nicht. Um all dies zu bewahren, ruft Fischer die Bevölkerung auf, sich an Aktionen der Stahlarbeiter in der Region am 11. April zu beteiligen.
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