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Studie: Vor allem deutsche Kohlekraftwerke emittieren das Schwermetall in großen Mengen





Berlin
Grüne fordern weniger Quecksilber-Ausstoß
Studie: Vor allem deutsche Kohlekraftwerke emittieren das Schwermetall in großen Mengen

Von  Werner Kolhoff, 
04. Januar 2016, 02:00 Uhr
Beim Ausstoß von Quecksilber aus Kraftwerken haben die USA die strengsten Emissionswerte. Die Deutschen sollten sich daran orientieren. Das fordern die Grünen. Die Bundesregierung lässt sich damit aber Zeit.
Kohlekraftwerke sind seit langem wegen ihres CO-Ausstoßes in der Kritik und nach dem Willen der Bundesregierung deshalb eine auslaufende Technik. Allerdings erst mittelfristig. Mit einer Studie über den Quecksilberausstoß der Meiler wollen die Grünen diesen Prozess jetzt beschleunigen. Ihre Forderung: „Ein Konzept für den Kohleausstieg“, so Fraktionsvize Oliver Krischer.

Nach Daten, die das Hamburger „Institut für Ökologie und Politik“ im Auftrag der Grünen zusammengestellt hat und die unserer Zeitung vorliegen, werden in Deutschland jährlich zehn Tonnen Quecksilber ausgestoßen. 70 Prozent davon stammen aus Kohlekraftwerken, so viel, wie in 3,5 Millionen Energie-Sparlampen enthalten sind. Und davon kommt wiederum das meiste aus den Braunkohlekraftwerken.

Nur Polen und Griechenland erreichen in Europa noch ähnlich hohe Werte. Quecksilber ist ein Schwermetall, das sich im Gehirn und den Nervenbahnen ablagert und schwerste Behinderungen hervorrufen kann. Es reichert sich vor allem in Fisch an und wird über diesen in den Körper aufgenommen. 2013 verabschiedete die Uno eine „Minamata-Konvention“, mit dem Ziel, den weltweiten Quecksilber-Ausstoß drastisch zu reduzieren.

In Deutschland ist der Ausstoß seit Jahren konstant. Die Grünen verweisen nun auf die strengen US-Grenzwerte. Dort gilt seit letztem Jahr eine Begrenzung auf ein Mikrogramm Quecksilber je Kubikmeter Abgas. Nur eins der deutschen Braun- und Steinkohlekraftwerke, das inzwischen stillgelegte Kraftwerk Datteln, erfüllte laut der Studie im Jahr 2013 diesen Maßstab. Alle andere lagen darüber. Das Braunkohlekraftwerk Schkopau sogar um den Faktor 20. Der Steinkohlemeiler Farge erreichte mit 18 Mikrogramm pro Kubikmeter einen ähnlichen Rekordwert.

Insgesamt, so die Autoren, ließen sich bei Anwendung der US-Vorschriften auf alle großen Kohlekraftwerke 4,2 Tonnen des Gifts jährlich vermeiden, also fast die Hälfte des Gesamtausstoßes. Quecksilber lässt sich aus dem Rauchgas herausfiltern, allerdings ist das Verfahren aufwendig und teuer.

Die Bundesregierung will erst ab 2019 im Gefolge einer EU-Regelung die Grenzwerte für Kraftwerke senken; sie liegen dann aber immer noch um das 2,5- bis 6,7-fache über den US-Grenzwerten. Den Grünen ist das zu wenig. Es sei ein Armutszeugnis für die Bundesregierung, dass die USA strengere Grenzwerte hätten, kritisierte Krischer. „Die Bundesregierung darf die gesundheitlichen Folgen der massiven Quecksilberemissionen nicht länger zu Gunsten der Kohleverstromung ignorieren“. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sah in der „Welt am Sonntag“ jedoch keinen dringenden Handlungsbedarf. Sie verwies darauf, dass sich das Thema bald von selbst erledige. „Wenn wir unsere langfristigen Klimaziele einhalten wollen, müssen wir uns ohnehin von der Kohleenergie verabschieden“.

Meinung:

So geht grüne Logik

Von SZ-RedakteurLothar Warscheid

Dass Braun- und Steinkohle-Kraftwerke Quecksilber ausstoßen, ist schon lange bekannt. Dass die mehrheitlich älteren deutschen Kraftwerke dieses Schwermetall vermehrt verbreiten, bleibt nicht aus, da die Grünen in breiter Front neue Kohlemeiler verhindern. In solchen könnte die Quecksilber-Emission spürbar vermindert werden. Außerdem ist die Quecksilber-Konzentration in deutschen Flüssen spürbar zurückgegangen. Dadurch werden auch die Fische weniger belastet. Die größte Quecksilber-Gefahr geht übrigens von Energie-Sparlampen aus, wenn diese kaputt gehen. Doch das wird wohlweislich nicht thematisiert. So geht grüne Logik.

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