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Der neue Eigentümer Nedschroef will daraus ein eigenständiges Kompetenzzentrum machen





Beckingen
Beckinger Schraubenfabrik vor Neuanfang - mit eigenständigem Marktauftritt
Der neue Eigentümer Nedschroef will daraus ein eigenständiges Kompetenzzentrum machen

21. August 2015, 00:00 Uhr
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Im Sommer 2014 hatten Beckinger Whitesell-Beschäftigte in Saarbrücken gegen das Geschäftsgebaren des US-Unternehmers Whitesell demonstriert. Foto: Becker & Bredel
Die Beckinger Schraubenfabrik soll wieder einen eigenständigen Marktauftritt bekommen und nicht nur Aufträge abarbeiten, die der neue Eigentümer Nedschroef aus Kapazitätsgründen abgibt. Das betonte gestern Nedschroef-Chef Hüttenrauch.


 
Die insolvente Beckinger Schraubenfabrik, die derzeit noch unter dem Namen Whitesell geflaggt ist, soll unter dem neuen Eigentümer, der niederländischen Nedschroef-Holding, „wieder ein eigenständiges Kompetenz-Zentrum für Verbindungselemente werden – mit einer eigenen Position am Markt“. Das betonte gestern Nedschroef-Vorstandschef Mathias Hüttenrauch nach einer Betriebsversammlung vor Journalisten.

Er sieht dafür gute Chancen, auch wenn noch in den Maschinenpark investiert werden müsse. „Wir müssen in Beckingen das gleiche Produktivitätsniveau erreichen wie in unseren anderen Werken.“ Eine Summe nannte er nicht. Die Nedschroef-Gruppe, die in Saarlouis-Fraulautern ein weiteres Schraubenwerk an der Saar betreibt, ist als Zulieferer der deutschen Automobilindustrie nach Angaben von Hüttenrauch Marktführer bei Schrauben und anderen Verbindungselementen. Das Vertrauen, das die US-Gruppe Whitesell bei den Autofirmen zerstört habe, müsse wieder hergestellt werden. Der Nedschroef-Chef sieht dafür gute Chancen, „weil die Mitarbeiter motiviert und qualifiziert sind“. Derzeit sind noch 141 Frauen und Männer in der Schraubenfabrik beschäftigt. Diese müssten zunächst mit Arbeit versorgt werden. Zuletzt lag die Auslastung in der Fabrik bei 15 Prozent. Vor der Whitesell-Übernahme zählte die Belegschaft noch 340 Leute.

Die Niederländer kaufen – wie berichtet – zwei von vier Whitesell-Werken. Neben Beckingen ist das noch die Fabrik in Schrozberg (Baden-Württemberg). Die Insolvenz soll, wenn das Kartellamt zustimmt, am 1. Oktober beendet sein. Für die beiden übrigen Whitesell-Werke in Neuss (Nordrhein-Westfalen) und Neuwied (Rheinland-Pfalz) will Insolvenzverwalter Biner Bähr „einen anderen Käufer finden“, wie er gestern sagte. Bähr lobte die Unterstützung durch die saarländische Landesregierung und die gute Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmer-Vertretern. „Eine solche Hilfestellung habe ich während meiner 20-jährigen Tätigkeit als Insolvenzverwalter noch nicht erlebt.“ Vor allem die Einrichtung der Transfergesellschaft für ausscheidende Mitarbeiter „ist sehr hilfreich gewesen und hat die Unruhe aus der Belegschaft genommen“. In den anderen Whitesell-Werken habe dieses Instrument nicht zur Verfügung gestanden.

Gewerkschafter Guido Lesch, 2. Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Völklingen, und Betriebsratschef Gerfried Lauer erinnerten daran, dass durch die Transfergesellschaft rund 80 von 100 ehemaligen Whitesell-Beschäftigen relativ schnell einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. Nach Angaben von Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) habe das Land rund 800 000 Euro beigesteuert, damit die Transfergesellschaft arbeitsfähig war. Wenn sich die Auftragslage im Werk bessere, bestehe auch wieder die Chance, dass Mitarbeiter zurückkommen können, betonte Nedschroef-Chef Hüttenrauch. Die niederländische Gruppe, die auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurückblickt, ist in 14 Ländern mit 40 Standorten vertreten. Sie beschäftigt rund 1500 Mitarbeiter.

Die Linke sieht die Übernahme des Schraubenwerkes durch Nedschroef vorsichtig optimistisch. „Nach den Erfahrungen der letzten beiden Übernahmen ist die Verunsicherung bei allen Beteiligten sehr groß“, sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dagmar Ensch-Engel.

Das Beckinger Werk hat eine 147-jährige Tradition. Lange war es an der Saar als Karcher Schraubenfabrik bekannt, kam später zu Saarstahl. Nach dem Saarstahl-Konkurs 1993 rutschte BSK ebenfalls in die Pleite. Mehrere Eignerwechsel und Insolvenzen brachten die Firma letztlich 2013 zum letzten und jetzt insolventen Eigentümer Whitesell.

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