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Wie Berufstätige Grenzen setzen können





Wie Berufstätige Grenzen setzen können
29. November 2016, 15:05 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Frau mit Smartphone

Die ständige Erreichbarkeit lässt Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen. Foto: Christin Klose
Kaum jemand möchte ohne sein Smartphone leben. Doch die ständige Erreichbarkeit versetzt gerade Berufstätige in Daueralarmbereitschaft. Doch nur wer Grenzen setzt, kann auch produktiv arbeiten.

Berlin (dpa/tmn) - Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt - und macht sie flexibler. In vielen Jobs ist das Büro dank moderner Technik dort, wo man selbst ist - in der Bahn, zu Hause oder eventuell auch im Urlaub. Die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen.

Können Berufstätige trotzdem noch Grenzen setzen?

«Nicht die Maschine bestimmt, was geschieht, sondern der Mensch», sagt Organisationspsychologe Stefan Poppelreuter aus Bonn. Der Mensch müsse die Oberhand behalten. «Es hängt von uns selbst ab, ob der positive Wert, der in diesen Erfindungen steckt, genutzt wird, oder ob wir uns unterjochen lassen», so der Experte. Mit der Freiheit, die moderne Technik bringen kann, komme auch eine größere Verantwortung auf den einzelnen zu.

Was gibt es für praktische Tipps?

Mit dem Smartphone haben Berufstätige oft ihr ganzes Büro dabei. «Ich rate zu unterschiedlichen Geräten», sagt Arbeitspsychologe Prof. Tim Hagemann von der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld. Wer dasselbe Gerät für Privates und Berufliches nutzt, könne schwer trennen. Das gleiche gelte für Telefonnummer und Mailadresse. «Wir sind soziale Wesen, extrem neugierig. Kommt eine Nachricht, wollen wir auch wissen, was drinsteht.» Hagemann vergleicht das mit dem Briefträger: «Würde der am Tag drei Mal klingeln, würden wir auch jedes Mal aufmachen.» Wer keine zwei Geräte hat, könne stattdessen ein sogenanntes Dual-Sim-Handy und getrennte Mailpostfächer nutzen.

Wie funktioniert das mit dem Arbeitgeber?

Wer mobil arbeitet, etwa von daheim, braucht das Vertrauen des Vorgesetzten. «Wer mal kurz im Bad ist, darf keine Angst haben, dass der Chef in der Zwischenzeit anruft, und denkt, man würde gar nicht arbeiten, weil man nicht direkt rangeht», sagt Hagemann. Wichtig sei hier vor allem die Kommunikation: «Man sollte immer den Chef und das Team einbinden, informieren, wann man wie erreichbar ist - und auch, wann nicht.»

Wie kann ich trotz Ablenkung durch Technik konzentriert arbeiten?

«Man sollte vormittags konzentriert arbeiten», rät Hagemann. Das heißt: Auch mal offline gehen, Mails eher am frühen Nachmittag beantworten. «Auch eine entsprechende Abwesenheitsnotiz im Mailprogramm kann sinnvoll sein.» Darin kann etwa stehen, dass man erst ab 14 Uhr wieder erreichbar ist. Telefonkonferenzen sollten ebenfalls nicht vormittags stattfinden. Auch Organisationspsychologe Poppelreuter findet: «Von uns sind bessere Absprachen und Selbstorganisation gefragt.»

Was habe ich sonst noch für Möglichkeiten?

«Nicht der Beruf wählt mich, sondern ich wähle den Beruf», sagt Poppelreuter. Wer nicht in einem Beruf arbeiten möchte, der ständige Erreichbarkeit fordert oder schnelle Reaktion, könne sich umorientieren. «Denn wer in bestimmten Jobs gar nicht flexibel arbeiten möchte, wird das nur schwer durchsetzen können.» Poppelreuter setzt auf die persönliche Verantwortungsübernahme. Jeder müsse sich über seine eigenen Grenzen klar werden und diese auch setzen. «Wenn es im Job einfach nicht passt oder funktioniert, dann muss ich mein Leben selbst anders gestalten.»



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