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Blaue Flammen in der Nacht: Java, «heiße» Vulkaninsel





Yogyakarta (dpa/tmn)
Blaue Flammen in der Nacht: Java, «heiße» Vulkaninsel
Von Manuel Meyer, dpa,  21. April 2016, 05:15 Uhr
Die meisten Indonesien-Urlauber zieht es an die Strände Balis. Um das dicht besiedelte Java mit der Hauptstadt Jakarta machen viele einen Bogen. Dabei lockt die Insel mit feurigen Vulkanen und den beeindruckendsten Tempelanlagen des Landes.

Aufbruch ist mitten in der Nacht. Das Licht der Taschenlampen verliert sich im Urwald von Java. Es ist kurz nach 2.00 Uhr morgens, als die schlaftrunkenen Touristen auf einem Pfad zum Kraterrand hinaufsteigen. Zwei Stunden dauert der mühsame Aufstieg.

Oben geht es dann wieder hinunter, 300 Meter hinab in den Krater des Kawah Ijen. Der Weg ist etwas halsbrecherisch. Noch ist das Gelände im Dunkel der Nacht kaum zu erkennen. Aber das ist gut - so wird man Zeuge eines seltenen Naturschauspiels.

«Dort ist es! Das blaue Feuer», sagt Trekkingführer Malam und zeigt in den Krater. Die Szenerie ähnelt einem Science-Fiction-Film: Gigantische gelbe Felsblöcke, aus denen regelmäßig blaue Flammen schießen. «Es sind brennende Schwefelgase, die beim Austritt an die Oberfläche mit dem Sauerstoff reagieren und sich sofort als blaue Flammen entzünden.» Das blaue Feuer kann man nur nachts sehen.

Die Flammen ähneln ein wenig denen eines Gasherds. Nur hier können sie bis zu fünf Meter hoch sein. Je näher man dem Kratersee kommt, desto stickiger wird es. «Setzt euch jetzt die Schutzmasken auf. Ab hier sind die Gase gefährlich», sagt Malam. Beißende Schwefelschwaden schießen aus zerklüftetem Vulkangestein.

Was für die Touristen ein besonderes Naturerlebnis ist, bedeutet für die Minenarbeiter eine schwere Maloche. Unter den Blitzen der Touristenkameras schürfen die Bergarbeiter für einen Tageslohn von knapp acht Euro mit Hacken und Eisenstangen die gelben Schwefelblöcke. Handschuhe oder Schutzmasken tragen sie keine.

Der Kawah Ijen ist nur einer von vielen aktiven Vulkanen, die man auf Tagestouren oder mehrtägigen Wanderungen im Ijen-Massiv im Osten Javas erleben kann. Wer Vulkane aus nächster Nähe sehen möchte, ist in Indonesien genau richtig. Der ostasiatische Inselstaat befindet sich auf dem sogenannten «Feuerring», einem Vulkangürtel, der den gesamten Pazifischen Ozean umgibt. Von den rund 130 teils hochaktiven Vulkanen Indonesiens befinden sich die meisten auf Java: 38.

Die meisten Vulkane sind heute Naturparks und Trekkingparadiese. Einige Vulkane wie der Bromo sind bequem mit Jeeps und zu Fuß zu erreichen. Vielleicht gehört die Postkarten-Vulkanlandschaft im Nationalpark Bromo-Tengger-Semeru auch deshalb zur am häufigsten fotografierten Indonesiens. Vom Rand des riesigen Vulkankessels kann man gleich mehrere Vulkane auf einmal bestaunen.

Ein guter Ausgangspunkt für Vulkan-Touristen ist Javas Kulturhauptstadt Yogyakarta. Von hier aus erreicht man leicht das Dieng-Hochplateau mit seinen sieben Vulkanen.

Nur 16 Kilometer von Yogyakarta entfernt breitet sich die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens aus. Prambanan wurde bereits 850 nach Christus erbaut. Die seit 1991 zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Anlage besteht aus einer Vielzahl von Tempeln, die sich um das 47 Meter hohe Hauptgebäude gruppieren.

Bei der Tempelanlage von Borobudur handelt sich sogar um das größte buddhistische Bauwerk der Welt. Die Stufenpyramide aus dem 8. Jahrhundert ist 123 Meter lang und 42 Meter hoch. Rund 10 000 Arbeiter waren nötig, um die 55 000 Kubikmeter Vulkangestein aufzuschichten. Auf der obersten Terrasse thronen 72 Stupas.

Am schönsten ist Borobudur zum Sonnenaufgang, bevor die Busse mit den Touristen ankommen. Knapp eine Stunde vor Morgengrauen steigt man mit Taschenlampen zur obersten Tempelterrasse empor. Von den umliegenden Dörfern erschallen die Morgengebete der Muezzine, die einen daran erinnern, dass Indonesien das größte muslimische Land der Welt ist.



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