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Zu extrem trainiert: Bei Ermüdungsbrüchen ist Pause angesagt





Berlin (dpa/tmn)
Zu extrem trainiert: Bei Ermüdungsbrüchen ist Pause angesagt
Von Caroline Mayer, dpa,  20. April 2016, 05:10 Uhr
Es trifft Profis und ehrgeizige Freizeitsportler: Wer seine Knochen dauerhaft überlastet, riskiert eine Stressfraktur. Ist der Knochen einmal angeknackst, hilft nur eine mehrwöchige Trainingspause.

Philipp Lahm hat es schon erwischt, ebenso seinen Kollegen beim FC Bayern, David Alaba. Beide Fußballer mussten nach einem Ermüdungsbruch mehrere Wochen pausieren. Immer wieder erleiden Spitzensportler die gefürchtete Verletzung.

Aber auch Amateure, die sich auf einen Marathon oder einen Triathlon vorbereiten, können sich im exzessiven Training eine Stressfraktur zuziehen.

Eigentlich passt sich der menschliche Knochen optimal an Belastungen an. Er wird dort dicker, wo er mehr belastet wird, gleichzeitig baut er an weniger beanspruchten Stellen Masse ab. Remodelling nennen Mediziner diesen Prozess. «Starke, wiederkehrende Belastungen an immer derselben Stelle können diesen Auf- und Abbau des Knochens aus dem Gleichgewicht bringen», erklärt Prof. Julia Seifert.

Sie ist Unfallchirurgin und Orthopädin am Unfallkrankenhaus Berlin. Im Inneren des Knochens zeigen sich erste Risse. Diese Risse weiten sich aus, bis es zu einem Bruch an der Außenhaut des Knochens kommt.

«Man sieht in der Bildgebung im Verlauf zwar meist Anzeichen einer Fraktur oder von Reparaturvorgängen», sagt Prof. Frank Mayer vom Zentrum für Sportmedizin, Freizeit-, Gesundheits- und Leistungssport der Universität Potsdam. Das sei aber nicht mit einem richtigen Bruch zu vergleichen, wie man ihn nach einem Sturz oder einem Unfall hat.

«Der Ermüdungsbruch ist vielmehr eine Strukturveränderung, die graduell von einer Mikroschädigung bis zum sichtbaren Bruch verläuft», erklärt der Orthopäde und Sportmediziner.

Besonders gefährdet sind die Knochen an Beinen und Füßen, die beim Sport am meisten beansprucht werden, wie das Schienbein, das Wadenbein und die Fußknochen. Selten können auch der Oberschenkel, das Becken oder die Wirbelkörper betroffen sein. Typischerweise treten die Stressfrakturen bei Leistungssportlern auf, die Lauf- oder Sprungsportarten machen.

«Es kann aber auch dem engagierten Freizeitsportler passieren, insbesondere dem, der nicht ausgewogen trainiert», erklärt Julia Seifert. Für die Knochen bedeutet es besonderen Stress, wenn man einige Zeit gar nichts tut, sich dann aber wieder extrem fordert oder sich kurzfristig und intensiv für einen Wettkampf fit machen möchte.

Der Hauptrisikofaktor sei die sich wiederholende Dauerbelastung, sagt Prof. Georg Gradl von der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Klinikum München-Harlaching. Aber auch andere Faktoren können eine Rolle spielen. So erleiden Frauen öfter als Männer einen Ermüdungsbruch, große Menschen sind häufiger betroffen als kleine. Ein weiterer Knackpunkt ist das Schuhwerk: Falsche oder alte und ausgelatschte Laufschuhe können das Risiko ebenfalls erhöhen.

Ein Ermüdungsbruch äußert sich durch Schmerzen im betroffenen Knochen während einer Belastung, also etwa beim Joggen. «Im Unterschied zu anderen Schmerzen, die etwa durch eine Sehnenüberlastung hervorgerufen werden, wird es durch Dehnen oder Aufwärmen nicht besser», erklärt Julia Seifert. Wenn der Schmerz mit der Zeit immer stärker wird, sollte man an einen Ermüdungsbruch denken.

Wird ein Ermüdungsbruch festgestellt, verordnen die Ärzte eine Trainingspause von vier bis sechs Wochen. In der Regel heilen Ermüdungsbrüche in dieser Zeit von alleine vollständig aus. Danach können die Betroffenen ohne Bedenken wieder normal Sport treiben. Allerdings sollten sie darauf achten, Fehlbelastungen zu vermeiden. «Wenn ich einmal eine Stressfraktur hatte, heißt das nicht, dass ich nicht mehr joggen darf», sagt Julia Seifert. «Ich muss nur mein Schuhwerk und meine Trainingsintensität anpassen.»



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