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Jeder zehnte Erstklässler zu dick: Extrakurse an Schulen





Erfurt (dpa)
Jeder zehnte Erstklässler zu dick: Extrakurse an Schulen
18. April 2016, 10:20 Uhr
Burger, Schokolade, Chips und zu wenig Bewegung. Unter den Erstklässlern an Thüringer Schulen ist jeder zehnte zu dick. Je älter die Schüler werden, desto mehr Übergewichtige gibt es.

Jeder zehnte Erstklässler in Thüringen wiegt zu viel. Bei Untersuchungen vor der Einschulung stellten Ärzte bei 2131 Kindern Übergewicht fest. Das geht aus der neuesten Statistik des Landesverwaltungsamts für das vergangene Schuljahr hervor.

Demnach brachten 11,4 Prozent der Schüler zu viele Pfunde auf die Waage. Dieser Wert entspricht in etwa dem der Vorjahre. Die Freude über die Stagnation halte aber nur bedingt an, erklärte die Anthropologin Katrin Kromeyer-Hauschild von der Uniklinik Jena, die die Daten des Landes analysiert hat. So seien 4,7 Prozent der Erstklässler adipös, also mehr als nur leicht übergewichtig.

Nach ihrer Einschätzung sind das eindeutig zu viele Kinder. «Nach der statistischen Erwartung dürften es nur drei Prozent sein», rechnete sie vor. Sie bezog sich dabei auf einen Durchschnittswert, der sich aus den Daten der Jahre von 1985 bis 1995 ergibt. «Die Gründe für Übergewicht sind bekannt: ungesundes Essen und zu wenig Bewegung.» Laut der Untersuchung waren 1652 Erstklässler (8,9 Prozent) zu leicht. 14 841 Schüler hatten keinerlei Probleme mit dem Gewicht.

Als bedenklich bewertete Kromeyer-Hauschild, dass die Zahl der Schüler in Thüringen mit Übergewicht mit zunehmendem Alter steigt. Im vergangenen Schuljahr galten 1869 Schüler in der vierten Klasse als dick. Das waren immerhin 18 Prozent aller Viertklässler. Sieben Prozent von ihnen waren extrem übergewichtig. Bei den Schuluntersuchungen in der achten Klasse diagnostizierten die Ärzte bei fast 21 Prozent Übergewicht. Das waren 2410 Jugendliche. Die Hälfte davon war adipös. Prozentual gesehen ist das der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre.

Für Schüler, die zu viele Pfunde mit sich herumschleppen, ist an Thüringer Schulen Sportförderunterricht vorgesehen. Die zusätzlichen Unterrichtsstunden richten sich nach Angaben des Bildungsministeriums auch an Kinder und Jugendliche mit zum Beispiel Haltungs- und Koordinationsschwächen. «Dieses Angebot gibt es aber noch nicht an allen Schulen», erklärte der Sprecher von Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke). Mehr als 500 Sportlehrer hätten bislang die spezielle Ausbildung durchlaufen. Ziel sei es, dass alle Schulen einmal wöchentlich so etwas anbieten.

Der spezielle Unterricht ist laut Bildungsministerium freiwillig. Eltern und der Schüler selbst müssten zustimmen und sich für ein Jahr verpflichten. Teilnehmerzahlen lagen dem Ministerium zunächst nicht vor. Sie seien aber «ziemlich übersichtlich», räumte der Sprecher ein. Nach seinen Worten will das Ministerium nun verstärkt für das Angebot werben. «Die Schule kann aber nicht Fehler der Gesellschaft ausbügeln. Damit wäre sie überfordert.»

Um Übergewicht schon frühzeitig zu bekämpfen, haben der Gothaer Verein Symbioun und der Kreis Eichsfeld ein Pilotprojekt gestartet. «Daran beteiligen sich mittlerweile 50 Kindergärten», berichtete der Leiter der Landesgeschäftsstelle, Stefan Waldheim. 40 waren es zu Beginn im vergangenen Jahr. Die Erzieher werden dabei geschult, wie sich die Kinder etwa mehr bewegen können. «Materiell sind die meisten Kindergärten gut ausgestattet, im besten Fall gibt es sogar eine Sporthalle», erklärte Waldheim. In kleinen Einrichtungen fehle allerdings häufig der Platz, um einen Sportraum einzurichten.

Laut den Ergebnissen der aktuellen Untersuchungen waren 10,7 Prozent der Kinder, die bald eingeschult werden und noch in den Kindergarten gehen, übergewichtig. 3,9 Prozent galten sogar als adipös.


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