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Hoffnung auf schnelle Hilfe: Einen Psychotherapeuten finden





Berlin (dpa/tmn)
Hoffnung auf schnelle Hilfe: Einen Psychotherapeuten finden
Von Julia Naue, dpa,  20. April 2016, 05:15 Uhr
Menschen, denen es psychisch schlecht geht, versuchen oft, einen Psychotherapeuten zu finden. Doch trotz großer Not sind die Wartezeiten für einen Termin häufig sehr lang. Worauf müssen Betroffene achten?

Wer auf der Suche nach einem Psychotherapeuten ist, hofft meist auf schnelle Hilfe. Denn je länger Betroffene auf einen Therapieplatz warten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Erkrankung verschlimmert.

Das Warten auf einen Termin bei einem Therapeuten wird dann zur zusätzlichen psychischen Belastung. Im Schnitt müssen sich Betroffene drei Monate für ein erstes Gespräch mit einem psychologischen Psychotherapeuten gedulden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). «Da ist ein großer Engpass», sagt Sprecher Kay Funke-Kaiser.

Die Suche nach einem Psychotherapeuten beginnt für Betroffene meist mit einer langen Liste von Namen, die sie abtelefonieren müssen. «Eine Überweisung brauchen sie nicht, jeder Patient kann direkt einen Psychotherapeuten aufsuchen», sagt Mechthild Lahme von der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung . Dennoch sei für manche schon der erste Anruf eine große Hürde.

Sie rät Betroffenen, auf jeden Fall selbst anzurufen. Denn wer den Partner oder Freund vorschickt, vergibt die Chance, seine Therapiemotivation zu schildern. «Ich merke doch viel eher, warum jemand eine Therapie machen möchte und wie es ihm geht, wenn ich persönlich mit ihm rede», sagt Lahme.

Doch bevor eine Therapie beginnt, können Patienten fünf bis acht sogenannte probatorische Sitzungen mit dem Psychotherapeuten wahrnehmen. In diesen Sitzungen kann der Patient seine Beschwerden schildern, und es wird entschieden, ob eine Störung vorliegt, und welche Therapieform sich am besten zur Behandlung eignet. Diese Sitzungen sind auch wichtig für den Patienten, um zu entscheiden, ob die Chemie überhaupt stimmt.

Funke-Kaiser rät den Patienten, vor allem genau zu prüfen, ob sie zu dem Psychotherapeuten Vertrauen entwickeln können. «Das Gefühl, dass man über alles reden kann, muss da sein», sagt er. Denn schließlich kann eine Therapie auch schmerzhaft und anstrengend sein. Wer den Eindruck hat, sich dem Therapeuten nicht öffnen zu können, vergibt seine Chance auf eine erfolgreiche Therapie.

Entscheidet sich der Patient nach den ersten Sitzungen für die Therapie, muss er einen Antrag an die Krankenkasse stellen. Dieser enthält eine Einschätzung des Therapeuten inklusive der geplanten Therapie und einen Konsiliarbericht. Der wird meist vom behandelnden Hausarzt erstellt und enthält den körperlichen Befund des Patienten. «Die Kasse gibt den Antrag in ein Gutachterverfahren», erklärt Ann Marini vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. «Nach positiver Entscheidung geht eine Info an den Versicherten und den Therapeuten.»

Doch was, wenn ein Betroffener nicht mehrere Monate auf einen ersten Termin warten möchte oder kann? Eine Alternative sind private Psychotherapeuten, die keine Kassenzulassung haben. In so einer Praxis ohne Zulassung gibt es möglicherweise schneller einen Termin. Doch Vorsicht: Wenn die Behandlung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden soll, müssen Betroffene die Genehmigung vor Beginn der Behandlung einholen. Alternativ kann man auch den Hausarzt um Unterstützung bitten, rät Funke-Kaiser. Wenn der sieht, dass es dringend ist, könne er möglicherweise selbst zum Telefonhörer greifen und Psychotherapeuten kontaktieren.



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