Montreux
Von der Sonne verwöhnt
Montreux am Genfersee bietet ganzjährig mildes Klima und einzigartiges Panorama – Weinterrassen von Lavaux sind Unesco-Welterbe

Von  Mathias Schneck, 
19. November 2016, 02:00 Uhr
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Im Herbst leuchten die Weinterrassen im Lavaux. Das Weinanbaugebiet am Genfersee ist Unesco-Welterbe. Foto: Switzerland Tourism/Scholz

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Montreux ist bekannt für sein Jazz-Festival und die vielen Prominenten, die dort auftreten. Aber der größte Star ist nicht ein Künstler, sondern die Landschaft selbst. Sie ist von erhabener Schönheit. Die malerischen Weinterrassen von Lavaux nahe Montreux sind Unesco-Welterbe.

Warum viele Worte machen? Dieses Bild spricht für sich: der Genfersee, der, blau funkelnd, friedlich zu Füßen liegt, mit Schnee bedeckte Berge, die sich mächtig hinter dem Wasser erheben. Wunderschön.

Auch Gisèle Sommer, die die Uferpromenade von Montreux entlangspaziert, genießt diesen Ausblick. Begeistert ruft sie: „Ich habe den schönsten Arbeitsplatz der Welt.“ Privilegiert ist er durchaus, der Arbeitsplatz von Gisèle. Die Schweizerin arbeitet wenige Meter von der Uferpromenade entfernt, im Fairmont Le Montreux Palace, einem Grand Hotel im Stil der Belle Époque mit bestem Blick auf den See und die umgebenden Berge.

1906 wurde das Haus in nur 18 Monaten Bauzeit errichtet. Es musste schnell gehen, die Besucher kamen in immer größerer Zahl, für die gut situierten Gäste musste eine standesgemäße Unterkunft her.

Gisèle, Assistentin der Direktion des Fairmont Le Montreux Palace, hat schon viel Prominenz gesehen. Allerdings nicht den wichtigsten Gast, der hier residierte, der mit Montreux und dem Palace verbunden war wie kein anderer. Der russische Schriftsteller Vladimir Nabokov lebte mit seiner Frau Véra 16 Jahre lang, von 1961 bis zu seinem Tod 1977, in dem Hotel.

 

Ein berühmter Gast

„Er war ein stiller Mensch“, weiß Gisèle aus den Berichten alter Angestellter des Hauses. Alle hätten ihn gemocht, weil er stets freundlich war. Im Ort hätten ihn die Einheimischen ehrfürchtig „Schwarzer Schwan“ genannt. Warum? Vielleicht wegen seines geheimnisvollen Wesens. Nabokov suchte die Ruhe, oft zog er alleine los, um auf die Jagd nach Schmetterlingen zu gehen, seine zweite Leidenschaft nach der Literatur. Nach dem Erfolg seines Romans „Lolita“ war Nabokov sorgenfrei und musste nicht mehr seinem Brotberuf als Literaturdozent nachgehen. Er konnte mit seiner Frau in Montreux das Leben genießen, das mediterrane Klima, das hier Palmen und Zypressen gedeihen lässt.

 

Eine Statue im Garten des Fairmont Le Montreux Palace an der Uferpromenade erinnert an Nabokov. Die Figur des Schriftstellers wird flankiert von weiteren Plastiken – sie erinnern an Musiker, die in Montreux aufgetreten sind, etwa Aretha Franklin, Ella Fitzgerald oder B. B. King.

Denn Musiker sind es, die den Ruf von Montreux seit 1967 in die Welt hinaustragen – dem Gründungsjahr des Jazz-Festivals, das jedes Jahr im Juli dem Städtchen mit seinen 26 000 Einwohnern große Aufmerksamkeit verleiht.

Von Nabokov, dem Schmetterlingssammler und Schriftsteller, heißt es, er habe mit Musik nichts anfangen können. Sie war ihm vermutlich zu laut, er wollte seine Ruhe haben. Gewiss hätte er mehr Sympathie für die Profession von François Neyroud-Fonjallaz aufgebracht. Das ist auch so ein stiller Mensch. Und ein fleißiger. Der Winzer hat sich einen denkbar schönen – und schwierigen – Ort ausgesucht, um Wein anzubauen: das Lavaux. Steil erheben sich die malerischen Weinberge mit den geschwungenen Terrassen an den Ufern des Genfersees – seit 2007 steht das Lavaux unter dem Schutz der Unesco. Das „Lavaux Vinorama“, ein Weinerlebnis-Bistro in Rivaz nahe Montreux, zeigt einen Film, in dem François porträtiert wird. Die Dokumentation veranschaulicht die Mühen, die die Winzer in den steilen Hängen auf sich nehmen. François braucht in der Erntezeit viele Helfer in seinem Weinberg in Chardonne. Hätten sie doch nur die Muße, die Aussicht zu genießen. „Alles hat seine Zeit“, schreibt François abends in sein Tagebuch. Nach den sauren Wochen folgen frohe Feste. Spät im Herbst ist die Ernte eingefahren, die Fässer sind voll. Nun wird in den Dörfern gefeiert.

Und dann warten alle. Auf den nächsten Frühling, wenn die Rebstöcke wieder ausgerichtet werden – zur Sonne hin, die den Trauben ihre Süße schenkt und die den See zum Leuchten bringt.

 

Zum Thema:

 

Auf einen Blick Ein Lehrpfad führt von Chexbres bis ins Städtchen Saint-Saphorin durch die Lavaux Weinberge. Für die Strecke benötigt man etwa zwei Stunden. red montreuxriviera.com fairmont.de/montreux



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