Düsseldorf (dpa/tmn)
Die spaßige Hipster-Revolte «Watch Dogs 2»
Von Tobias Hanraths, dpa,  29. November 2016, 12:20 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Hackergang DedSec

Nie um einen Spruch verlegen: Im Mittelpunkt von «Watch Dogs 2» steht die Hackergang DedSec, eine wilde Mischung durchgestylter Hipster. Screenshot: Ubisoft Foto: Ubisoft
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Polit-Aktivist Marcus

Auf der Flucht: Der Hacker und Polit-Aktivist Marcus ist die Hauptfigur von «Watch Dogs 2». Screenshot: Ubisoft Foto: Ubisoft
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Golden Gate Bridge

Wahrzeichen am Pazifik: Schauplatz von «Watch Dogs 2» ist San Francisco - natürlich inklusive der Golden Gate Bridge. Screenshot: Ubisoft Foto: Ubisoft
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Hacker-Action

Chaos auf Knopfdruck: Mit seinem allmächtigen Hacker-Smartphone kann Marcus sogar Autos fernsteuern. Screenshot: Ubisoft Foto: Ubisoft
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten. Unpassende Waffengewalt

Ganz vermeiden lässt sich Waffengewalt in «Watch Dogs 2» nicht - zum Tonfall des restlichen Spiels passt das aber so gar nicht. Screenshot: Ubisoft Foto: Ubisoft
Der erste Teil war noch eine bierernste Rachesaga um kriminelle Hacker und organisiertes Verbrechen. «Watch Dogs 2» nimmt sich und seine Geschichte deutlich lockerer - und macht so viel mehr Spaß als der Vorgänger. Wären da nicht ein paar schiefe Zwischentöne.

San Francisco und das benachbarte Silicon Valley sind das Epizentrum der digitalen Revolution. Von Twitter bis zu Google haben dort unzählige Start-ups und Giganten der Tech-Szene ihre Hauptquartiere.

Die Region ist ein Abenteuerspielplatz für hippe, junge Technikbegeisterte. Und damit auch der ideale Schauplatz für «Watch Dogs 2» von Ubisoft, ein neues Videospiel rund um Datensammler, Privatsphäre und persönliche Freiheit.

Hauptfigur der schwungvoll erzählten Geschichte ist ein junger Mann namens Marcus, ein begnadeter Hacker und Polit-Aktivist. Sein Lieblingsfeind ist CTOS, das fiktive Betriebssystem moderner US-Großstädte, das vom Geld- bis zum Straßenverkehr fast alles steuert. Mit seiner Solo-Rebellion erregt Marcus die Aufmerksamkeit der Tech-Rebellen von DedSec - und nimmt gemeinsam mit seinen neuen Freunden den Kampf gegen CTOS und übermächtige Digitalkonzerne auf.

Das klingt nach einem ernsten Polit-Thriller, ist in der Praxis aber eher eine bunte Seifenoper um Marcus und seine Hackergang, die sich selbst nie besonders ernst nimmt. Denn Marcus und seine Freunde sind echte Millenial-Hipster. Passender Style ist im Zweifel also wichtiger als eine politische Botschaft - und keine Situation ist zu ernst für einen dummen Spruch.

Das ist manchmal sympathisch und manchmal peinlich, insgesamt aber eine willkommene Abwechslung im Vergleich zu anderen, viel zu ernsten Spielen. Schön ist außerdem, wie sensibel das Spiel mit Themen wie Transsexualität und Rassismus umgeht. Auch das ist in der Spielewelt noch alles andere als selbstverständlich.

Gemeinsam mit Marcus erkundet der Spieler ein lebensecht nachgebautes San Francisco, mit bekannten Wahrzeichen wie der Golden Gate Bridge und stimmigen Details wie den Graffitis im Szene-Viertel Mission District. Wie in anderen Spielen von Ubisoft ist die Welt vollgestopft mit Missionen, Läden, Sammelkram und anderen Ablenkungsmöglichkeiten. Im Gegensatz zu «Assassin's Creed» oder dem ersten «Watch Dogs» sind sie aber viel besser in die Handlung integriert.

Langweilige Routine gibt es in «Watch Dogs 2» daher kaum - was auch daran liegt, dass das eigentliche Spiel sehr gut gelungen ist. Das Ziel von Marcus ist in der Regel, in gut bewachte Hauptquartiere von Großkonzernen und Gangstern einzubrechen. Dabei verlässt er sich vor allem auf sein mächtiges Smartphone, mit dem er zum Beispiel auf Überwachungskameras zugreift oder Gasleitungen zum Platzen bringt. Fast noch wichtiger sind aber sein Mini-Auto und ein Quadrocopter, die er per Fernsteuerung auf Erkundungsflüge und -fahrten schickt.

Große Teile des Spiels lassen sich so mit etwas Kreativität nahezu gewaltfrei spielen. Gelegentlich lasen sich Schießereien aber kaum verhindern. Auch das ist spielerisch gut umgesetzt, will aber so gar nicht zum Rest des Spiels und vor allem zu der spaßbetonten Revolution von DedSec passen. Wenn Marcus erst ein Selfie mit den berühmten Seelöwen am Pier 39 postet und kurz danach per Sturmgewehr Polizisten erschießt, wirkt das mehr als nur ein wenig geschmacklos.

Ähnlich unpassend sind auch die Momente, in denen «Watch Dogs 2» versucht, seine augenzwinkernde Popkultur-Revolte mit einer echten politischen Botschaft zu kombinieren. Vor allem die Predigt für Privatsphäre und gegen die Datensammelei großer Konzerne wirkt etwas befremdlich, wenn «Watch Dogs 2» den Spieler gleichzeitig ständig daran erinnert, sich doch bitte im Ubisoft Club anzumelden - natürlich mit persönlichen Informationen.

Größtes Ärgernis sind derzeit aber nicht die inhaltlichen Schwächen, sondern die technischen. Theoretisch bietet «Watch Dogs 2» zwar die gleichen interessanten Mehrspieler-Modi wie Teil eins - Spieler können zum Beispiel unerkannt die Spielwelt anderer Leute infiltrieren. Dazu kommen neue Möglichkeiten wie Koop-Missionen, die zwei Spieler gemeinsam absolvieren. Der angeblich nahtlose Wechsel vom Einzel- in den Mehrspielermodus funktioniert zurzeit aber nur mit Einschränkungen.

Ubisoft ist sich des Problems bewusst und arbeitet nach eigenen Angaben an einer Lösung. Zum Glück macht «Watch Dogs 2» aber auch alleine genug Spaß - von ein paar unpassenden Elementen abgesehen. Die bunte Hacker-Revolution ist ab sofort für Xbox One und Playstation 4 erhältlich, der Preis liegt bei 60 Euro und die Altersfreigabe bei 18 Jahren. Die PC-Version folgt am 29. November.



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