Ein einziges Gen macht den Unterschied
Forscher der Max-Planck-Gesellschaft analysieren das Erbgut von Menschen und Schimpansen

Von  Nico Pointner, 
21. Oktober 2015, 00:00 Uhr
Menschen und Schimpansen gleichen sich in fast 99 Prozent ihrer Gene. Ein winziger Unterschied hat offenbar riesige Auswirkungen. Ein Gen sorgt dafür, dass das Gehirn des Menschen dreimal so groß ist wie das des Affen.


 
Dresden. Dass Menschen und Menschenaffen sich deutlich unterscheiden, ist offensichtlich. Doch worin genau besteht eigentlich dieser Unterschied? Seit DNS-Analysen den Blick ins Erbgut vieler Lebewesen möglich machen, ist klar geworden, wie wenig sich Mensch und Affe doch unterscheiden. Rund 99 Prozent der Gene haben Menschen und Schimpansen gemeinsam - doch der kleine Rest von einem Prozent macht ganz offensichtlich einen bedeutsamen Unterschied.

Wie groß der ist, zeigt ein Blick ins Gehirn. Das Hirn eines Menschen ist dreimal so groß wie das eines Schimpansen. Eines oder einige der wenigen hundert Gene, in denen sich das Erbgut von Mensch und Affe unterscheidet, muss für diesen Unterschied gesorgt haben. Forscher am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden haben nun ein Gen (ARHGAP11B) identifiziert, das bei der Vermehrung der sogenannten basalen Hirn-Stammzellen eine wichtige Rolle spielt.

Dieses Gen komme nur beim Menschen und seinen nächsten ausgestorbenen Verwandten, dem Neandertaler und Denisova-Menschen vor und sorge im Hirn dafür, dass ein größerer Vorrat an Stammzellen gebildet wird. So entstehen mehr Nervenzellen, die Masse des Großhirns wächst. Dieser Bereich ist für kognitive Leistungen wie Sprechen oder Denken verantwortlich.

In Tierversuchen pflanzte die Dresdener Arbeitsgruppe um Professor Wieland Huttner Mäuseembryos dieses menschliche Gen ein. Es habe darauf tatsächlich die Produktion von Hirn-Stammzellen angekurbelt. Bei der Hälfte der Versuchstiere sei es zur Faltung der Großhirnrinde gekommen, ganz so, wie es beim Menschen typisch ist. „Damit sind wir der Evolution wieder etwas mehr auf die Spur gekommen“, so der Neurobiologe der Max-Planck-Gesellschaft.

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