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Nur keine Angst vorm Studium





Nur keine Angst vorm Studium
Von SZ-Redaktionsmitglied Laura Blatter,  12. Februar 2013, 00:13 Uhr
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Als Studienpioniere möchten sie andere Arbeiterkinder zur Aufnahme eines Studiums an einer saarländischen Hochschule ermutigen: Simone Anderko, Meikel Mang, Julia Trumpler mit Sohn Noah und Olesya Kavalchuk (von links). Foto: Oliver Dietze

Saarbrücken. Sie wissen, welche Hürden diejenigen zu überwinden haben, die als Erste in der Familie ein Studium aufnehmen. Julia Trumpler, Simone Anderko, Meikel Mang und Olesya Kavalchuk sind selbst sogenannte Studienpioniere - Studenten aus nicht-akademischen Familien. Damit gehören sie einer Minderheit an


 
Saarbrücken. Sie wissen, welche Hürden diejenigen zu überwinden haben, die als Erste in der Familie ein Studium aufnehmen. Julia Trumpler, Simone Anderko, Meikel Mang und Olesya Kavalchuk sind selbst sogenannte Studienpioniere - Studenten aus nicht-akademischen Familien. Damit gehören sie einer Minderheit an. Denn laut der aktuellen Sozialstudie des Deutschen Studentenwerkes beginnt nur ein knappes Viertel (24 Prozent) der Kinder aus nicht-akademischen Familien eine akademische Karriere, obwohl doppelt so viele die Hochschulreife erreichen. Trumpler, Anderko, Mang und Kavalchu sind außerdem Stipendiaten der Studienstiftung Saar. Diese schreibt seit 2011 eigens für Studienpioniere Stipendien aus.

Um auch andere zu ermutigen, ein Studium aufzunehmen, und um ihnen beratend zur Seite zu stehen, nehmen die vier Stipendiaten an einem Mentorenprogramm der Studienstiftung Saar in Kooperation mit der gemeinnützigen Organisation Arbeiterkind.de teil. Ziel ist es, ein Netzwerk aufzubauen, das die sogenannten Studienpioniere an den vier saarländischen Hochschulen mit ihren Ängsten und Sorgen auffängt. Dabei sollen ihnen Mentoren zur Seite gestellt werden, die Hilfe bei Studienfragen geben und sie ins Campusleben einführen. Außerdem ist die Einrichtung von festen Sprechstunden geplant. Die Mentoren wollen an saarländischen Schulen über das Thema Studium informieren und über ihre eigenen Erfahrungen berichten.

Vorbild ist dabei die Initiative Arbeiterkind.de, die sich seit 2008 von einem reinen Internetportal zu einer Gemeinschaft von 5000 Ehrenamtlichen in ganz Deutschland entwickelt hat. Katja Urbatsch hat die Organisation vor fünf Jahren gegründet. "Wir möchten in ganz Deutschland Arbeiterkinder dazu ermutigen, diesen Schritt an die Hochschule zu wagen und wollen ihnen auch während des Studiums beratend zur Seite stehen", erklärt sie ihr Anliegen.

Auch in Saarbrücken gibt es seit 2011 eine lokale Gruppe. Simone Anderko ist von Beginn an dabei und weiß um die Schwierigkeiten, die die Gruppe bislang hat. "Uns fehlt es einfach an Manpower. Wir sind derzeit zehn aktive Mitglieder und das sind zu wenige, um Sprechstun den anzubieten oder in die Schulen zu gehen", sagt die 33-Jährige, die derzeit an ihrer Doktorarbeit in Human- und Molekularbiologie an der Saar-Uni arbeitet.

Nachwuchs-Mentoren konnten beim Mentorentraining in Saarbrücken, das Katja Urbatsch, leitete, gewonnen werden. Dieses habe großen Zuspruch gefunden: 24 ehrenamtliche Teilnehmer wollen sich auch in Zukunft engagieren.

"Jeder von uns kann sich mit dieser Mission, die Arbeiterkind.de hat, identifizieren: Leute ermutigen, die sich in derselben Situation befinden, in denen wir selbst einmal waren", sagt Meikel Mang. Der 21-Jährige studiert Betriebswirtschaft an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) und beschreibt seinen Start an der Fachhochschule als schwierig: "Meine Eltern haben mich sehr unterstützt. Aber ich konnte - anders als Akademikerkinder - einfach nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen." Auch Julia Trumpler, Studentin der sozialen Arbeit an der HTW, hatte Angst: "Ich wusste einfach nicht, was mich an der Uni erwartet und ob ich den Erwartungen gerecht werde."

Die Ukrainerin Olesya Kavalchuk studiert Europäische Integration an der Saar-Uni. "Als ich aus der Ukraine nach Deutschland gekommen bin, war ich schockiert. Denn ich dachte, hier wäre es normal studieren zu gehen. Dabei ist das für viele keine Selbstverständlichkeit."

Mit dem neuen Mentoren-Netzwerk will sich die Arbeiterkind.de-Gruppe im Saarland gemeinsam mit der Studienstiftung Saar für mehr Chancengleichheit einsetzen. Der erste Besuch der Mentoren an einer saarländischen Schule ist für den 22. Februar geplant. An der Gesamtschule in Neunkirchen informieren die Studienpioniere dann über die Perspektive Studium.

studienstiftung-saar.de

saarbruecken.arbeiterkind.de

Auf einen Blick

Die Studienstiftung Saar schreibt seit 2011 Stipendien für sogenannte Studienpioniere - Studenten aus nicht-akademischen Familien - aus. In den vergangenen zwei Jahren wurden 94 Studienpionier-Stipendien vergeben. Gemeinsam mit der saarländischen Ortsgruppe der bundesweit agierenden Initiative Arbeiterkind.de, will die Studienstiftung Saar ein saarländisches Mentoren-Netzwerk aufbauen. Studienpioniere der vier saarländischen Hochschulen werden dabei an weiterführenden Schulen Jugendliche, deren Eltern nicht studiert haben, dazu ermutigen, ein Studium aufzunehmen und über Themen wie Studienfinanzierung informieren. Der Stammtisch der Arbeitergruppe in Saarbrücken trifft sich jeden ersten Montag im Monat im Bio-Bistro Bolay's, Türkenstraße 17 in Saarbrücken. bla



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