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Neue Schulform für mehr Chancen?
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Von SZ-Redakteur Patrick Griesser,  06. Januar 2011, 14:29 Uhr
Bis 21. Januar entscheidet sich, ob aus Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen eine neue Schulform wird. Das Bildungsministerium wirbt für eine klare Schulstruktur und längere Offenheit der Bildungslaufbahn.
Saarbrücken. Kein bildungspolitisches Thema wird derzeit intensiver diskutiert, als die geplante Gemeinschaftsschule, die aus Erweiterter Realschule und Gesamtschule hervorgehen soll. Bildungsminister Klaus Kessler antwortet auf die Frage, welche Nachteile diese Schulform bringen würde, in der Regel: keine. Das Ministerium erwartet – für Eltern, Schüler und Lehrer – diese Vorteile:

Eltern profitieren demnach von einer klar gegliederten und überschaubaren Schulstruktur, was ihnen Sicherheit bei der Wahl der weiterführenden Schule für ihre Kinder geben soll. Die Gemeinschaftsschule soll die Alternative zur verkürzten Lernzeit im achtjährigen Gymnasium werden. An ihr könnte in neun Jahren das Abitur erreicht werden. Ansonsten kann nach Klasse neun der Hauptschulabschluss und nach Klasse zehn der Realschulabschluss erfolgen. Eltern, die ihre Kinder noch nicht auf eine Schulform festlegen können oder wollen, erfahren weniger Entscheidungsdruck, sagt das Ministerium. Das sich durch das so genannte Zwei-Säulen-Modell erhofft, auch kleinere Schulstandorte trotz zurückgehender Schülerzahlen zu sichern. Weiterführende Schulen könnten auch dann wohnortnah angeboten werden.



Schülern soll die neue Schulstruktur entgegenkommen, weil gerade die Gemeinschaftsschule die von Kind zu Kind unterschiedliche persönliche Entwicklung während der Schullaufbahn berücksichtigen werde, so das Ministerium. Das unter den sonst streitbaren Bildungsforschern meist wenig umstrittene Beispiel: Ein Kind bereits im Alter von zehn Jahren schablonenhaft bestimmten Schulformen zuzuordnen, sei problematisch. Das Zwei-Säulen-Modell soll demnach unterschiedlichen Lern-, Leistungs- und Begabungstypen gerecht werden. Und besonders die Gemeinschaftsschule soll die Bildungslaufbahn so lange wir möglich offen halten, wovon auch Kinder aus Migrantenfamilien oder einem sozial benachteiligten Kreis profitieren sollen. Die individuelle Förderung sowohl leistungsschwächerer als auch stärkerer Schüler sollen kleinere Klassen ermöglichen – ein politisch umstrittener Punkt (siehe nebenstehenden Text).

Schwerpunkte in den Bereichen Berufsvorbereitung und Wirtschaftskompetenz werden den Jugendlichen den Start in das Berufsleben deutlich erleichtern, ist sich das Ministerium sicher. In der Gemeinschaftsschule sollen das fachliche und das soziale Lernen den gleichen Stellenwert haben. Bildungsminister Kessler will das durch eine Verordnung sichern. Sein Ziel: Kindern aus sozial instabilen Familien das beste Rüstzeug für den beruflichen Werdegang mitzugeben.



Lehrer sollen von der geplanten Gemeinschaftsschule sowohl im Kollegium als auch persönlich profitieren. Erweiterte Realschule und Gesamtschulen befänden sich seit der Schulreform 1996 in einer Konkurrenzsituation, so das Ministerium. Die Gemeinschaftsschule solle die Trennung zwischen den verschiedenen Lehrämtern überwinden, vernetztes Arbeiten soll verstärkt werden. Darüber hinaus würden die Lehrkräfte beim Aufbau der neuen Schulform Mitbestimmungsmöglichkeiten erhalten, was eine hohe Identifikation mit sich bringen wird, sagt Kessler voraus. Saarbrücken. Im Ringen zwischen der Jamaika-Koalition und der SPD um die Gestaltung der Gemeinschaftsschule hat Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne) im Gespräch mit der SZ Verbesserungen des derzeitigen Entwurfs in Aussicht gestellt: So sollen Schulstandorte an sozialen Brennpunkten stärker personalisiert werden, falls nötig. Kessler verspricht in dem Fall kleinere Klassen. „Ungleiches wird dann auch ungleich behandelt“, sagte er. Kessler kommt damit den Sozialdemokraten entgegen. Die fordern gesetzlich festgelegte Klassengrößen von höchstens 25 Kindern. Er lasse die Forderungen derzeit hochrechnen, so Kessler: „Ich bin zuversichtlich, dass wir uns noch einigen können.“

Die Regierungskoalition aus CDU, FDP und den Grünen benötigt Stimmen aus der Opposition, um die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit für eine Verfassungsänderung zu erreichen. Erst dann könnte die neue Schulform entstehen. Die Parteien haben sich darauf verständigt, dass bis 21. Januar eine Entscheidung fallen soll. pg


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