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Teil 2: Mühsamer Abstieg vom Müllberg





Teil 2: Mühsamer Abstieg vom Müllberg
Von SZ-Redakteur Gerhard Franz ,  22. November 2010, 12:13 Uhr
Wer Großbehälter nutzt, kommt künftig am besten weg.
Saarbrücken. Dass es im Saarland zu einem neuen System der Abfallentsorgung und der Gebührenberechnung kommen muss, hat sich seit Jahren abgezeichnet. Liegt doch die Verbrennungskapazität für Hausmüll im Saarland mit rund 400 Kilogramm pro Kopf und Jahr so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Dies hatte zur Folge, dass in den 90er Jahren vor allem auf die Auslastung der Verbrennungsanlagen von Neunkirchen und Velsen Wert gelegt wurde, nicht aber auf Strategien zur Müllvermeidung. Die Konsequenz dieser vom früheren EVS-Chef Peter Bähr verantworteten Fehlentwicklung ist die hohe Müllproduktion, mit der das Land einen Spitzenplatz einnimmt.

Doch seit gut einem Jahrzehnt hat sich das Blatt gewendet. Seit zunächst die Bürgermeister von Lebach, dann auch von St. Wendel und Eppelborn aus dem EVS ausgeschieden sind, um mit ökologischer Schwerpunktsetzung nicht nur die Mengen zu reduzieren, sondern ihren Bürgern auch Gebühren zu sparen, wird der Druck auf den EVS größer, in dieser Richtung aktiv zu werden. Sonst, so drohten einige Bürgermeister, werde man den Verband gleichfalls verlassen.

Und es war immer wieder St. Wendels Bürgermeister Klaus Bouillon, der den Finger in die Wunde legte. Vor zwei Jahren rechnete er vor, dass seine Stadt mit der Abfallvermeidung und der Müllverwiegung ihren Bürgern bereits 4,5 Millionen Euro an Abfallgebühren erspart hätte. Und während der EVS zuletzt für seine Gemeinden ein „einwohnerspezifisches Restmüllaufkommen“ von 240 Kilo pro Kopf und Jahr ermittelte, lag der entsprechende Wert für St. Wendel mit 115 Kilo nicht mal halb so hoch.

Dennoch sorgen sich inzwischen viele Menschen, ob die Umstellung des Entsorgungs- und Gebührensystems im EVS ihnen finanzielle Nachteile bringt. So will etwa die Gemeinde Großrosseln bei der nächsten Verbandsversammlung Front gegen das neue Gebührensystem machen. Allerdings: Bei den Nachbarn in Völklingen hat sich das Leerungssystem bewährt. Innerhalb von zwei Jahren wurde die Restabfallmenge bereits um 17 Prozent gesenkt; gleichzeitig nahm die Altpapiermenge deutlich zu. Und an der Gebühr lässt sich auch sparen, wenn man die Tonne seltener vor die Tür stellt.

Einer Gruppe von EVS-Kunden ist die Gebührensenkung zum Jahreswechsel bereits garantiert: Nutzer von Großbehältern, die laut EVS „leider nicht in das neue, auf das individuelle Entsorgungsverhalten ausgerichtete Gebührensystem eingebunden werden“ können. Da sie von Mehreren genutzt würden, sei eine korrekte Zuordnung nicht möglich. Die Großkunden kommen deshalb auf zum Teil spürbare Abschläge. So kostete bisher der 1100-Liter-Container bei 14-tägiger Leerung 1421,28 Euro. Die gleiche Leistung gibt's im nächsten Jahr für rund 137 Euro weniger. Ähnlich wirkt sich die Gebührenermäßigung beim 770-Liter-Container mit 14-tägiger Leerung aus. Sagenhafte 700 Euro spart aber jener Großkunde, der einen 1100-Liter-Container mit dreimaliger Leerung pro Woche vor der Tür stehen hat. Der zahlt bisher 8400, in Zukunft noch 7700 Euro pro Jahr. Zu dieser Diskrepanz sagte EVS-Geschäftsführer Heribert Gisch: „Auf Grund gebührenrechtlicher Zwänge müssen wir diese Anpassung vornehmen, auch wenn das auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar erscheint.“


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