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Teil 1: Viel Müll, viele Fragen





Teil 1: Viel Müll, viele Fragen
Von SZ-Redakteur Gerhard Franz ,  22. November 2010, 12:08 Uhr
Neues Gebührensystem zur Müllabfuhr verunsichert die Verbraucher im Saarland.
Saarbrücken. Im Saarland gehen die Wogen hoch. Seit der Entsorgungsverband Saar (EVS) angekündigt hat, das Gebührensystem umzustellen, laufen die Bürger Sturm; es häufen sich die Leserbriefe zu den Müllgebühren in deutlichem Maß. Und in den Gemeinderatssitzungen wird landauf, landab darüber diskutiert, wie man mit speziellen Windelsäcken die Familien mit Kindern oder inkontinenten Senioren vor einer Aufblähung des Abfall-Gebührenbudgets bewahren kann.

Die Leute haben davor Angst, dass sie im nächsten Jahr bei gleicher Leistung deutlich mehr für ihre Müllabfuhr bezahlen müssen als in diesem Jahr. Dafür steht folgende Rechnung: In diesem Jahr kostet die 120-Liter-Tonne bei 14-tägiger Leerung 179,04 Euro. Im nächsten Jahr werden 26 Leerungen bei der gleichen Tonne aber mit 225,18 Euro berechnet, 46 Euro mehr, ein saftiger Gebührensprung von rund 25 Prozent.

Ähnlich sieht es beim größeren Müllgefäß mit 240 Litern Fassungsvermögen aus. Dieses kostet im Jahr 2010 bei 14-tägiger Leerung 280,44 Euro. Wenn aber die gleiche Tonne im nächsten Jahr 26 Mal geleert wird, muss der betreffende Haushalt immerhin schon 412,98 Euro hinblättern, 132 Euro mehr, eine Verteuerung um fast 50 Prozent.

Das alles lässt sich aus einer Info-Broschüre herauslesen, die der EVS zur Gebührenumstellung, die zum Jahreswechsel erfolgt, herausgegeben hat. Teurer wird auch die Biomüll-Tonne, die bisher mit 36,96 Euro veranschlagt ist. Mit ihr kommt man nächstes Jahr nur dann günstiger weg, wenn man sie bloß 22 Mal leeren lässt. Dann kostet sie nämlich 35,04 Euro; jede weitere Leerung schlägt mit 1,59 Euro zu Buche.

Doch nach den Beteuerungen des Entsorgungsverbands soll es nicht teurer werden. In der Info-Broschüre des EVS heißt es, dass der Durchschnitt der saarländischen Haushalte im kommenden Jahr nicht stärker zu den Abfallgebühren herangezogen wird als 2010. Entsprechend behaupten die beiden EVS-Geschäftsführer Karl Heinz Ecker und Heribert Gisch: „Die Höhe der 2011 insgesamt einzunehmenden Gebühren liegt unter dem Niveau der Jahre 2009 und 2010. Von einer Gebührenerhöhung kann daher keine Rede sein.“ Vielmehr komme es zu einer Umverteilung der Gebühren zu Gunsten jener Haushalte, die durch die konsequente Trennung ihrer Abfälle dazu beitragen, dass Wertstoffe in höherem Maße wiederverwertet werden, statt sie in Verbrennungsanlagen teuer zu entsorgen. Die Idee dabei: Wer kein Papier, kein Glas, kein Plastik und keine sonstigen ausgedienten Geräte in die Restmülltonne wirft, sondern die Verpackungsabfälle per Gelbem Sack entsorgt, Pappe, Papier und Glas in die entsprechenden Container und Tonnen verteilt oder zu den Wertstoffhöfen und Annahmestellen für Elektronikschrott fährt, hat wesentlich weniger Müll in seiner Tonne. Deshalb kann er auch sein Restmüllgefäß wesentlich seltener als bisher vor die Tür stellen. Und dann – so wird vermutet – spart der Haushalt Geld.

Eine der vielen Familien, die uns ihre Meinung schrieb, will das aber nicht einsehen: „Im Prinzip ist diese ganze Umstellung auf das Leerungssystem kalter Kaffee. Denn was wird denn schon gespart? In unserem Haushalt wird schon seit Jahren Müll getrennt. Wir bringen die Flaschen an den Container, den Papiermüll genauso, wobei wir dies nun überdenken und uns eventuell eine Papiertonne bereitstellen lassen. Für den Biomüll haben wir einen Komposthaufen. Sperrmüll haben wir so gut wie keinen, und unseren Elektroschrott bringen wir seit Ewigkeiten zum Wertstoffhof. Wir kennen viele Haushalte, in denen dies genau so gehandhabt wird. Also sind wir doch schon auf Sparkurs.“

Auf einen Blick

Die Gebührenentwicklung, wie sie hier dargestellt ist, gilt nicht für alle saarländischen Gemeinden, sondern nur für solche, die zum Jahreswechsel das so genannte Leerungssystem einführen. Dann bemisst sich die Abfallgebühr danach, wie oft eine Mülltonne im Jahr zur Leerung bereitgestellt wurde. Nicht an diesem System nehmen Städte wie St. Wendel, Lebach oder Eppelborn teil, die aus dem EVS ausgeschert sind und mit der Verwiegung der Abfälle hervorragende Erfahrungen gesammelt haben. Eigene Wege gehen auch Saarbrücken, Merzig, St. Ingbert, Losheim oder Völklingen, das das Leerungssystem schon vor zwei Jahren eingeführt hat. gf


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