Denn die EU-Kommission plant über eine europaweit bindende Verordnung, dass zeitlich begrenzte stille Einlagen schon ab 2013 nicht mehr zum harten Kernkapital zählen. Bisher sollte diese Regelung für Landesbanken ab Ende 2022 greifen. "Auf diese Vorgabe, die erst Ende 2010 umgesetzt wurde, haben wir uns bislang verlassen. Wenn diese plötzlich wieder umgeworfen werden, ist das in unseren Augen Rechtsbruch", schimpfte Buchbinder gestern anlässlich der Bilanzpressekonferenz der Saar-LB. "Einmal so, einmal so - das geht nicht." Bei der Landesbank sind von dieser Kehrtwende rund 200 Millionen Euro an stillen Einlagen betroffen. Wenn diese ab 2013 nicht mehr zum harten Kernkapital gezählt werden dürfen, "werden wir die Kreditvergabe spürbar einschränken müssen", betonte der Saar-LB-Chef. Für den Mittelstand in der Region verteuere sich damit die Fremdfinanzierung, die Vergabe von Kommunal- und Immobilien-Krediten werde erschwert. Buchbinder appellierte an die Bundesregierung, die Brüsseler Pläne zu verhindern, da davon zahlreiche deutsche Banken und Kunden betroffen wären.
In ihrem eigentlichen Geschäft hat sich die Saar-LB im vergangenen Jahr "nachhaltig weiterentwickelt", so Vorstandsvize Werner Severin. Die Kundenforderungen stiegen um eine Milliarde Euro. "Vor allem das Projekt-Geschäft erneuerbare Energie - zum Beispiel Windparks - ist kräftig gewachsen", erklärte Vorstandsmitglied Frank Eloy. Das gesamte Kreditvolumen addiert sich inzwischen auf 15,4 Milliarden Euro (plus 3,6 Prozent).
Die Aktivitäten, die nicht zum Kernportfolio gehören, konnten um 1,5 Milliarden Euro abgebaut werden. Geografisch gehören das Saarland, Rheinland-Pfalz samt Nachbarregionen und Ostfrankreich zum Kernportfolio. Als Geschäftsfelder fallen Immobilien, Firmen, Kommunen oder Projekte darunter - außerdem die Betreuung vermögender Privatkunden und die Verwaltung großer Vermögen (Wealth Management).
Unterm Strich blieb bei der Saar-LB im vergangenen Jahr ungefähr soviel übrig wie 2010. Das Ergebnis nach Steuern lag auf Basis der internationalen Rechnungslegung IFRS bei 22 Millionen Euro (Vorjahr 21,6 Millionen Euro). Auf Grundlage des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) wurden 9,8 Millionen Euro erwirtschaftet, die in so genannte zweckgebundene Reserven fließen. Eine Ausschüttung an die Eigentümer der Saar-LB - Bayern-LB (49,9 Prozent), Saarland (35,2 Prozent) und Sparkassenverband Saar (14,9 Prozent) - wird es nicht geben. Die Liquiditätssituation bezeichnete Buchbinder als "komfortabel". Die Kernkapitalquote (Kredite im Verhältnis zum Kernkapital) betrage 9,9 Prozent (2010 zehn Prozent). Die Bilanzsumme lag bei 19,76 Milliarden Euro, (plus 3,7 Prozent). Die Saar-LB beschäftigt 514 Mitarbeiter. Auch für dieses Jahr erwartet Buchbinder "eine positive Geschäftsentwicklung".
Meinung
Die Kritiker sind leiser geworden
Von SZ-RedakteurLothar Warscheid
Die Saar-LB kann durchatmen. Die Finanzkrise hat sie ohne größere Blessuren überstanden. Die Eigentümer müssen zwar noch auf Dividende verzichten, verlieren aber auch kein Geld. Im Vergleich zu anderen Landesbanken ist das schon ein Erfolg. Außerdem hat die Saar-LB einen Strategiewechsel zu einer regionalen, deutsch-französischen Mittelstandsbank vollzogen, der sehr umstritten war. Inzwischen sind die Kritiker leiser geworden, zumal nicht nur das Geschäft in Frankreich, sondern auch in Rheinland-Pfalz wächst. Da es dort keine Landesbank mehr gibt, füllen die Saarländer ein Vakuum aus. Irgendwie braucht man sie wohl doch - die Landesbanken.

































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