Matthias Schrade vom Bundesvorstand ist der erste Pirat, der gestern die Landespressekonferenz betritt. Und zwar weitgehend unbemerkt. Christoph Hartmann von der FDP ist gerade dabei, die Wahlniederlage seiner Partei in Worte zu fassen, da macht Schrade - in blauem T-Shirt und verwaschener Jeans - schon mal mit seinem Handy Fotos, wie's "da drin" so aussieht. Auf einem Tisch hat jemand Playmobil-Männchen mit Piratenkostümierung aufgestellt. Schrade sieht das, lacht in sich hinein und macht auch davon Fotos.
"Wir und viele unserer Wähler haben das Gefühl, dass die etablierten Parteien es versäumt haben, die Bürger mitzunehmen", erklärt Hilberer wenig später, nachdem er mit Jasmin Maurer (22), Andreas Augustin (32) und Michael Neyses (43) in der Landespressekonferenz Platz genommen hat. "Wir wollen die Basisdemokratie ins Parlament bringen", sagt Augustin. Sie fordern "mehr Bürgerbeteiligung". Hilberer räumt ein, dass "wir noch kein umfassendes Programm für die Schuldenbremse haben". Sicher sei nur: "Bei der Bildung darf nicht gespart werden." Aber er verspricht: "Wir werden uns entwickeln."
Die Landesvorsitzende Jasmin Maurer hat sich von dem Schwächeanfall, der sie am Wahlabend kurz vor 18 Uhr ereilt hatte, wieder erholt. "Das war keine Angst vor der eigenen Courage, sondern der Kreislauf", stellt sie klar. Nach ihren Angaben wird der Fraktionschef der Piraten "wahrscheinlich noch in dieser Woche benannt". Um dies und anderes zu besprechen, will sich die neue Landtagspartei am Abend in einem Lokal in Saarbrücken treffen. Allerdings, gesteht Augustin freimütig vor der Presse, "habe ich da noch niemanden erreicht, um einen Tisch zu reservieren".
Die "etablierten" Parteien bezeichnen die Piraten gestern durchweg als "Phänomen", deren gesellschaftlichem Hintergrund man sich öffnen müsse. CDU-Fraktionschef Klaus Meiser sagt, was wohl viele seiner Parlamentskollegen denken: "Ich bin neugierig auf die Piraten, aber richtig beurteilen kann ich sie nicht." Vielleicht ändert sich das.































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