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Barcelona

Messi wird zur tragischen Figur

80 Prozent Ballbesitz, aber nur zwei Tore - am Ende war das zu wenig für die Star-Truppe des FC Barcelona im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Chelsea. Besonders bitter war der Abend für Lionel Messi. (Veröffentlicht am 26.04.2012)

Barcelona. Barcelona. Wie ein begossener Pudel trottete Lionel Messi vom Platz. Sein Kopf schien 1000 Kilo schwer, als könne er ihn nicht auf den Schultern tragen. Der Mann, der in der Regel den Karren aus dem Dreck zieht, wenn es beim FC Barcelona mal nicht so läuft, ließ den Kopf hängen. Der Weltfußballer, der Außerirdische, der Einzigartige oder auch der Göttliche, wie er in wechselnden Superlativen immer wieder genannt wird, verwandelte sich vor 95 000 Fans im Camp Nou zu einem normalen Menschen. Und zur tragischen Figur.

Messi traf den Pfosten, schoss einen Elfmeter an die Latte - doch ein Tor wollte ihm im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Chelsea einfach nicht gelingen. Und so jubelten am Ende die Engländer. Sie hatten bereits im Hinspiel mit destruktiver Mauertaktik ein glückliches 1:0 erkämpft und ließen am Dienstagabend in Barcelona mit ebendiesem Stil ein sensationelles 2:2 folgen. Damit steht Chelsea zum zweiten Mal nach 2008 im Finale der Königsklasse - und der FC Barcelona steht mit leeren Händen da.

Was war nur mit Messi los? Das fragten sich alle, die den Hochgeschwindigkeits-Dribbler bewundern - eine Antwort bleibt aus. "Wir sind Leo sehr dankbar. Ohne ihn wären wir nie so weit gekommen", sagte Trainer Pep Guardiola ausweichend: "Das sind nun traurige Stunden für ihn, aber das gehört zum Fußball." Der tragische Held selbst schwieg. 14 Tore hatte der kleine Argentinier in den ersten neun Partien der Champions League erzielt. Dann kam das Halbfinale und diese Woche zum Vergessen: kein Tor in London am vergangenen Mittwoch, nur Fehlschüsse beim 1:2 am Samstag gegen Real Madrid, das zu allem Übel die Meisterschaft zugunsten des verhassten Rivalen entschied. Und auch gegen Chelsea nichts Zählbares vom 24-Jährigen.

Sergio Busquets (35.) und Andres Iniesta (43.) - immerhin auf Vorlage von Messi - schienen Barça mit ihren Toren zunächst in Richtung Finale zu schießen. Zumal Chelsea ab der 37. Minute auf Kapitän John Terry verzichten und nach dessen Roter Karte mit neun Feldspielern weitermachen musste. Doch der Brasilianer Ramires in der Nachspielzeit der ersten und der eingewechselte Fernando Torres in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte machten die katalanischen Träume einer Titelverteidigung im Finale am 19. Mai in München zunichte. Mal wieder war es der FC Chelsea, gegen den die Katalanen keines ihrer sieben Spiele in den letzten sechs Jahren gewinnen konnten.

"Große Enttäuschung beherrscht mich, wir haben fantastisch gespielt, aber es hat nicht gereicht. Unterm Strich haben wir versagt", sagte Guardiola: "Chelsea hat sehr gut verteidigt und effektiv gekontert, daher gratuliere ich ihnen." Roberto Di Matteo, Trainer der Londoner, fasste das Spiel aus seiner Sicht zusammen: "Wir spielen einen anderen Stil als Barça, aber unserer war an diesem Abend der bessere. Wir hatten auch etwas Glück, das braucht man gegen einen solchen Gegner. Aber wir waren auch sehr gut organisiert, und somit denke ich nicht, dass das Resultat unfair ist." Etwa 80 Prozent Ballbesitz hatte Barcelona in beiden Spielen. Der Ausdruck "destruktiv" erscheint für die Spielweise der "Blues" fast zu schwach. Doch Di Matteo steht zu seiner Taktik: "Wir können nicht nur verteidigen, wir wissen auch, wie man Tore schießt, immerhin haben wir drei Treffer gegen den FC Barcelona erzielt."

Für das Finale wird Matteo improvisieren müssen. Neben Terry werden auch Stammspieler wie Raul Meireles, Branislav Ivanovic und Ramires aufgrund von Gelb-Sperren am 19. Mai in München nur zuschauen. dapd

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