Lässigkeit hat Methode
"Die 39 Punkte haben wir uns verdient, wir waren besser", konstatierte Favre im Buchhalterstil. Der Schweizer möchte sich trotzdem noch daran machen, "ein paar Details zu verbessern". Dass es trotzdem so lässig und locker aussieht, wie Reus beschrieb ("Wir spielen unseren Stiefel runter"), hat Methode. Baumeister Favre schiebt unter der Woche nicht nur Plastikpuppen über die Trainingsflächen, sondern überprüft am Wochenende beispielsweise persönlich, ob ein Platz Originalmaße hat. Schritt für Schritt ging er in Stuttgart das Grün bis zur Gegengeraden ab, "es kam mir erst zu breit vor". Wer sich so akribisch ans Werk macht, erntet den Erfolg fast zwangsläufig. Es mehren sich Indizien, dass diese Gladbacher im Meisterschaftskampf bis zum Ende mitmischen. Mit weniger Dominanz und Ballbesitz als Bayern München, mit weniger Sturm und Drang als Borussia Dortmund, mit weniger Individualität und Investitionen als Schalke 04. Und doch kommt der Gladbacher Konter- und Konzeptfußball als erstklassige Bewerbung im Vierkampf daher. Sportchef Max Eberl sprach von einer "Augenweide". Ihn hatte am meisten beeindruckt, "wie wir als Mannschaft zusammen agiert haben".
Titelverdächtige Souveränität
Wer die Grundlagen ergründen will, warum die Borussia in Stuttgart in titelverdächtiger Souveränität siegte - nach einer 0:7-Demütigung in der Vorsaison -, der hat nur Favre zuhören müssen, der die Wandlung im Schnelldurchgang erläuterte. Erste Etappe sei bei Amtsantritt im Februar 2011 gewesen, die Abwehr besser zu machen. Als zweite Etappe wollte er ab Oktober, November im Angriff "mehr Torchancen kreieren". Nun, im Januar 2012, sprach Favre fast schon von Zielerreichung: "Es wird schwer, besser zu spielen." Spitze ist die Borussia darin, dass eigene Tor zu verriegeln. Bei Amtsantritt Favre waren es 2,7 Gegentore pro Spiel, nun sind es zwölf in 19 Spielen - 0,6 pro Partie. Das Bollwerk lässt weder ganze Konter- noch halbe Eigentore zu. Drei Komponenten stechen heraus. Zum ersten die "Doppelsechs" mit Havard Nordtveit und Roman Neustädter. Beide keine filigranen Gestalter, dafür ideale Räumeversperrer. Zum zweiten besticht Abwehrchef Dante mit solcher Souveränität, dass dessen Sehnsucht nach der Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2014 in seiner Heimat Brasilien verständlich erscheint. Zum dritten steht mit Marc-André ter Stegen der wohl konstanteste Torwart der Liga im Kasten. Wo die Nationaltorwart 2012 fatal abschlagen (Münchens Manuel Neuer) oder Löcher in die Luft fausten (Tim Wiese von Werder Bremen), leistet sich der 19-Jährige keine Aussetzer. Seine Ausstrahlung überträgt sich auf die Vorderleute. Wie den Uchtelfanger Patrick Herrmann: Das 19 Jahre alte Leichtgewicht vom rechten Flügel hat den zwei Toren beim 3:1 gegen die Bayern zwei Vorlagen in Stuttgart folgen lassen und keck verkündet: "Unser Ziel ist der Nicht-Abstieg, unser Traum ist die Meisterschaft."




































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