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1933 glich die Wallfahrt nach Trier einer Weltreise

Von SZ-Redakteurin Sophia Schülke

Foto: Sl-wmaas (Veröffentlicht am 12.05.2012)

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Willi Maas als Neunjähriger unter 54 Jungen bei der Kommunion 1934 (erste Reihe, fünfter von rechts). Ein Jahr zuvor war er mit Pilgern der Pfarrei St. Josef Derlen zum Heiligen Rock gepilgert. Archivfoto: Privat

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. Saarlouis/Trier. 1933 fand die erste Wallfahrt des 20. Jahrhunderts zum Heiligen Rock statt, rund zwei Millionen Menschen nahmen daran teil. Als Achtjährige waren Mechthild Becker aus Ensdorf und Willi Maas aus Elm dabei. Die Wallfahrt war für die Jugendzeit der beiden ein besonderes Erlebnis. "Ich hatte das Gefühl dabei sein zu müssen", erinnert sich der heute 87-Jährige Willi Maas. Die Wallfahrt war - mit heute verglichen - eine große Strapaze. In seiner Pfarrei wurde sie vorbereitet mit einem Triduum. Nach drei Tagen ging es los am 7. August, einem Montag. Die Nacht vor dem Pilgertag war kurz. "Die Josefsglocke läutete um 2.45 Uhr", erinnert sich Maas. 20 Minuten vor vier Uhr zogen 400 Pilger der Pfarrei St. Josef los, dabei waren auch die Glaubenden von Knausholz und Elm. Am Bouser Bahnhof nahmen sie mit den Pilgern der Pfarrei St. Peter den Sonderzug nach Trier. Die Fahrt dauerte mit zwei Stunden und 10 Minuten noch eine Stunde länger als heute. "Nach Trier reisen war damals eine Weltreise, insgesamt war es eine anstrengende Prozession", erzählt der Rentner rückblickend.

Komisches Kleid

Die Familie von Mechthild Becker reiste im Zug mit dem Dekanat über Dillingen nach Trier. Die pensionierte Lehrerin weiß noch genau, wie ihre ältere Schwester und sie am Morgen des Pilgertages auch Spielsachen in den Zug mitnehmen wollten. Die Mutter hatte andere Sorgen: "Sie überlegte, wie viel Butterbrote sie für die weite Reise machen sollte". Die Familie wohnte zu dieser Zeit in Siersburg, das damals noch Büren-Itzbach hieß. "Ich war sehr aufgeregt, wir sind ja damals kaum aus dem Dorf herausgekommen," sagt Becker.

Um acht Uhr hatten Willi Maas und seine Pilgergruppe bereits den Heiligen Rock gesehen, danach nahmen sie an der Pilgermesse teil, besuchten verschiedene Kirchen und die Martyrergräber. Mechthild Becker war als Kind von der Reliquie sehr beeindruckt. "Ich habe damals geglaubt, dass es der Rock von Jesus war", sagt Becker, die noch weiß, wie sie beim Anschauen des Rockes zu ihrem Vater sagte: "Das ist aber ein komisches Kleid, was Jesu anhatte." In ihrer Kindheitserinnerung hat sie die Tunika aber kleiner und mehr als richtiges Stoffgewebe konserviert: "Vor allem bei der Wallfahrt jetzt kam er mir größer und rauer, wie Baumrinde, vor."

1933 war nicht nur das Heilige Jahr, sondern auch das Jahr der Machtergreifung Hitlers und des Reichskonkordats zwischen Drittem Reich und Vatikan.

Die ersten Braunhemden

So hatte das Trierer Domkapitel den Ordnungsdienst der SA und nicht der katholischen Jugend übertragen. Maas erinnert sich an die SA-Männer, die sich als Ordnungsdienst vor den Pilgern aufstellten: "Hunderte von den braunen Uniformen säumten den Weg in Trier, ich sollte erst später erfahren, was das zu bedeuten hatte." Becker hingegen sind die SA-Männer vor dem Dom nur als Verstreute aufgefallen. "Sie wirkten friedlich und freundlich, Hitler wollte sich zu dieser Zeit ja noch mit der Kirche gut stellen ", erklärt sie. Ab 1934 begann die NSDAP die katholischen Jugendverbände und ihre Mitglieder unter Druck zu setzen, 1937 verbot sie die Verbände ganz. Maas und Becker nahmen, wie wohl viele andere saarländische und luxemburgische Pilger auch, an ihrem Wallfahrtstag zum ersten Mal bewusst SA-Uniformen wahr. Für das Saargebiet hatte die Internationale Regierungskommission SS und SA 1932 aufgelöst.

Glocken zur Heimkehr

Für die Pilgergruppe von Willi Maas ging es um 16 Uhr wieder mit dem Zug zurück. Besonders in Erinnerung ist Maas die Heimkehr ins Dorf geblieben: "Erhebend war der Anblick, wie die Prozession Danklieder singend und betend zur Pfarrkirche zurückkehrte." Als die Pilgergruppe an der Dorfgrenze in Knausholz eintraf, läuteten die Glocken, bevor der lange Pilgertag schließlich mit einer Andacht und einem Te Deum zu Ende ging.

Becker nahm auch an den folgenden drei Wallfahrten teil. 1959 mit dem dritten Kind schwanger, 1996 frisch verwitwet, 2012 mit Rollator und ihrem persönlichen Leitspruch in Gedanken: Den Glauben durch Tuchfühlung neu beleben. Die Frage, ob der Rock echt ist oder nicht, heilig oder nicht, bewegt die 87-jährige Katholikin nicht: "Wichtig sind das Leben und die Lehre von Jesus, welches Kleid er getragen hat, ist egal."

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