Bei der Saarbrücker Sommermusik wird sie mit dem Countertenor Ralf Peter auftreten, im November hat ihr neues Stück "Lilith 480" mit großer Besetzung im Kleinen Theater im Rathaus Premiere. Und im Juni wirkt sie wieder als Gast bei Marguerite Donlons "Geheimnis der Unsterblichkeit" im Staatstheater mit.
Seit Brochier erstmals 2002 im Theater im Viertel mit einem Georges Bataille-Stück auftrat, fühlt sie sich wohl in der freien Szene Saarbrückens und ist hier inzwischen eine feste Größe. Doch die aus der Region Rhône-Alpes stammende Französin, die an der renommierten staatlichen Figurentheaterhochschule in Charleville-Mézières studierte, ist auch in Frankreich aktiv. "Und hier", klagt Brochier, "wird es immer schwieriger, als Künstler zu überleben, die Orte, an denen man spielen kann, werden weniger".
Die staatlich anerkannten und bezuschussten Bühnen von Poitiers bis Forbach bildeten ein geschlossenes Netzwerk, in das man als Künstler ohne Mentor nicht hineinkomme. "Für die lokale Szene ist da kaum Platz", meint Brochier. In Nancy etwa habe ein befreundeter Künstler jetzt extra einen Raum gemietet, damit sich freie Gruppen - darunter auch Brochier - bei einem Festival dem Publikum zeigen können, für eine Gage reichten die Mittel aber nicht. Ansonsten gebe es bloß noch die sogenannten Cafés-Culture wie das Terminus, die keine Förderung erhalten. Die seien aber nur für Konzerte und Lesungen geeignet. "Die Leute unterhalten sich, für Theater ist es viel zu laut", hat die Puppenspielerin erst jüngst wieder bei einem Auftritt in Poitiers erfahren.
Bekommt man aber nicht genügend Produktionen und Auftritte zusammen, riskiert man in Frankreich den Status als staatlich anerkannter "Intermittent du spectacle" zu verlieren, der freien, nicht fest angestellten Kulturschaffenden für die Zeit zwischen ihren Beschäftigungen Arbeitslosengeld gewährt. Und genau das ist Brochier gerade passiert. Weil eine Behörde eine Fortbildung als Beschäftigung anerkannte, die andere aber nicht, fehlen ihr jetzt zu den nötigen 507 Stunden nachweislicher Beschäftigung in 10,5 Monaten ganze 40 Stunden. Das seien reine Rechenspiele, bei denen jeder inzwischen gezwungen sei zu schummeln, sagt die Künstlerin. Eine Aufführung zähle zwölf Stunden, ein Probentag acht Stunden, Künstler engagierten sich gegenseitig, um genug Stunden zusammenzubekommen und probten oft für nichts. Brochier wird jetzt RMI, die französische Sozialhilfe bekommen, 400 Euro im Monat, und weiterspielen.
Für die Saarbrücker Produktionen gibt es von der Stadt Produktionsförderung. Auch das deutsche Publikum ist Brochier inzwischen lieber als das französische. Die Deutschen seien viel aufgeschlossener für neue Kunstformen als ihre Landsleute, hat sie festgestellt. Nur eines findet sie hier schade: Dass die Saarbrücker Szene ihre Produktionen meist nur ein- bis zweimal aufführt. "Damit sich der Probenaufwand lohnt, müsste man das häufiger spielen", findet sie. Doch das ist eben die Krux in Deutschland: Die Szene wird zwar lokal gefördert, aber auch ihr Wirkungskreis ist oft nur lokal.
































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