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St Johann

Keltermann-Apotheke fällt Krise zum Opfer

Ende Juni schließt Petra Liekfeld am St. Johanner Markt


Autor: Von SZ-Redakteur Frank Kohler

Nach dreißigeinhalb Jahren steht die Keltermann-Apotheke vor dem Aus. Petra Liekfeld machte sie 1983 als junge Frau auf. Jetzt kann die Apothekerin nicht länger gegen die landesweite Krise ankämpfen. (Veröffentlicht am 18.05.2013)


Tapfer wollen Petra Liekfeld und ihre Leute die letzten Wochen durchstehen. Das Foto zeigt sie zwischen Karin Wilhelm (rechts) und Bettina Oerter. Liekfeld beschäftigt zwei Pharmazeutisch-Technische Assistentinnen, drei Apothekerinnen, eine Sekretärin und eine Putzfrau. Foto: Oliver DietzeFoto: Oliver Dietze

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St Johann. Kundschaft. Das Dingdong dringt aus dem Verkaufsraum der Keltermann-Apotheke gedämpft ins kleine Büro. Am 29. Juni ertönt dieses Geräusch zum letzten Mal. Danach schließt Petra Liekfeld (54) die Apotheke am St. Johanner Markt. Der Gedanke daran und an ihre Mitarbeiterinnen macht der Unternehmerin zu schaffen.

Der letzte Arbeitstag im Juni markiert den Schlusspunkt einer dreißigeinhalbjährigen Geschäftstätigkeit. Dieses Ende ist für die Inhaberin kein Einzelfall, sondern steht für die landesweite Apothekenkrise, die jetzt den St. Johanner Markt erreicht.

„Die Zahl der Apotheken hat sich saarlandweit drastisch reduziert. Gab es Ende 2001 noch 359 Apotheken, sind es aktuell nur noch 320“, sagt Carsten Wohlfeil, Geschäftsführer der Apothekerkammer des Saarlandes. Ein Grund: Das Apothekenhonorar sei 2004 bis 2012 nicht erhöht worden und zum 1. Januar 2013 nur um drei Prozent gewachsen. Dagegen seien seit 2004 die Einnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung um 37 Prozent gestiegen.

Liekfeld begann am 3. Januar 1983. „Ich war damals mit meinen 23 Jahren die jüngste selbstständige Apothekerin Deutschlands“, sagt sie. Der Sprung in die Selbstständigkeit klappte. Das Team wuchs. Aber die guten Zeiten sind vorbei. Stattdessen? „Kosten, Kosten, Kosten.“ Liekfeld listet auf, wo der überlebenswichtige Abstand zwischen Einnahmen und Ausgaben fortwährend geschmolzen sei.

Personalkosten: plus 32 Prozent im vergangenen Jahrzehnt. Betriebskosten: plus 11,9 Prozent. Plus Zwangsrabatte an die Kassen. Plus teurer Verwaltungsaufwand. „Der ist nicht zuletzt durch die neue Apothekenbetriebsordnung unheimlich groß. So muss neuerdings jede Rezeptur, die die Apotheke fertigt, umfangreich dokumentiert werden.“ Und: „Die dreiprozentige Honorarerhöhung schuf in keiner Weise einen Inflationsausgleich.“

Liekfeld erläutert auch die gesetzlich geregelte Preisberechnung in den Apotheken für rezeptpflichtige Arzneien: fester Einkaufspreis plus drei Prozent plus 8,35 Euro Aufschlag abzüglich 1,75 Euro Kassenrabatt. Ein Beispiel: Von einem Arzneimittel für 12 000 Euro bleibe der Apotheke ein Rohertrag von 310 Euro. Aus den in den letzten zehn Jahren um ein fast Drittel gesunkenen Roherträgen seien sämtliche Kosten wie Gehälter, Miete, Steuern, Versicherungen zu bezahlen. Hinzu komme als Konkurrenz das Internet. Plus der ein oder andere Kunde, der sich zwar in der Apotheke beraten lasse, aber im Netz bestelle und wichtige Strukturen wie die Apotheke vor Ort aufs Spiel setze. „Da mischen sich bei uns Enttäuschung und Unverständnis.“ Stolz sind Liekfeld und ihr Team auf viele treue, nun traurige Kunden. „Zu etlichen haben wir ein Vertrauensverhältnis. Sie suchen unseren Rat bei frei verkäuflichen Medikamenten, hören auf uns, wenn wir ihnen zum Arztbesuch raten, um Schlimmeres zu verhüten.“ Außerdem freut sich Liekfeld über folgenden Fortschritt: „Die Versorgung von Schmerzpatienten ist deutlich besser als noch vor zehn Jahren.“ Um darüber Bescheid zu wissen, sei ständige Fortbildung unerlässlich. Dem Aufwand stünden standortbedingte und – auch ohne aktuelle Mietsteigerung – „gegenüber dem Durchschnitt der Apotheken deutlich höhere Mietkosten sowie aus Qualitätsgründen höhere Personalkosten“ gegenüber. Hinzu kämen schwindende Kundenzahlen in der Innenstadt. Das Missverhältnis zwischen Kosten und Erträgen zwang im letzten halben Jahr schon zwei Innenstadt-Apotheken zur Aufgabe. In den vergangenen Jahren waren es sogar sechs.

Wie die Kollegen bemühte Liekfeld sich lange, noch über die Runden zu kommen. „Wir versuchten, die Kosten zu senken, so gut es ging. Die beiden Pharmazeutisch-Technischen Assistentinnen, die drei Apothekerinnen und meine Sekretärin arbeiten in Teilzeit. Ich stehe von 8 Uhr bis 19 Uhr in der Apotheke. Aber wenn die Einnahmen fehlen, können Sie sparen, wie Sie wollen. Es kann doch nicht sein, dass immer nur die Apotheken bluten müssen.“ Was nun? Liekfeld erwägt eine Zukunft im Bereich Schulungen und Fortbildung. Aber sie und das Team wollen erst einmal „die nächsten Wochen gemeinsam durchstehen“. Ihr Gesicht verrät, dass das nicht leicht wird.

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