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Saarbrücken

„In den Tag hinein mit Freiheit im Gepäck“

Fünf Saarbrücker starteten auf Mofas nach Südfrankreich – Drei kamen an – Spritkosten pro Maschine: 30 Euro


Autor: Von SZ-MitarbeiterinMarija Herceg

Zu einer „entschleunigten“ Urlaubstour starteten fünf Freunde auf Mofas nach Montpellier. Drei kamen an. Sieben Tage lang ratterten sie zwischen zehn und 18 Stunden über Landstraßen und Feldwege. (Veröffentlicht am 17.05.2013)


Die Saarbrücker Mofa-Urlauber auf dem Landwehrplatz vor dem Start zu ihrer Sieben-Tage-Tour nach Montpellier: (v.l.) Frederic Reuter, Jens Fassbender, Francesco Guarragi, Björn del Togno und Max Zitzke. Fotos: Max ZitzkeFoto:

Die Straßenkarte der Mofa-Abenteurer – dekoriert mit typisch französischen Accessoires fürs „entschleunigte“ Reisen.

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Saarbrücken. Mit Pauschalurlaub braucht man den fünf Freunden nicht zu kommen: „Wenn wir verreisen, dann in den Tag hinein mit Zelt im Kofferraum und Freiheit im Gepäck“, beschreibt Max Zitzke (28). Dass es noch abenteuerlicher und ganz ohne Auto geht, beweisen die Videos und fast 700 Fotos ihre letzten Tour nach Montpellier: Auf einem Film reihen sich am 13. April neben Zitzke, Jens Fassbender (27), Frederic Reuter (28), Francesco Guarragi (27) und Björn del Togno (30) mit ihren „Maschinen“ auf dem Landwehrplatz auf. Einer nach dem anderen lässt den Motor knattern und fährt aus dem Bild. Doch die jungen Männer sitzen nicht auf PS-starken Motorrädern, wie man angesichts der langen Strecke bis ans Mittelmeer vermuten könnte, sondern auf alten Mofas. „Alle älter als 25 Jahre: Oldtimer mit einer Höchstgeschwindigkeit von 32 km/h und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27 km/h“, fasst Björn schmunzelnd die Kerndaten zusammen. Sieben Tage sind sie zwischen zehn und 18 Stunden auf Landstraßen und Feld- und Wirtschaftswegen unterwegs. 1200 Kilometer tuckern sie durch grüne Landschaften, vorbei an pittoresken Dörfern, machen Halt an Flüssen und campen wild: „Irgendwo in der Pampa, wo's besonders schön war“, beschreibt Max. Doch es gibt auch „eine Kehrseite des entschleunigten Reisens“, sagt Björn, „man ist die meiste Zeit einfach tierisch geschafft. Das Vibrieren und Dröhnen des Motors begleitet einen bis in den Schlaf.“ Doch sie haben ein Ziel: In Montpellier wollen sie den Zug nach Barcelona nehmen: „Dort lebt meine Freundin“, erklärt Jens, „und wir hatten für Samstag, 20. April, Tickets für ein Liga-Spiel des FC Barcelona.“

Wie kommt man auf so eine Idee? Bei einer Kneipentour, beschreiben sie. „Nur hatten wir da noch keine Mopeds“, sagt Frederic. Das änderte sich fix: Etwa 350 Euro bezahlen sie pro Oldtimer-Zweirad. „Wir hatten null Ahnung von Mofas. Wir haben uns durch Internet-Foren gelesen, damit wir ungefähr wissen, wie man Schäden zusammenklaubt“, sagt Frederic lachend.

Fast sechs Monate planen sie die Reise, tüfteln stundenlang über Fahrradkarten: „Der kürzeste Weg über Autobahn oder Schnellstraßen ist natürlich tabu, auch Berge überwindet man nicht mit einem Moped. Beim kleinsten Anstieg mussten wir in die Pedale treten, damit der Motor geschont wird“, erklärt Frederic. Ans Meer in Montpellier schaffen's nur drei der Abenteurer. „Bei mir und Jens war schon in Lothringen nach etwa 100 Kilometern Schluss“, sagt Francesco zähneknirschend. „Motorschaden“, ärgert sich Jens noch heute, „wir haben stundenlang versucht, die Mofas zu reparieren.“

Enttäuscht sind die beiden immer noch: „Wir waren ja nicht mal einen Tag dabei und wären gerne mit den Jungs die ganze Strecke gefahren“, sagt Jens. Schweren Herzens entscheiden sich Frederic, Björn und Max, die Tour fortzusetzen. „Wir haben wild gecampt, nicht einmal geduscht und hatten ständig Bammel, dass auch unsere Mofas den Geist aufgeben“, erinnert sich Björn. Doch trotz aller Strapazen hat es sich gelohnt: „Die Menschen haben sich gefreut, uns zu sehen. Viele haben uns angesprochen und die Hände über den Kopf geschlagen, als sie hörten, dass wir aus Deutschland sind. Irgendwie war unser Anblick mit den vollbeladenen Mofas, unserer zerknautschten Optik, wohl sympathisch.“ In Barcelona feiern die Fünf Wiedersehen. „Das Spiel des FC Barcelona war ein mageres 1:0 gegen Levante. Und Superstar Messi saß auf der Bank“, sagt Björn.

Doch die Tour bleibt unvergessen. „Wir haben pro Mann nur 30 Euro Spritkosten bis nach Montpellier gehabt. Die Mofas, die wir dort abgestellt hatten, habe ich später mit dem Auto abgeholt: Hin und zurück hab' ich für die Maut 140 und für den Sprit 170 Euro bezahlt. Insgesamt 310 Euro.“ Dann schmunzelt er: „Der Rückflug von Barcelona nach Hahn war aber noch billiger: 16 Euro.“ Die Fünf wollen so eine Tour wiederholen: „Dann mit anderem Ziel und ohne Terminstress“, sagt Max. „Das nächste Mal halten auch unsere Mopeds“, ergänzt Jens grinsend.

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