Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Bildung der Menschen durch Lebensqualität und gesellschaftliche Wohlfahrt. Belegt wird: je höher das Bildungsniveau, desto größer die Chancen auf gut bezahlte Arbeit und desto geringer auch das Risiko, arm zu werden. Männer mit niedrigerer Bildung haben ein 2,2 mal höheres Risiko, unter Schmerzen zu leiden. Bei Frauen ist das Risiko sogar 2,6 mal so groß. Gebildete sind hingegen weniger anfällig für Tabakkonsum und entwickeln auch mehr sportliche Freizeitaktivitäten. "Auch bei der Lebenserwartung zeigt sich die Bedeutung der Bildung", sagt der Sozialwissenschaftler Roland Habich. So hätten Männer im Alter von 45 Jahren, die über ein Abitur verfügen, eine im Schnitt um 5,3 Jahre längere Lebenserwartung als gleichaltrige Männer, die lediglich einen Hauptschulabschluss haben. Kommt zur guten Bildung auch noch Reichtum hinzu, kann die Lebenserwartung laut Habich sogar bis zu 10 Jahre länger sein.
Doch der Bericht zeigt auch erneut, wie abhängig nach wie vor der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft ist. "Bildung bleibt unter sich", resümierte der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, bei der Präsentation der Daten. In keiner anderen Industrienation ist das Bildungssystem so wenig sozial durchlässig wie in Deutschland. Nur zehn Prozent der Gymnasiasten kamen 2009 aus Familien, in denen die Eltern keinen oder nur den Hauptschulabschluss hatten. Dagegen hatten die Eltern von fast 60 Prozent der Gymnasiasten selbst das Abitur und eine andere Studienberechtigung in der Tasche.
Die soziale Spaltung in der Bildung wird auch bei den Migrantenkindern deutlich. Was wenig bekannt ist und eigentlich zuversichtlich stimmt: 2009 hatten von allen Gymnasiasten in Deutschland 22,5 Prozent einen Migrationshintergrund. Gleichwohl haben aber 19 Prozent der Ausländer in Deutschland überhaupt keinen Schulabschluss. Bei der deutschen Bevölkerung sind dies nur zwei Prozent.
Meinung
Ergebnis muss
zu denken geben
Von SZ-KorrespondentStefan Vetter
Die Anzeichen für eine gesellschaftliche Spaltung mehren sich. Und sie sind unbestreitbar. Es muss zu denken geben, dass die Einkommensschere immer weiter auseinander geht und sich die einen kaum noch ein ordentliches Essen leisten können, während andere der Gedanke umtreibt, das eigene Millionenvermögen vor dem Fiskus zu "retten". Als vor Jahren viele Menschen gegen Hartz IV auf die Straße gingen, dachte noch keiner an die Rettung von Banken, ja ganzer Staaten. Genau das treibt die gefühlte Ungerechtigkeit nun auf die Spitze. Denn im Vergleich zu den milliardenschweren Hilfspaketen für die Finanzwirtschaft wirkt das monatelange Gefeilsche um ein paar Cent mehr beim Arbeitslosengeld II völlig absurd. Die Politik darf den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht aus dem Auge verlieren.

































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