Wo üblicherweise vermutet wird, dass linke oder autonome Gruppen am Werk sein könnten, gab es in Müllers Fall andere Spekulationen: Nicht genannte Sozialdemokraten zogen in den Medien Gegner des Parteivorsitzenden als Urheber der Taten in Betracht. Im "Tagesspiegel" wurde ein SPD-Abgeordneter anonym zitiert, der "zwei, maximal drei Durchgeknallte" aus den Parteireihen für verantwortlich hält.
Hintergrund der Anwürfe ist offenbar der Machtkampf um den Parteivorsitz. Der 47-jährige Müller hat den Posten seit 2004 inne. Der Buchdruckersohn aus Tempelhof gilt als still, ehrlich, diplomatisch. Lange Jahre hatte er in der Partei die Aufgabe, Wowereit den Rücken freizuhalten. Schnell wurde Müller als Wowereit-Nachfolger gehandelt.
Dann wurde Müller nach den Wahlen Senator für Stadtentwicklung, traditionell ein prominenter Posten in der Stadt. In das Ressort fallen prestigeträchtige Projekte wie die Neugestaltung der ehemaligen Flughäfen Tempelhof und demnächst auch Tegel. Gleichzeitig liegen schwierige Aufgaben an, wie der umstrittene Weiterbau der Stadtautobahn A 100 und die steigenden Mieten. Müller hat sich während seiner Zeit im Amt bisher nicht sehr stark profiliert. Mehr Aufmerksamkeit als seine Initiativen etwa für mehrere tausend neue Wohnungen erhielt seine Zukunft als SPD-Chef. Im Juni steht der Posten auf dem Landesparteitag zur Disposition. Müller solle ihn abgeben, weil er als Senator zu sehr der Regierungsdisziplin verpflichtet sei, fordert die SPD-Linke. Um das Profil der Partei zu stärken, solle ein anderer den Vorsitz übernehmen.
Noch gibt es keinen Gegenkandidaten. Der Sprecher der Parteilinken, Jan Stöß, SPD-Chef im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, signalisierte aber indirekt, gegen Müller antreten zu wollen.
Müller, der bislang die Rückendeckung Wowereits hat, erklärte, er sehe keinen Zusammenhang zwischen den nächtlichen Klingelattacken an seinen Wohnhaus, dem Diebstahl von Laptops aus der Senatsverwaltung und der Debatte um den Landesvorsitz. "Es sind Dinge, die jetzt zwar alle passieren, die aber nichts miteinander zu tun haben", sagte er Radio eins. Er glaube nicht, dass "da die SPD hintersteckt". afp

































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