Frischmuth, die seit 1959 an der Seite ihres Ehemanns, des Bildhauers Leo Kornbrust, in St. Wendel lebte, war nie eine Marktschreierin in der Kunstszene. Vielleicht liegt es an dieser Zurückhaltung, ihrem meist zurückgezogenen Arbeiten in der Natur des Nordsaarlandes, dass sie im öffentlichen Bewusstsein weniger präsent ist, als es ihr gerecht werden würde. Verblüfft muss man feststellen, dass Prosa und Lyrik Frischmuths, die immerhin 1982 den Kunstpreis des Saarlandes erhielt, längst nicht mehr verlegt werden, dass ihre öffentlichkeitswirksamsten Zeilen - jene von Kornbrust auf einer großen Stele eingravierten - seit Monaten hinter dem Bauzaun des Vierten Pavillons verschwunden sind.
Alleine aus diesem Grund ist es ein großes Verdienst des Literaturarchivs Saar-Lor-Lux, nun mit der Ausstellung "Schreibweise der Unordnung" an Frischmuth zu erinnern. Die von der Literaturwissenschaftlerin Sarah Wegmann kuratierte Schau fokussiert sich auf einen wesentlichen Aspekt im Schaffen Frischmuths - ihr enges Verhältnis zur Bildenden Kunst. Geprägt wurde es maßgeblich durch Kornbrust, weist jedoch weit über diese Verbindung hinaus. Wegmann hat Exponate, die Frischmuths Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern dokumentieren, aus Privatbeständen zusammengetragen. So begegnet man den bunten Collagen Jutta Amsels oder einer Serie überlagerter Farbkreise von James Reineking. Ihnen steht jeweils eines von Frischmuths Gedichten gegenüber. Bilder und Texte sind meist völlig unabhängig voneinander entstanden, oft sogar mit jahrelanger Zeitverzögerung. Die konkrete Zuordnung von Gedichten und Gemälden erschließt sich nicht immer. Und Frischmuth, die sich zeitlebens einer Deutung ihrer Kunst entzog, macht es einem auch nicht gerade leicht. In einer handschriftlichen Notiz schreibt sie: "Ein Gedicht beschreiben hieße: ein neues Gedicht schreiben."
So ist es vielleicht gar nicht so wichtig, sich auf eine Suche nach dem Konzept zu begeben. Viel bedeutender scheint die Erkenntnis, dass sich Frischmuths Topos von der Auflösung scheinbarer Ordnung auch in den zugeordneten Malereien und Zeichnungen widerspiegelt, was zu einer unwillkürlichen gegenseitigen Verstärkung führt.
Viel Unveröffentlichtes findet sich in der Ausstellung: Tagebucheinträge, handschriftliche Reflexionen. Den größten Raum nehmen jedoch die Granit-Platten und -Würfel ein, auf denen Kornbrust Texte seiner Frau eingravierte. Sie im raschen Vorbeigehen zu studieren, ist kaum möglich. Und ihre Poesie auf sich wirken zu lassen, erfordert Muße. Bisweilen vielleicht auch Anstrengung. Aber sie lohnt sich.
Bis 22. November im Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass (Beethovenstr., Saarbrücken-Dudweiler). Geöffnet: Mo bis Do, 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr; Fr, 9 bis 12 Uhr.
Foto: SZ
































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