Nicht, wenn Lösch an die Arbeitsbedingungen zurück denkt. An ungeheizte Probenräume, runter gekommene Stimmzimmer, die schäbige Kehrseite der Illusionsmaschine Theater. "Wir hatten viele Dienste, 13 in einer Woche, wir haben ja mittags auch noch Märchenvorstellungen gespielt", sagt Lösch. Nach Arbeitnehmerrechten fragte da keiner. Als Lösch 1952 zur Geburt seiner Tochter in die Klinik eilte, hätte man ihn fast dort behalten, so hohes Fieber hatte er. Schleunigst solle er sich ins Bett legen, sagte man ihm. Doch zur Ruhe kam der Kranke nicht. Kaum daheim stand der Orchesterwart auf der Matte. "Wenn sie nicht kommen, werden sie verantwortlich gemacht für den Ausfall der Vorstellung", drohte er. "Da habe ich mit 39,5 Fieber die Oper durchgemacht, manchmal war mir schwarz vor Augen". Harte alte Zeit.
Für Duckkyu Yoon stellt sich die Orchester-Wirklichkeit heute anders da, wenn auch nicht immer einfacher. Der gebürtige Südkoreaner ist das jüngste Orchestermitglied - an einem der größten Instrumente. Die ganze Leidenschaft des 23-Jährigen, der in Freiburg studierte, gehört dem Kontrabass. Und Duckkyu Yoon überzeugte seine Kollegen sofort beim Vorspiel, dem sich alle Musiker stellen müssen, gleich welche Referenzen sie mitbringen. Das Staatsorchester ist (trotz 80 Planstellen, 99 sind eigentlich für diese Kategorie vorgesehen) als A-Orchester eingestuft. Sieht man von Sonderkategorien ab, die höchste Eingruppierung. Auch eine Qualitätsverpflichtung. Ein Berufsanfänger beginnt da mit 2750 Euro brutto. Dazu kommen Zuschläge etwa für Soloverpflichtungen. Begehrt sind die Stellen in deutschen Kulturorchestern. Immer noch. Wer sich da gegen die immer größer werdende, auch internationale Konkurrenz durchsetzen will, muss viel Können mitbringen.
"Für mich bedeutet es sehr viel, in diesem Orchester spielen zu können", sagt der junge Musiker. Auch weil es ein deutsches Orchester ist. "Hier ist die Tradition von Brahms, Wagner und Strauss lebendig. Die klassische Musik kommt ja aus Deutschland", so Yoon. "Gemütlich" findet er das Leben in Saarbrücken. Nicht überraschend für jemand, der in der Metropole Seoul zur Welt kam. Und wenn er hört, dass Lösch 40 Jahre immer im selben Orchester spielte? Duckkyu Yoon lächelt, schweigt lange, und sagt dann fast schon beckenbauerisch: "Schaun wir mal."
Auf jeden Fall hat er es heute leichter mit den älteren Kollegen: "Die kümmern sich sehr gut um mich". Als Lösch 1950 anfing, waren die Hierarchien noch zementiert. "Ich habe lieber jeden Kollegen drei Mal gegrüßt, bevor ich einen vergessen hätte." So ist eben doch manches besser heute. Bloß der Spielplan nicht. "Der war früher besser", ist Lösch überzeugt. "Wir hatten zwei, drei große Opern die Woche und noch eine Operette. Und das Haus war immer voll". Aber, das gesteht er dann auch zu: In dieser guten alten Bühnenzeit gab's neben dem Theater bei weitem nicht so viel anderes.
Auf einen Blick
Am 14. Juni, 20 Uhr, feiert das Staatsorchester sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert in der Congresshalle. Das Programm lehnt sich ans erste Konzert des Orchesters 1912 an: Brahms Violinkonzert D-Dur (Solist: Christian Tetzlaff) und Schuberts C-Dur-Sinfonie. Dirigent: GMD Toshiyuki Kamioka. Karten im Vorverkauf.
Zum Festakt, 17. Juni, 11 Uhr, im Staatstheater, kommt Musikkabarettist Konrad Beikircher als Festredner. Auf dem Programm: Werke von Mozart, Ravel, Wagner, Strauß. Für diese Veranstaltung muss man Platzkarten reservieren.
Karten unter Tel. (06 81) 3 09 24 86.































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