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"Das Haus war immer voll"

Von SZ-Redakteur Oliver Schwambach

Saarbrücken. Gute alte Zeit, schlechte alte Zeit? Beides wohl. Doch vor allem muss es früher irgendwie aufregender gewesen sein. Hört man jedenfalls Hansfred Lösch zu. Was der über sein Orchester, das seit Ende der 80er Saarländisches Staatsorchester heißt, zu erzählen weiß, füllte Bände (Veröffentlicht am 12.05.2012)

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Haste Töne?! Duckkyu Yoon schaut beeindruckt im Orchestersaal des Theaters zu, wie Hansfred Lösch Trompete bläst. Lösch spielte von 1950 bis 1990 im Saarbrücker Orchester. Kontrabassist Duckkyu Yoon ist mit 23 Jahren der Jüngste im Saarländischen Staatsorchester. Foto: Becker & Bredel

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. Saarbrücken. Gute alte Zeit, schlechte alte Zeit? Beides wohl. Doch vor allem muss es früher irgendwie aufregender gewesen sein. Hört man jedenfalls Hansfred Lösch zu. Was der über sein Orchester, das seit Ende der 80er Saarländisches Staatsorchester heißt, zu erzählen weiß, füllte Bände. Kein Wunder: 40 Jahre blies Lösch, Jahrgang 1925, im Bühnengraben wie auf dem Konzertpodium Trompete, von 1950 bis 1990. Und bis heute ist er Stammgast im Theater. Als aufmerksamer Zuhörer. Der sagt, was er denkt: "Die haben ja heute ein Leben, das ist nicht vergleichbar mit uns damals." Da zuckt der Kollege vom Orchestervorstand ein bisschen, der dem Gespräch folgt. Und Lösch schmunzelt. Aber ernst ist es ihm auch. "24 000 Francs, knapp 300 Mark", weiß er noch exakt, bekam er als erstes Gehalt. "Ein mageres Honorar, man hat immer versucht, nebenher noch zu spielen, beim Funk etwa." Zum Glück hatte Lösch reichlich Rhythmus im Blut und in Heidelberg schon im Tanzorchester gespielt. So einer war da natürlich gefragt, auch als der "PreMaBüBa" seinem Namen Presse-Maler-Bühnen-Ball noch Ehre machte, man sich im Theater zu Karneval vergnügte. Lösch leitete damals sogar die dafür eigens formierte Big-Band. Deren flotten Swing erstaunte dann sogar Max Greger, der mit seiner Kapelle ebenfalls aufspielte. Glückliche alte Zeit?

Nicht, wenn Lösch an die Arbeitsbedingungen zurück denkt. An ungeheizte Probenräume, runter gekommene Stimmzimmer, die schäbige Kehrseite der Illusionsmaschine Theater. "Wir hatten viele Dienste, 13 in einer Woche, wir haben ja mittags auch noch Märchenvorstellungen gespielt", sagt Lösch. Nach Arbeitnehmerrechten fragte da keiner. Als Lösch 1952 zur Geburt seiner Tochter in die Klinik eilte, hätte man ihn fast dort behalten, so hohes Fieber hatte er. Schleunigst solle er sich ins Bett legen, sagte man ihm. Doch zur Ruhe kam der Kranke nicht. Kaum daheim stand der Orchesterwart auf der Matte. "Wenn sie nicht kommen, werden sie verantwortlich gemacht für den Ausfall der Vorstellung", drohte er. "Da habe ich mit 39,5 Fieber die Oper durchgemacht, manchmal war mir schwarz vor Augen". Harte alte Zeit.

Für Duckkyu Yoon stellt sich die Orchester-Wirklichkeit heute anders da, wenn auch nicht immer einfacher. Der gebürtige Südkoreaner ist das jüngste Orchestermitglied - an einem der größten Instrumente. Die ganze Leidenschaft des 23-Jährigen, der in Freiburg studierte, gehört dem Kontrabass. Und Duckkyu Yoon überzeugte seine Kollegen sofort beim Vorspiel, dem sich alle Musiker stellen müssen, gleich welche Referenzen sie mitbringen. Das Staatsorchester ist (trotz 80 Planstellen, 99 sind eigentlich für diese Kategorie vorgesehen) als A-Orchester eingestuft. Sieht man von Sonderkategorien ab, die höchste Eingruppierung. Auch eine Qualitätsverpflichtung. Ein Berufsanfänger beginnt da mit 2750 Euro brutto. Dazu kommen Zuschläge etwa für Soloverpflichtungen. Begehrt sind die Stellen in deutschen Kulturorchestern. Immer noch. Wer sich da gegen die immer größer werdende, auch internationale Konkurrenz durchsetzen will, muss viel Können mitbringen.

"Für mich bedeutet es sehr viel, in diesem Orchester spielen zu können", sagt der junge Musiker. Auch weil es ein deutsches Orchester ist. "Hier ist die Tradition von Brahms, Wagner und Strauss lebendig. Die klassische Musik kommt ja aus Deutschland", so Yoon. "Gemütlich" findet er das Leben in Saarbrücken. Nicht überraschend für jemand, der in der Metropole Seoul zur Welt kam. Und wenn er hört, dass Lösch 40 Jahre immer im selben Orchester spielte? Duckkyu Yoon lächelt, schweigt lange, und sagt dann fast schon beckenbauerisch: "Schaun wir mal."

Auf jeden Fall hat er es heute leichter mit den älteren Kollegen: "Die kümmern sich sehr gut um mich". Als Lösch 1950 anfing, waren die Hierarchien noch zementiert. "Ich habe lieber jeden Kollegen drei Mal gegrüßt, bevor ich einen vergessen hätte." So ist eben doch manches besser heute. Bloß der Spielplan nicht. "Der war früher besser", ist Lösch überzeugt. "Wir hatten zwei, drei große Opern die Woche und noch eine Operette. Und das Haus war immer voll". Aber, das gesteht er dann auch zu: In dieser guten alten Bühnenzeit gab's neben dem Theater bei weitem nicht so viel anderes.

Auf einen Blick

Am 14. Juni, 20 Uhr, feiert das Staatsorchester sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert in der Congresshalle. Das Programm lehnt sich ans erste Konzert des Orchesters 1912 an: Brahms Violinkonzert D-Dur (Solist: Christian Tetzlaff) und Schuberts C-Dur-Sinfonie. Dirigent: GMD Toshiyuki Kamioka. Karten im Vorverkauf.

Zum Festakt, 17. Juni, 11 Uhr, im Staatstheater, kommt Musikkabarettist Konrad Beikircher als Festredner. Auf dem Programm: Werke von Mozart, Ravel, Wagner, Strauß. Für diese Veranstaltung muss man Platzkarten reservieren.

Karten unter Tel. (06 81) 3 09 24 86.

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