Die Erforschung des Nationalsozialismus sei eine bleibende gesellschaftspolitische Herausforderung, erklären Himmighöfer und Stüber. "Wir sehen unsere Aufgabe darin, den Weg zu den Informationen zu ebnen." Die Zeitschrift "Union", das "Pfälzische Pfarrerblatt" und die Blätter des Vereins für Pfälzische Kirchengeschichte der 1930er Jahre wurden erschlossen und alle relevanten Titel katalogisiert. Die Bibliothek hat zudem eine Literatur- und Medienliste "Pfalz im Nationalsozialismus" angelegt. Darüber hinaus werden Sammlungen und Nachlässe erschlossen. Stüber macht darauf aufmerksam, dass das Zentralarchiv noch Unterlagen zur NS-Zeit mit Bezug zur Landeskirche suche. Dabei könne es sich um Material aus Privatbesitz wie Fotos, Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Plakate oder Drucksachen handeln. Das Zentralarchiv nehme die Dokumente als Schenkungen oder Kopien entgegen.
"Wir wollen nicht nur die eigene Geschichte aufarbeiten, sondern auch dazu beitragen, sie in die historische Entwicklung einzubinden", sagt Stüber. Inzwischen sei der zeitliche Abstand groß genug, um emotionslos an die Thematik heranzugehen. "Ich verspreche mir von dem Projekt einen Schub, der zur Versachlichung beiträgt." Die Erschließung der Bestände sei über das Projekt hinaus von unschätzbarem Wert, so Himmighöfer und Stüber. "Wir müssen als kirchliche Institutionen wahrgenommen werden, die für eine Aufarbeitung der NS-Zeit unverzichtbar sind." Eine gründliche und umfassende Untersuchung der Geschichte der pfälzischen Landeskirche in der NS-Zeit sei überfällig. Das Handbuch wolle ein differenziertes Gesamtbild zeichnen und zugleich einen Beitrag zur historisch-politischen Bildung leisten, erklärt Picker. Die Geschichte der Landeskirche unter dem Hakenkreuz sei aufgrund ihrer Sonderentwicklungen von überregionalem Forschungsinteresse, sagte Picker. Die Kirchenleitung habe unter dem "Landesbischof" und überzeugten Nationalsozialisten Ludwig Diehl (1894-1982) eine besondere Nähe zu den Spitzen des Regimes gepflegt. Diehl gehörte von 1935 bis 1937 als einziger "Kirchenführer" einer Landeskirche dem NS-Reichskirchenausschuss an, der für die Gleichschaltung der evangelischen Kirche sorgen sollte.
Eine pfälzische Besonderheit sei es auch gewesen, dass in der Landeskirche ein "Kirchenkampf" zwischen Vertretern der regimetreuen "Deutschen Christen" und der regimekritischen "Bekennenden Kirche" fast vollständig ausgeblieben sei, sagte Picker. 1934 habe die Landessynode ein "Bekenntnis zum Dritten Reich Adolf Hitlers" abgelegt. Fast alle politisch belasteten Kirchenmitarbeiter seien nach 1945 und einer "sehr milden Entnazifizierung" in den Dienst der heutigen Landeskirche übernommen worden, so Picker.
Das Zentralarchiv beteiligt sich mit einem Stand am Deutschen Historikertag, der vom 25. bis 28. September in Mainz stattfindet. Er gilt als bedeutender geisteswissenschaftlicher Kongress.
eapfalz.de, zentralarchiv-speyer.de kirchenbibliothek.de
Bexbach/Mimbach. Drei Bände umfasst das Quellenwerk "Documenta", das auf der ursprünglichen Ausgabe aus dem Jahre 1960 fußt. Herausgeber war damals der Pfälzer Theologe Richard Bergmann (1890 bis 1972). Der Verein Pfälzischer Pfarrerinnen und Pfarrer hat an der heutigen Ausgabe mitgewirkt. Im Zentrum der Darstellungen, die alle auf Ursprungsquellen darunter Anklageschriften, Gestapo-Berichte oder Schreiben von Ortsgruppenleitern basieren, stehen die Auseinandersetzungen einzelner Pfarrer und Vikare mit NS-Organisationen oder Polizeistellen. Besonders ins Visier der Nazis gerieten in der Saarpfalz-Region mehrere evangelische Pfarrer, die den Gruß "Heil Hitler" verweigerten oder in ihren Predigten die Einmischung der Nazis in den Religionsunterricht ablehnten. Der Grußverweigerer Oskar Lugenbiehl, Pfarrer in Mimbach, wurde von den Nazis "als nicht tragbar" bezeichnet und überwacht. Schlimmer erging es dem Pfarrer Willy Oeffler aus Altenkirchen, der später in Bexbach und Schwarzenacker tätig war. Der Satz "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen", den Oeffler immer in seinen Predigten, Grabreden oder Hochzeiten sagte, war den Nazis ein Dorn im Auge. Sie unterstellten ihm staatsfeindliche Gesinnung. Er musste mehrmals zur Gestapo nach Saarbrücken. Er saß im Gefängnis ohne Urteil, wurde misshandelt und als "nicht zuverlässig" beurteilt. Er überlebte. Übrigens: Sein Sohn Hans-Joachim (er starb 2007) gehörte als Pfarrer zu den Vorreitern der Friedensbewegung. Zwei von vielen Beispielen, die in der "Documenta" niedergelegt sind. jkn
Homburg. Eine Werkstatttagung zum Handbuchprojekt der Evangelischen Kirche der Pfalz "Landeskirche im Nationalsozialismus" veranstaltete die Evangelische Akademie in Zusammenarbeit mit dem Verein für Pfälzische Kirchengeschichte Ende Juni im Protestantischen Bildungszentrum Butenschoen-Haus in Landau. Frank-Matthias Hofmann ist Beauftragter (Diplomat) der pfälzischen als auch der rheinischen Kirche am Sitz der Landesregierung in Saarbrücken. Er ist Mitherausgeber des Buchprojektes und Mitglied im Arbeitskreis Kirche und Judentum. Eine gründliche und umfassende Untersuchung der Geschichte der pfälzischen Landeskirche in der NS-Zeit sei überfällig. Das Handbuch wolle ein differenziertes Gesamtbild zeichnen und zugleich einen Beitrag zur historisch-politischen Bildung leisten. Das Handbuch richtet sich an Fachleute und an einen Leserkreis mit historischen und regionalen Interessen (Lehrer, Pfarrer, Studierende, Regionalhistoriker). Entsprechend sollten die Artikel allgemeinverständlich formuliert sein. Durch neue Forschungsergebnisse, die Bündelung der bisherigen Literatur und eine Erschließung von Quellen biete das Handbuch für die weitere Erforschung des Nationalsozialismus in der Pfalz und Saarpfalz und für regionale Vergleichsstudien eine wichtige Grundlage.
Der Historiker Roland Paul ist stellvertretender Leiter des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern und in unserer Region auch durch viele Vorträge, Veröffentlichungen und der Siebenpfeiffer-Stiftung bekannt, begrüßt das Projekt. Das Handbuch werde für die weitere Forschung, insbesondere für die lokal-regionale, von Bedeutung sein. jkn
Foto: Landeskirche
Foto: Institut
Meinung
Es gibt viele Grautöne
Von SZ-RedakteurJürgen Neumann
Der Konflikt zwischen den Kirchen und der nationalsozialistischen Ideologie war aufgrund des Totalitätsanspruchs des Nationalsozialismus quasi programmiert: Dieser forderte den Einsatz des ganzen Menschen in allen Lebensbereichen und hatte den Anspruch, selbst eine Lebenseinstellung zu sein - eine Religion, die andere Ziele verfolgte, hatte darin keinen Platz mehr.
Da jedoch ein Großteil der Bevölkerung christlich geprägt war, 62,7 Prozent in Deutschland gehörten der evangelischen und 32,5 Prozent der katholischen Kirche an, versuchte Hitler zunächst, das Christentum in seine Propaganda einzubeziehen, indem er den christlichen Glauben schon in seiner Regierungserklärung 1933 als Grundlage der nationalsozialistischen Weltanschauung bezeichnete.
Zudem versicherte er, dass alle Rechte der Kirchen sowie die Verträge zwischen den Kirchen und den Ländern bestehen bleiben sollten.
Dass dem am Ende nicht so war, ist hinreichend bekannt. Und dennoch: Eine einfache Einteilung in Gut und Böse, bekennende Kirche und deutsche Christen, wäre eine viel zu einfache und auch unzulässige Erklärung. Es gibt viele Grautöne in diesem Bereich. Das sieht man, wenn man, was die Geschichtswerkstätten tun, die einzelnen Ereignisse auf Ortsebene erforscht.
Das jetzige Projekt der Landeskirche ist längst überfällig und kann aber auch erst nur ein Anfang sein. Vieles bleibt noch aufzuklären.
Hintergrund
Gegen den Rechtsextremismus in unserer Gesellschaft hat umlängst die Landessynode der Protestantischen Landeskirche klar Position bezogen. In der Synode sind auch neun Abgeordnete aus den beiden Saarpfalz-Kirchenbezirken Homburg und Zweibrücken vertreten. Sie bekräftigte, dass Rassismus, Hass gegen Minderheiten und darauf basierende politische Ideologien mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar sind. Die Synode würdigte das entschiedene Engagement vieler Gemeinden, Schulen und Gruppen gegen menschenfeindliche Ideologien und gegen die öffentlichen Auftritte rechtsextremer Parteien und Organisationen. Sie bittet die Gemeinden, wachsam und sensibel zu bleiben gegenüber rechtsextremem Gedankengut, das unter dem Deckmantel der Bürgerlichkeit auch in der Mitte unserer Gesellschaft vertreten wird. Die Synode bestärkt bestehende Bündnisse gegen Rechts und ermutigt die Gemeinden ausdrücklich, sich in solchen Bündnissen zusammen zu schließen und auch so weiterhin für eine offene und menschenfreundliche Gesellschaft einzutreten, die niemand ausgrenzt. Sie bittet den Landeskirchenrat zu prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, um Mitglieder rechtsextremer Organisationen und Parteien an der Übernahme kirchlicher Ämter zu hindern. jkn

































1,2,3 GO



Die Saarbrücker Zeitung ist die führende Tageszeitung im Saarland mit elf Lokalausgaben. Die SZ ist heute ein modernes Multimediahaus mit Tageszeitung, iPad-Ausgabe und erfolgreichen Web-Auftritten.
Der Pfälzische Merkur, gegründet 1713, erscheint in der Westpfalz und im Saar- pfalz-Kreis. Er ist eine der ältesten Tageszeitungen Deutschlands. Herausgeber: Zweibrücker Druckerei und Verlagsgesellschaft mbH.
Die Tageszeitung Trierischer Volks- freund erscheint in Trier, Eifel, Hunsrück und an der Mosel. Ergänzt wird das Printangebot durch Apps, das Online-Angebot, Dienstleistungen in Logistik, Kommunikation und Werbung.
Die Lausitzer Rundschau ist das führende Medienhaus der Lausitz, dessen Medien der Marktplatz sind für Meinungen und Informationen in der Region. Herausgeber: LR Medienverlag und Druckerei GmbH.
bigFM Saarland ist der innovative Sender in der Region für eine junge Hörerschaft. Verrückte Aktionen, regionales Programm und Interaktivität mit den Hörern lassen bigFM im Saarland von Jahr zu Jahr erfolgreicher werden.
euroscript, führender Lösungsanbieter im Bereich Content-Lifecycle-Management, bietet Kunden weltweit umfassende Lösungen zur Konzeption, Entwicklung und Unterstützung von Content-Management-Prozessen.
TeleMedia, der Telefonbuchverlag der Saarbrücker Zeitung, gibt seit mitt- lerweile 15 Jahren in den Verbreitungs- gebieten Saarland, Westpfalz, Mosel-Eifel-Hunsrück und Brandenburg über 50 Telefonbücher heraus.
Als größter regionaler Briefdienstleister beliefert saarriva mehr als 700.000 Haushalte in der Region Saar-Mosel. Die Kooperation mit Partnern ermöglicht den nationalen und internationalen Brief- und Paketversand.
Neben der Logistik der SZ erstreckt sich die Tätigkeit der RPV Logistik auf die Dienstleistungen eines modernen Druckzentrums, Versand- und Objekt- steuerung für SZ-eigene und fremde Verlagsobjekte.
Die circ IT ist ein auf IT-Dienstleistungen für Medien spezialisiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf und bedient die Bereiche Media, Online, ERP, Infrastruktur, Desktop Services sowie Professional Services.
Die Berliner Medien Service GmbH (BMS) ist eine Tochterfirma der Saarbrücker Zeitung und besteht aus dem Berliner Büro und dem News-Pool. Das Berliner Büro versorgt zahlreiche Regionalzeitungen in Deutschland und Luxemburg mit hochwertiger Parlamentsberichterstattung aus Berlin. Der News-Pool bietet den angeschlossenen Zeitungen Texte, Fotos und Info-Grafiken zu den Themen Auto, Reisen, Computer, Hochschule, Jugend, Haus und Garten, Medizin oder Fitness.
Die Saarländische Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH, kurz SWV genannt, ist mit 15 Wochenspiegel-Titeln im Saarland vertreten.Der SVW gehört mehrheitlich zur SZ-Gruppe. Woche für Woche erhalten alle saarländischen Haushalte fei Haus wichtige Informationen aus ihrem regionalen Wochenspiegel.