In einer öffentlichen, auch in der SZ geführten Debatte hatten sich viele Bürger für die Beibehaltung des Straßennamens ausgesprochen. Marc Speicher, CDU-Fraktionsmitglied, war in der Sitzung gegen eine Umbenennung. Der Straßenname spiegele das Denken von vor 100 Jahren. Die Beibehaltung könne "Anlass zur Auseinandersetzung" sein, sagte Speicher, der sich auch auf eine Telefonumfrage der SZ bezog.
CDU-Fraktionschef Tim Flasche sagte, seine Fraktion betrachte die Umbenennung als nicht "zwingend", weil die "historische Bewertung später erfolgt, ein normaler Vorgang". Da jedoch "die Agitation verfangen hat", sei die CDU für eine "Befriedung", das Thema solle "beerdigt" werden. Allerdings nur dieses eine Mal. "Weitere Aktionen dieser Art gibt es mit uns nicht."
SPD-Fraktionsmitglied Dr. Sabine Hartnack dagegen plädierte zwar für eine Umbenennung, allerdings nicht ausgerechnet in Hubert-Schreiner-Straße. Schreiner sei ein verdienstvoller Bürgermeister von Saarlouis gewesen, nach dem man auch eine Straße nennen könne: Doch ausgerechnet die Lettow-Vorbeck-Straße, das sei "unsensibel". Denn Schreiner sei auch der Bürgermeister gewesen, der den General zum Ehrenbürger von Saarlouis machte. Eine Auffassung, die Patrizia Zimmer (FDP) teilte. Was Flasche als "zutiefst schäbig" zurückwies. Und Grünen-Fraktionschef Gabriel Mahren in Rage brachte: "Wie weit wollen wir hier Gewissenserforschung betreiben?" Einige man sich nicht sofort auf Hubert Schreiner, "dann werden Sie noch lange mit Lettow-Vorbeck leben müssen".
FWG-Fraktionschef Altomaro Locurcio drängte ebenfalls auf Entscheidung; er bezog sich auf die SZ-Berichterstattung, die gezeigt habe, "was für ein Mann das wirklich war". Carola van der Graaf (Linke) wollte für den Verwaltungsvorschlag "Europastraße" stimmen. Was nicht ging, da dies die Jamaika-Koalition im Kulturausschuss zugunsten der jetzigen Lösung aber abgelehnt hatte. Ssssssssssssssss
Ssssssssssssssssss "Weitere Aktionen dieser Art gibt es mit uns nicht."
Tim Flasche, CDU-Fraktionschef
Meinung
Nicht zuende gedacht
Von SZ-RedakteurJohannes Werres
Seltsam genug, dass Saarlouis zwar ein Johannes-Hoffmann-Viertel hat, aber keine Straße, die nach den Nachkriegsbürgermeistern Walter Bloch und Hubert Schreiner benannt wurde. Schreiner ist in seiner Bedeutung nicht infrage gestellt. Aber es ist tatsächlich, wie die SPD es darstellte, mindestens unsensibel, ausgerechnet die Von-Lettow-Vorbeck-Straße nach ihm zu benennen. Denn dieser Name spiegelt nicht nur die Geschichte von vor 100 Jahren. Sondern mindestens genauso die Geschichte vor gut 50 Jahren, als Lettow-Vorbeck Ehrenbürger der Stadt wurde: eine Fehleinschätzung des Stadtrates und des Oberbürgermeisters Schreiner 1956, neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.
Der Rat hätte 2010 zuende denken und sich auf einen anderen Namen einigen sollen. Dann wäre auch der nächste Unsinn unterblieben: das relativ kurze Straßenstück vorne anders zu nennen als hinten.
Stichwort
Vor der Umbenennung hat die Stadt die Anwohner nach deren Meinung gefragt. Rückmeldung von 16 Anliegern in zwei Gebäuden an der Straße: Fast alle verwiesen darauf, dass sie eine Umbenennung Geld kosten würde. we
































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