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Argentinien gewinnt erstmals den Davis-Cup – Fußball-Ikone Maradona jubelt auf der Tribüne – del Potro ist der Held der Mannschaft





Zagreb
Die Hand Gottes wird zur Siegerfaust
Argentinien gewinnt erstmals den Davis-Cup – Fußball-Ikone Maradona jubelt auf der Tribüne – del Potro ist der Held der Mannschaft

sid,  29. November 2016, 02:00 Uhr
Der Finalfluch ist besiegt: Mit zwei Einzelerfolgen führte Juan Martin del Potro die argentinische Tennis-Mannschaft in Kroatien zum ersten Davis-Cup-Triumph. Auch für Fußball-Ikone Diego Maradona ist del Potro ein Held.

Als der Finalfluch besiegt war, führte Diego Armando Maradona im Hexenkessel von Zagreb einen Veitstanz auf. Die Hand Gottes wurde zur Siegerfaust, während der Edelfan auf der Vip-Tribüne immer wieder „Argentina“ brüllte und den ersten Triumph seiner Gauchos in der 116-jährigen Davis-Cup-Geschichte stürmisch bejubelte.

Edelmaskottchen Maradona durfte sich als Glückskind fühlen, denn auch das wohl begehrteste Utensil des Endspiels hatte der 56-Jährige abgeräumt. Stolz hielt der einst wohl beste Fußballer der Welt einen Schläger in die Höhe. Es war das Racket von Juan Martin del Potro, dem Helden des 3:2-Finalsiegs der Argentinier gegen Gastgeber Kroatien.

Zwar holte Federico Delbonis den Siegpunkt im abschließenden Match durch ein 6:3, 6:4, 6:2 gegen Ivo Karlovic, doch del Potro stand mit zwei Einzelsiegen im Mittelpunkt – der introvertierte und freundliche Mann, der nach drei Handgelenkoperationen sowie Depressionen schon das Ende seiner Karriere hatte befürchten müssen.

In der ausverkauften Arena in Zagreb krönte Rio-Silbermedaillengewinner del Potro ein „wunderbares Jahr, das mir den Glauben zurückgegeben hat“. Den Glauben an sich selbst, an seine brachialen Grundschläge – und an seine mentale Stärke. „Das war einer der größten Siege meiner Laufbahn. Emotional war es extrem aufreibend“, sagte der US-Open-Sieger von 2009 nach dem 6:7 (4:7), 2:6, 7:5, 6:4, 6:3 im vierten Match gegen Kroatiens Nummer eins Marin Cilic.

Argentiniens Kapitän Daniel Orsanic schwärmte nach der knapp fünfstündigen Partie von seinem Spitzenspieler. „Er hat sein riesiges Herz gezeigt und ein fast verlorenes Spiel noch gedreht. Er hat schon etwas Besonderes“, sagte Orsanic.

Einen 0:2-Satzrückstand hatte del Potro zuvor noch nie aufgeholt. Und der „Turm von Tandil“ brachte selbst die fanatischen Fans der Gastgeber zum Staunen. Im ersten Spiel des dritten Satzes überlobte er den Weltranglisten-Sechsten Cilic, stolze 1,98 Meter groß, mit einem Tweener, einem durch die Beine geschlagenen Ball im Rückwärtslaufen. Es war der Startschuss für eine famose Aufholjagd, die mit dem ersten argentinischen Davis-Cup-Coup endete und die Finalniederlagen der Gauchos von 1981, 2006, 2008, 2011 fast vergessen ließ.

Für den 28-jährigen del Potro war es eine eindrucksvolle Bestätigung, dass er auf dem Weg zurück ist. Er, der im Februar 2014 noch die Nummer vier der Welt war, dann aber wegen Verletzungen bis auf Rang 1045 (Februar 2016) abgerutscht war. Während seiner Leidenszeit kämpfte der Hüne immer wieder mit Stimmungsschwankungen. „Ich hatte traurige, dunkle Tage in meinem Leben“, erzählte del Potro.

Bereits nach seinem US-Open-Sieg vor sieben Jahren, als er im Finale Roger Federer bezwungen hatte, war deutlich geworden, dass zu viel Rummel um seine Person ihn eher belastet. Doch die Fans lieben ihn halt, den bescheidenen Volkshelden aus der Feinschmecker-Stadt Tandil.

Als del Potro im August das olympische Finale in Rio gegen den Briten Andy Murray verlor, wurde er mit Sprechchören als Sieger der Herzen gefeiert. Und del Potro weinte vor Rührung. Schon damals prophezeite Murray dem Kollegen: „Juan wird wieder in die Top Zehn kommen.“ Derzeit steht er auf Rang 38 in der Rangliste. Aber nicht nur für Maradona ist er seit dem Wochenende der Größte.



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