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Frenzel schreibt Sport-Geschichte





Schonach
Frenzel schreibt Sport-Geschichte
Von  Christoph Leuchtenberg, 
20. März 2017, 02:00 Uhr
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Mit der Deutschland-Flagge in der Hand feiert Kombinierer Eric Frenzel schon auf der Strecke seinen fünften Sieg im Gesamtweltcup. Foto: Seeger/dpa

Foto: Seeger/dpa
Eric Frenzel hat als erster Kombinierer zum fünften Mal den Gesamtweltcup gewonnen. In Schonach feierte der 28-Jährige ges- tern den zehnten Saison- sieg. Johannes Rydzek brach ein.

Eric Frenzel blickte wie verliebt auf seine nagelneue Kristallkugel, Johannes Rydzek war nach dem bitteren Ende einer bis dahin traumhaften Saison nur noch ein Häuflein Elend: Im dramatischen Finale zwischen den deutschen „Dominierern“ hat Olympiasieger Frenzel mit einem grandiosen Doppelsieg in Schonach den historischen fünften Gesamtweltcup-Triumph perfekt gemacht. Rydzek brach gestern ein, nachdem sein folgenschwerer Sturz im Duell mit Frenzel tags zuvor für dicke Luft gesorgt hatte.

„Es ist unbeschreiblich, ich bin gerade ein wenig am Ende“, sagte Frenzel, während es aus Tausenden Fan-Kehlen „Oh, wie ist das schön!“ schallte. „Die Saison war wahnsinnig lang und hart. Es war ein harter Fight mit Johannes, wir hätten es beide verdient gehabt.“

Frenzel genoss mit feuchten Augen seinen wohl größten Sieg. Als erster Kombinierer darf er nun fünf Kristallkugeln sein Eigen nennen – obendrein in Serie. Bislang hatte sich der 28-Jährige den Rekord mit dem Finnen Hannu Manninen geteilt.

Frenzel, der bei der WM in Lahti trotz zwei Mal Gold in den Teamwettbewerben im Schatten des Vierfach-Titelträgers Rydzek stand, krönte in Schonach eine sagenhafte Aufholjagd: Mit drei Siegen an den fünf letzten Saisontagen – am Mittwoch in Trondheim sowie nun zwei Mal im Schwarzwald – fing der Sachse seinen Teamkollegen noch ab. Rydzek war am Samstag nach einem heftig diskutierten Zusammenstoß mit Frenzel nur Dritter geworden.

Der Rekordweltmeister hätte das letzte Rennen gewinnen müssen, Frenzel maximal Fünfter werden dürfen. Rydzek riskierte alles, führte lange und musste dann einer brutal langen Saison Tribut zollen: Während Frenzel mit der Deutschland-Fahne in der Hand den Weg ins Ziel genoss und 7,7 Sekunden vor dem Franzosen Francois Braud lag, quälte sich Rydzek geschlagen auf Platz neun ins Ziel.

Olympiasieg, fünf WM-Titel, 41 Weltcupsiege: Frenzels Erfolgssammlung war bereits eine für die Geschichtsbücher. Mit dem Gewinn der fünften Kristallkugel lieferte das Energiewunder aus Oberwiesenthal aber nun sein Meisterstück ab. Frenzel besiegte den stärksten Konkurrenten seiner Karriere in dessen mit Abstand bestem Jahr. Ihre Freundschaft, die beide stets betonen, war am Samstag auf eine harte Probe gestellt worden. Nach vielen taktischen Spielchen hatten Rydzek und Frenzel zum Zielsprint angesetzt. Rydzek kam mit Tempoüberschuss von hinten, setzte zum Überholen an, krachte in den Kontrahenten hinein und landete im Schnee. Frenzel siegte, der Österreicher Willi Denifl zog noch an Rydzek vorbei, der mit blutiger Nase und mächtig geladen ins Ziel trudelte. „Eric zieht im letzten Moment rüber und schneidet mir natürlich völlig den Weg ab“, polterte Rydzek, während Frenzel peinlich berührt daneben stand und sich verteidigte: „Ich habe hinten keine Augen.“ Auch Bundestrainer Hermann Weinbuch sah keine Schuld bei Frenzel: „Das war kein Foul von Eric.“ Ein wutschnaubender Rydzek schwänzte die Pressekonferenz, erst am Abend ruderte er zurück. „Ich habe die falschen Worte gefunden“, sagte Rydzek, „er konnte wirklich nichts dafür.“

Für die deutschen Kombinierer war es der krönende Abschluss einer einzigartigen Saison. Inklusive WM haben die „Dominierer“ 23 von 25 Einzelrennen gewonnen.

Zum Thema:

Frenzel bläst zur Jagd auf den nächsten Rekord Eric Frenzel hat in der Saison 2016/17 mit zehn Weltcup-Siegen erneut eine persönliche Bestmarke aufgestellt. Insgesamt steht der Olympiasieger nun bei 41 Weltcup-Erfolgen. In der „ewigen“ Bestenliste belegt er damit Platz zwei, nur Hannu Manninen (48 Erfolge) hat mehr. Der Finne, der seine Karriere 2011 beendet hat, hält mit zwölf Siegen in der Saison 2005/2006 auch die Bestmarke für die meisten gewonnenen Rennen in einem Winter. Platz drei in der ewigen Bestenliste belegt Ronny Ackermann (Dermbach/1999 bis 2011) mit 28 Erfolgen, der Oberstdorfer Johannes Rydzek (seit 2011) ist mit zwölf Erfolgen Elfter der Liste.




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