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Sprinter Christ unter Verdacht – Nationale Anti-Doping-Agentur und Staatsanwaltschaft ermitteln





Saarbrücken
Doping-Schock im Saarland
Sprinter Christ unter Verdacht – Nationale Anti-Doping-Agentur und Staatsanwaltschaft ermitteln

Kai Klankert,Mark Weishaupt (SZ),  12. März 2016, 02:00 Uhr
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Sprinter Rouven Christ steht unter Doping-Verdacht. Foto: Ruppenthal Foto: Ruppenthal
Saar-Sprinter Rouven Christ steht unter Doping-Verdacht. Die Nationale Anti-Doping-Agentur bestätigte am Freitag ein laufendes Verfahren. Auch die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt gegen den 27-Jährigen.
Bei den deutschen Hallen-Meisterschaften am 20. und 21. Februar in Leipzig hatte Rouven Christ Grund zum Jubeln. Über 200 Meter stellte er in 21,01 Sekunden eine persönliche Bestleistung auf, wurde am Ende Fünfter. Und mit der 4 x 200-Meter-Staffel der neuen Startgemeinschaft LAZ Saar 05 Saarbrücken gewann er die Silbermedaille – gemeinsam mit Robert Hind, Marcel Kirstges und Ismael Condé.

Die Medaillen dürften Christ und seine Kollegen aller Voraussicht nach zurückgeben müssen, denn seit Freitag liegt über Christs Leistung ein Schatten, der die saarländische Leichtathletik in eine Schockstarre versetzt. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat auf Anfrage der SZ ein laufendes Verfahren gegen Christ bestätigt. Da das deutsche Sportschiedsgericht noch kein Urteil gefällt hat, wollte Nada-Sprecherin Eva Bunthoff keine Details zu dem Fall bekannt geben. Die Nada ist im Auftrag des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für die Ermittlungen zuständig.

Der Saarländische Leichtathletik-Bund (SLB) hat am Freitag von den Ermittlungen erfahren und in einer gemeinsamen Erklärung mit Christs Verein, dem LAZ Saarbrücken, von „einer positiven Doping-Probe“ geschrieben. Wann und wo Christ getestet wurde und auf welches Mittel, ist offen. Meldungen des SR, wonach Stanozolol, Clenbuterol und Testosteron gefunden worden sein sollen, bestätigten sich nicht. Der SR meldete zudem, Christ sei sich, so sein Anwalt Guido Britz, „keines aktiven Fehlverhaltens bewusst“.

„Der SLB, das LAZ Saarbrücken, sein Heimtrainer und seine Trainingsgruppe sind zutiefst bestürzt und distanzieren sich entschieden von dieser Handlungsweise, sofern sie nach Abschluss des Verfahrens bestätigt wird“, hieß es in der Mitteilung des SLB: „Verband und Verein versichern, dass Rouven Christ völlig eigenständig gehandelt hat und es keinerlei Hinweise gab, die einen solchen Verstoß vermuten ließen. Bis zum Abschluss des Verfahrens wird Christ von allen Tätigkeiten im Verband und im Verein entbunden.“

Lothar Altmeyer, Vizepräsident Leistungssport im SLB und seit dem Tod von Präsident Werner Zimmer kommissarischer Verbands-Chef, sagte der SZ: „Ich bin geschockt. Da wir im Verband eine Null-Toleranz-Politik vertreten, mussten wir auch sofort handeln.“ Christ war beim SLB als Stützpunkttrainer Sprint angestellt, darüber hinaus auch beim LAZ als Trainer.

Bis 30. Juni 2015 gehörte Christ, der am Freitag telefonisch nicht erreichbar war, auch zum Trainerstab des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken. Dort war er für den Bereich Athletiktraining zuständig. Die Zusammenarbeit endete aufgrund einer Umstrukturierung in den Bereichen Athletiktraining, Leistungsdiagnostik und Reha-Programm. „Wir bedauern sehr, was passiert ist. Rouven Christ war immer sehr engagiert, hat gute Arbeit geleistet“, sagte FCS-Sportdirektor Milan Sasic. Zu den Gerüchten, Christ habe Spielern in der laufenden Runde privates Athletiktraining gegeben, ergänzte Sasic: „Wir haben unseren Spielern heute klar mitgeteilt, sollte es eine private Zusammenarbeit gegeben haben, soll diese direkt beendet werden.“ Aktuell liegt dem FCS auch eine Bewerbung für eine erneute Zusammenarbeit vor. „Dies ist unter den momentanen Umständen nicht möglich“, sagte Sasic.

Sollte der Doping-Fall von der Nada offiziell bestätigt werden, wird Christ nach dem neuen Anti-Doping-Gesetz verurteilt, das Bundesjustizminister Heiko Maas mit auf den Weg gebracht hat. Die seit 1. Januar geltenden Regeln sehen vor, Doping-Sünder und ihre Hintermänner gegebenenfalls mit hohen Haftstrafen zu belangen. Mit dem Anti-Doping-Gesetz sind auch Selbstdoping und Besitz entsprechender Substanzen verboten. Es können Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren verhängt werden. Nach SZ-Informationen soll es Durchsuchungen der Polizei, auch an der Hermann-Neuberger-Sportschule, gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken bestätigte, dass unter dem Aktenzeichen 82 Js 225/16 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz anhängig ist. „Aus Gründen des Schutzes des Ermittlungserfolgs möchte die Staatsanwaltschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine näheren Angaben zum Ermittlungsstand machen“, teilte Staatsanwältin Victoria Hänel mit.

Meinung:

Schwarzer Tag für den Saar-Sport

Von SZ-RedakteurMark Weishaupt

Noch läuft das Verfahren, noch ist unklar, was genau passiert ist – und Leichtathlet Rouven Christ hat, wie jeder andere Sportler auch, den Anspruch auf ein faires Verfahren in der deutschen Sportgerichtsbarkeit.

Aber schon alleine das, was bisher bekannt ist, macht zum einen betroffen und wirft einen Schatten auf den saarländischen Leistungssport, den er wahrhaftig nicht gebrauchen kann. Schon gar nicht in einem Jahr mit Olympischen Sommerspielen als Höhepunkt.

Dass es mit Christ nach Lage der Dinge nicht nur einen Sportler, sondern auch einen Trainer erwischt hat, macht die Geschichte noch bitterer, als sie ohnehin schon ist. So kommen Vereine und Sportler in Erklärungsnot, die es vermutlich überhaupt nicht verdient haben – zumindest solange, bis der Fall restlos erklärt und aufgeklärt ist.

Aber ganz gleich, was am Ende dabei herausgekommt – dem saarländischen Leistungssport hat Rouven Christ, ob absichtlich oder unabsichtlich, geschadet.


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