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Fußball-Oberligist hat finanzielle Probleme – Austragung des nächsten Ligaspiels gegen Saar 05 in Gefahr





Neunkirchen
Die Borussia hängt „am seidenen Faden“
Fußball-Oberligist hat finanzielle Probleme – Austragung des nächsten Ligaspiels gegen Saar 05 in Gefahr

Von  Sebastian Zenner, 
18. März 2015, 00:00 Uhr
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Horst Klein (links) und Joachim Weiersbach mussten den Mitgliedern der Borussia unangenehme Fakten berichten. Foto: Schlichter Foto: Schlichter
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Das Ellenfeldstadion ist nur noch „Schrott“, sagte Aufsichtsrats-Chef Joachim Weiersbach am Montagabend. Foto: Schlichter Foto: Schlichter
Der Fußball-Oberligist Borussia Neunkirchen steht vor einer ungewissen Zukunft. Der Verein hat massive Zahlungsschwierigkeiten, die Auswirkungen auf den Spielbetrieb haben könnten. Doch das ist lange nicht alles.


 
Sind ab Freitag bei Borussia Neunkirchen die Lichter aus? Der Fußball-Oberligist muss bis dahin seine Rückstände bei der Kommunalen Energie- und Wasserversorgung AG (KEW) Neunkirchen begleichen, sonst werden ihm noch vor dem Ligaspiel gegen den SV Saar 05 am Samstag um 14.30 Uhr Strom und Wasser abgestellt. Rückstände von zwei Monatsgehältern hat der Verein auch bei Spielern und Trainern.
 

Immer weniger Einnahmen

Das und vieles mehr wurde am Montagabend auf der Mitgliederversammlung öffentlich, die nach den Rücktritten des Vereinsvorsitzenden Giuseppe Ferraro, der zweiten Vorsitzenden und Schatzmeisterin Cinzia Verga, Marketing-Manager Dirk Ex und wenig später auch von Aufsichtsrats-Mitglied Dr. Sven Jager unter prekären Vorzeichen stand. 90 stimmberechtigte Mitglieder fanden den Weg in den Vip-Raum des Ellenfeldstadions, wo das letzte verbliebene Vorstandsmitglied Horst Klein und der Aufsichtsrats-Vorsitzende Joachim Weiersbach zügig durch die Tagesordnung führten. Die war aufgrund fehlender Jahres- und Prüfberichte schlanker als geplant.

Kurzfristig erhielt Weiersbach Einsicht in die Jahresberichte 2011/2012 und 2012/13, von der er den Mitgliedern „ohne Gewähr“ Zahlen nannte: Der Umsatz lag demnach bei jeweils rund 500 000 Euro – aktuellere Zahlen lagen nicht vor. „Das ist erstaunlich, wenn man von anderen Vereinen liest, dass der Spielbetrieb in der Oberliga mit 100 000 Euro bewältigt werden kann“, merkte Weiersbach an. Die Saison 2012/2013 wurde mit einem Fehlbetrag 36 000 Euro abgeschlossen, im Vorjahr betrug dieser sogar 86 000 Euro. „Dieser Haushalt konnte nur durch ein großes finanzielles Engagement von Ferraro und einigen wenigen, die Spenden oder Darlehen gegeben haben, ausgeglichen werden“, betonte der Aufsichtsrats-Chef. Massive Einbußen musste der Verein im Bereich der Zuschauer-Einnahmen hinnehmen, die von 66 000 Euro (2011/2012) auf 32 000 (2012/2013) abstürzten. Ein großer Posten auf der Ausgabenseite, der Weiersbach „ein bisschen nachdenklich gestimmt hat“, waren die Jahresabschlusskosten für den Steuerberater von rund 40 000 Euro.

100 000 Euro braucht der Verein nach Angaben Weiersbachs innerhalb der nächsten 14 Tage, um die Verbindlichkeiten, die jetzt auflaufen, bedienen zu können. „Dazu gehören Spielergehälter, Energiekosten, Beiträge zur Berufsgenossenschaft, zur Sozialversicherung und an das Finanzamt“, erklärt der Aufsichtsratsvorsitzende auf SZ-Nachfrage. „Mit dem derzeitigen Engagement seiner Mitglieder lässt sich der Verein nicht in der aktuellen Spielklasse halten“, stellte Weiersbach klar: „Die Helfer lassen sich an zehn Fingern abzählen. Ich bin gespannt, ob diejenigen, die von Kult, Tradition und Aufstieg reden, zukünftig – besser noch kurzfristig – in Erscheinung treten und den Verein in eine erfolgreiche Zukunft führen werden.“ Innerhalb der nächsten 14 Tage muss eine Vorstandslösung gefunden werden.

Derzeit kann der verbleibende Vorstand Horst Klein nicht einmal Transaktionen auf der Bank vornehmen, weil dafür die Unterschrift eines weiteren Vorstandsmitgliedes notwendig ist. „Im Moment weiß ich nicht, ob es noch da ist“, antwortete Joachim Weiersbach auf die Frage eines Mitglieds nach dem Geld für noch ausstehende Gehälter von Spielern. Auf die Frage, ob die Borussia von Ferraros Geld abhängig sei, antwortete Horst Klein: „Wir hängen am seidenen Faden.“
 

„Jugend liegt in Trümmern“

Giuseppe Ferraro bezeichnete die Mannschaft der Borussia gegenüber der SZ als „teuerste der Liga“. Nach der Meinung von Horst Klein ist sie auch „die stärkste der Liga“. Einzig das Verletzungspech hinderten Trainer Daniel Paulus an der bestmöglichen Aufstellung. Neunkirchen rangiert aktuell auf Platz elf der Oberliga. Schlimmer sieht es in der Jugendabteilung aus, wie ein eindringlicher Appell der Mutter eines Jugendspielers zeigte: keine Jugendleitung, keine Trainer, wenige Mannschaften, kein Erfolg. „Die Jugend liegt in Trümmern“, musste Klein eingestehen. Sie so aufzubauen, wie sie einmal war, dauere Jahre. Weiersbach meinte diesbezüglich: „Der Kunstrasenplatz kam zwei, drei Jahre zu spät.“

Nicht zu spät sollten sich Vorstands-Kandidaten melden. „Wir haben hier richtig gute Leute. Nur der eine kann nicht mit dem anderen und so weiter. Wenn wir die Guten wieder an Bord bekommen, dann können wir neu anfangen“, sagte Klein: „In den nächsten Tagen werden die Telefone glühen.“


„Das Stadion ist keine Kultstätte, sondern Schrott“



Ellenfeldstadion kostet die Borussia bis zu 60 000 Euro im Jahr – Ferraro bekräftigt sein Kaufinteresse

Borussia Neunkirchen hat sich über Jahrzehnte über das Ellenfeldstadion identifiziert. Doch die sanierungsbedürftige Heimstätte ist eines der größten Probleme des Vereins. Die Zukunft des Stadions ist offen.

Bei der Mitgliederversammlung des Fußball-Oberligisten Borussia Neunkirchen war auch die Zukunft des Ellenfeldstadions ein großes Thema. Die über 100 Jahre alte Spielstätte der Borussia steht ohne den Verkauf an den Ex-Vorsitzenden Giuseppe Ferraro offenbar vor dem Aus, sofern es der Borussia gelingen sollte, eine Alternative zu finden.

„Das Stadion ist aus meiner Sicht keine Kultstätte mehr. Diese Zeiten sind vorbei. Es sei denn, Herr Ferraro kauft dieses Stadion. Es ist schlichtweg marode und, um es brutal zu sagen, Schrott“, fand Joachim Weiersbach, der Aufsichtsratsvorsitzende, deutliche Worte: „Die Stadt hat der Borussia seit langem den Rücken gekehrt. Der Vertrag zur Unterhaltungsverpflichtung des Stadions mit der Stadt kann und konnte seitens des Vereins niemals erfüllt werden.“ Nur durch das Engagement von Ferraro und seiner Firma sei der Spielbetrieb überhaupt noch möglich.

„Als die Kaufabsicht von Herrn Ferraro geäußert wurde, hat die Stadt umgehend einen Bebauungsplan auf das Ellenfeldstadion gelegt, in dem steht, dass dieser Platz nur für sportliche Zwecke genutzt werden darf“, erklärte Weiersbach: „Wenn Herr Ferraro kauft, hat er diese Auflage, die nur über Satzung der Stadt geändert werden kann. Wenn keiner kauft, ist die Stadt frei in ihrer Entscheidung, das Stadion abzureißen und Bauplätze daraus zu machen.“ Nach übereinstimmenden Angaben von Ferraro und Sportvorstand Horst Klein kostet eine Saison Spielbetrieb im Ellenfeldstadion zwischen 50 000 Euro und 60 000 Euro.

Während man sich bei der Borussia mehr Unterstützung durch die Stadt wünscht, etwa bei den Energiekosten, bekräftigt Ferraro sein Kaufinteresse: „Ich habe das Angebot als Unternehmer gemacht, daran ändert sich nichts. Ich würde das Stadion sanieren und ein Wellness-Hotel im Kopfbau errichten, und die Borussia könnte weiter darin spielen“, sagte Ferraro, für den die unterschiedliche Auffassung über die Bemessungsgrundlage der Grunderwerbssteuer ausschlaggebend ist, warum die Verhandlungen mit der Stadt stagnieren.

 

Meinung:
 

Die Borussia hat so keine Zukunft

Von SZ-RedakteurKai Klankert

Die Borussia steht so schlecht da, dass die Lage durchaus als existenzbedrohend angesehen werden kann. Finanzen, Stadion, teure Mannschaft, keine Jugend, kein Konzept – überall sind Probleme. Die Stadt Neunkirchen anzugreifen und mehr Unterstützung einzufordern, mag anwesende Mitglieder für den Moment zufriedenstellen, doch da macht es sich der Verein zu einfach. Er selbst hat praktisch keine Führung mehr und ist dementsprechend handlungsunfähig.

Wer auch immer die Geschicke des Vereins künftig lenken will und wird, muss sich über einen Punkt klar sein: Zukunftsfähig ist die Neunkircher Borussia derzeit nicht. Leider.


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