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Nach mehr als zwölf Jahren als Präsident des Landessportverbandes hört Gerd Meyer morgen auf – Frodenos Olympia-Gold als Höhepunkt





Saarbrücken
Der Kümmerer geht von Bord
Nach mehr als zwölf Jahren als Präsident des Landessportverbandes hört Gerd Meyer morgen auf – Frodenos Olympia-Gold als Höhepunkt

15. Oktober 2014, 00:00 Uhr
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Morgen endet die Amtszeit von LSVS-Präsident Gerd Meyer. Foto: Ruppenthal Foto: Ruppenthal
Auf der Mitgliederversammlung des Landessportverbandes (LSVS) für das Saarland wird die Amtszeit des Präsidenten Gerd Meyer nach mehr als zwölf Jahren enden. Sein Nachfolger ist bereits gefunden, die Wahl des CDU-Politikers Klaus Meiser gilt als sicher.


 
Exakt 4442 Tage wird Gerd Meyer als Präsident des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS) in Amt in Würden gewesen sein. Wenn der 69-Jährige morgen Abend seinen Stuhl für Klaus Meiser räumt, dann geht ein Mann von Bord, der als „Präsident der Sportler“ in die Geschichte der saarländischen Sportszene eingehen wird. Denn diese gut zwölf Jahre, die Gerd Meyer den LSVS führte, waren vor allem davon geprägt, die großartigen Anlagen rund um die Hermann-Neuberger-Sportschule im Stadtwald „mit Leben zu erfüllen“, wie Meyer es bei seinem Amtsantritt am 18. August 2002 formuliert hat. An jenem Sonntag beerbte Meyer auf der Mitgliederversammlung des LSVS im Püttlinger Trimmtreff seinen Vorgänger Albert Wagner. Gegenstimmen unter den 304 Stimmberechtigten gab es keine einzige für den damaligen Saartoto-Direktor, dem „Ali“ Wagner bauliche Voraussetzungen an der Sportschule hinterließ, die bundesweit ihresgleichen suchten und bis heute noch suchen.

Die größte Stunde in seiner sportlichen Funktionärs-Zeit erlebte Meyer am 19. August 2008. „10 Uhr morgens Ortszeit“, erinnert sich der dreifache Vater, als sei es gestern gewesen. Der goldene Triumph von Triathlet Jan Frodeno bei den Olympischen Spielen in Peking war der Höhepunkt seiner Amtszeit. Als Frodeno sensationell das wichtigste Rennen seines Lebens gewann, saß Meyer vier Meter von der Ziellinie entfernt auf der Tribüne und war einer der ersten, der dem ersten saarländischen Olympiasieger seit Schütze Michael Jakosits und Bahnradfahrer Andreas Walzer (beide Gold in Barcelona 1992) um den Hals fiel.

„Eine Medaille mitzubringen, das ist einfach wichtig und strahlt unheimlich nach außen“, weiß Meyer um die Bedeutung dieser Goldmedaille, die den Olympiastützpunkt in Saarbrücken auf Jahre sicherte, und adelt denjenigen, der sie mit nach Hause brachte, auf besondere Art und Weise: „Für mich gibt es im letzten Jahrzehnt aus allen Bereichen niemanden, der durch sein Bekenntnis zum Saarland und zu den Bedingungen an der Sportschule mehr für das Saarland getan hat.“ Frodeno, der mittlerweile auf die Lang-Distanz umgestiegen ist und am vergangenen Sonntag bei seiner Ironman-WM-Premiere auf Hawaii einen starken dritten Platz hinlegte, gibt die Blumen zurück. „Ich kann von mir behaupten, dass mein Erfolg ohne ihn nicht möglich gewesen wäre“, erklärt Frodeno, der immer noch für das Leichtathletik-Zentrum (LAZ) Saarbrücken startet. „Ich kenne keinen anderen, der sich mit solcher Ausdauer leidenschaftlich für den Sport engagiert. Ohne ihn wäre die saarländische, aber auch die deutsche Sportgeschichte ein großes Stück ärmer.“

Die zwölf Jahre Amtszeit des Gerd Meyer auf das olympische Gold von Jan Frodeno zu reduzieren, würde aber einer Beurteilung von Meyers Wirken nicht gerecht. Läuft man über die Sportschule und unterhält sich mit den Spitzensportlern, die tagein, tagaus hart für ihre Ziele schuften, klingt vor allem eines an: Meyer war ein „Kümmerer“, hatte immer ein offenes Ohr für „seine“ Athleten und besuchte Hunderte von Wettkämpfen seiner Schützlinge. Aber er war nicht nur dann zur Stelle, wenn es darum ging, mit den Sportlern ihre Erfolge zu feiern – nein. Auch bei Rückschlägen oder Verletzungen fragte Meyer nach oder sicherte Unterstützung zu. Oder, wie es Ex-Weltklasse-Triathletin Joelle Tesche-Franzmann formulierte: „Gerd Meyer hatte auch dann ein offenes Ohr, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist. Ich hatte immer das Gefühl, dass nicht nur die Triathletin in seinem Interesse stand, sondern auch der Mensch Joelle dahinter. Das ist in diesem Geschäft eine seltene Erscheinung.“

Neben den Erfolgen auf Spitzensport-Ebene, die Statistik-Freund Meyer mühelos im Stakkato aus dem Gedächtnis herunterbeten kann, und einer Vielzahl von starken Leistungen im Jugend- und Juniorenbereich fallen in Meyers Amtszeit auch große Momente im Breitensport und sozialen Bereich. So ist der bekennende Ringer-, aber noch größere Fußballfan mächtig stolz auf die Erfolge der saarländischen Vereine bei der Aktion „Sterne des Sports“, bei der der TV Altstadt und die Tanzsportabteilung des PSV Saarbrücken den Sieg auf der Bundesebene davon trugen  und der Judo-Club Folsterhöhe Platz zwei belegen konnte. Zu einem Erfolgsmodell wurde auch die Aktion „wir im Verein mit dir“, zu der der Pädagoge Leo Meiser die Idee hatte und die Meyer mit seinem Präsidium nach Kräften unterstützte. 500 Sportvereine machten mit, 25 000 Kinder nahmen teil. Die Anerkennung des Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasiums als bundesweite „Eliteschule des Sports“ fällt ebenfalls in Meyers Amtszeit.

Auch baulich tat sich viel. Das „Haus der Athleten“ entstand, und die Multifunktionshalle wurde gebaut, die für die Rotenbühl-Schüler als Trainingsstätte zur Verfügung steht, aber auch für größere Veranstaltungen wie die Gala zur Wahl der Saarsportler genutzt werden kann.

Wenn Meyer nun morgen seinen Hut nimmt, dann ist er „sehr dankbar für alles. Ich habe verdammt viel Glück gehabt“, sagt Meyer, „und es gab viele, die mich auf diesem Weg begleitet und die mir bei allem geholfen haben. Ich möchte keinen Tag missen.“ Dass er damit aber „seiner“ Sportschule und „seinen“ Athleten ganz den Rücken kehren wird – diese Gefahr besteht nicht. Dafür sorgt schon die Tatsache, dass Meyer Vorsitzender der Sportstiftung Saar ist, die vor zehn Monaten auf seine Initiative hin gegründet wurde. In der Sportstiftung wird Meyer für die Interessen des Saarsports werben, wird versuchen, Sponsoren zum Engagement zu begeistern, wird weiter seinen Weg in den Stadtwald finden, um den Sportlern, den Mitarbeitern beim LSVS und seinen ehemaligen Weggefährten sein legendäres „Grüß dich“ entgegenzuschleudern. Aber er wird häufiger zu Hause in Köllerbach sein und Zeit mit Frau Ursula verbringen, die ihm 4442 Tage lang den Rücken stärkte. „Ohne den Rückhalt meiner Frau wäre das alles nicht gegangen“, weiß Meyer.

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