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Triathlon: Fehde zwischen Roth und Frankfurt erreicht nächste Eskalationsstufe





Frankfurt
Tauziehen um Frodeno
Triathlon: Fehde zwischen Roth und Frankfurt erreicht nächste Eskalationsstufe

Von  Frank Hellmann, 
01. Dezember 2016, 02:00 Uhr
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Doppel-Weltmeister Jan Frodeno ist begehrt, nach seiner Titelverteidigung auf Hawaii in diesem Jahr sowieso. Startet er nächstes Jahr in Frankfurt oder in Roth? Foto: Rüdiger/Plan A Foto: Rüdiger/Plan A
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Sebastian Kienle gewann 2014 den legendären Ironman auf Hawaii. Foto: Omori/dpa

Foto: Omori/dpa
Roth oder Frankfurt: Für denselben Termin 2017 konkurrieren beide Triathlon-Veranstaltungen um Aufmerksamkeit und haben dieselben Hawaii-Heroen auf dem Wunschzettel: Weltmeister Jan Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange.

Vielleicht ist die friedliche Koexistenz zwischen den beiden großen Triathlon-Konkurrenten wirklich nur noch ganz am Rande möglich. Bei Veranstaltungen wie der Triathlon-Night: Am Ausgang der Stadthalle Langen verteilten die einen am Wochenende Adventskalender, auf denen die Termine für die vier Ironman-Rennen auf deutschem Boden aufgedruckt waren. Die anderen ermöglichten vor einer Stellwand mit Challenge-Logo Siegerfotos. Jeweils nette Erinnerungen. Doch damit waren die Gemeinsamkeiten auch schon erschöpft.

Fast wie ein Glaubenskrieg

Die Delegation der vom Weltverband WTC gelenkten Ironman-Serie und der aus dem fränkischen Roth gelenkten Challenge-Veranstaltungen begegneten sich ansonsten mit eisigem Schweigen, weil die beiden wichtigsten Langdistanz-Rennen tatsächlich am gleichen Tag stattfinden: Der 9. Juli 2017 wird nicht nur Athleten, sondern auch Fans, Helfer und Medien für die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen vor die Wahl stellen: das idyllische Roth und das pulsierende Frankfurt?

Hier wie da werden Helden gekürt und Rekorde gejagt. Eine lange Fehde steuert auf eine neue Eskalationsstufe zu: Björn Steinmetz als Ironman-Geschäftsführer Deutschland hatte Alice, Felix und Kathrin Walchshöfer von der Challenge-Leitung mal wieder nichts zu sagen. Die Terminüberschneidung gab es zwar zuletzt auch 2012, sollte aber eigentlich für immer vermieden werden. Ein frommer Wunsch.

„Wir belegen seit Jahrzehnten das zweite Juli-Wochenende, in Jahren einer Fußball WM oder EM das dritte“, beteuerten die Walchshöfers. „Wir müssen immer mehrere Wettkämpfe koordinieren. An dem Tag findet der Ironman Klagenfurt statt“, betonte Steinmetz. Die Kompromissbereitschaft bei der Terminkollision tendierte dem Vernehmen nach gegen null. Dumm nur: Die dank Doppel-Weltmeister Jan Frodeno zuletzt ungeahnte Aufmerksamkeit generierende Randsportart schießt sich damit selbst ins Knie.

Vermittlungsversuche der Deutschen Triathlon Union (DTU) schlugen fehl, der Verband hat gegenüber den privaten Ausrichtern keine offizielle Handhabe. Auch die Funktionäre sind nicht glücklich, dass sich eine wachsende Sportart dermaßen einfältig kannibalisiert. Faris Al-Sultan muss sich zügeln, dass ihm keine Flüche herausrutschen: „Also formuliere ich es diplomatisch: ein Gau. Man erlaubt WTC und Challenge auf dem Rücken des deutschen Triathlonsports, zu dessen Erfolg beide natürlich sehr beitragen, ihren privaten Zwist auszutragen.“ Der Altmeister empört sich über „Dilettantismus in Reinform“.

Ironman oder Challenge – das wird unter Triathleten mitunter wie ein Glaubenskrieg betrachten. Die einen sehen in dem nach Franchise-Prinzipien aufgebauten Challenge-Gebilde einen bodenständigen Familienbetrieb, der noch die wahren Werte ihres Sports aufrecht erhält und in der wachsenden Ironman-Serie eine gewinnsüchtige Vereinigung, die nur noch nach Expansion und Profit strebt. In Langen brach deshalb lautes Jubelgeheul los, dass Roth mit weitem Abstand von fast 23 000 Lesern des „Triathlon-Magazin“ zum „Rennen des Jahres“ auf der Langdistanz gewählt wurde.

Um eine differenzierte Betrachtung bemühen sich speziell die drei Hawaii-Heroen. Frodeno teilte per Videobotschaft aus Australien mit, dass er einerseits das besondere Ambiente in Roth enorm schätze, wo er im Juli eine neue Weltbestzeit schaffte. Anderseits wolle er keine drei Langdistanz-Rennen im nächsten Jahr für seinen angestrebten dritten Sieg auf Hawaii bestreiten. Da er selbst als Ironman-Weltmeister über das komplizierte Qualifikationssystem noch keinen Startplatz für Hawaii sicher hat, muss er also noch einen Ironman machen. In Frankfurt? Felix Rüdiger, der Manager des Athleten vom LAZ Saarbrücken, bestätigt Verhandlungen, doch müsse dem Marktwert auch irgendwie Rechnung getragen.

Kienle und Lange pokern

Ähnliches fordert hinter vorgehaltener Hand auch der WM-Zweite Sebastian Kienle – der von der WTC vorgesehene feste Vergütungskatalog würde nämlich nicht die Sonderstellung der deutschen Stars berücksichtigen. Daher hält sich sogar der Sensationsdritte aus Hawaii, der Darmstädter Patrick Lange, derzeit lieber alle Türen offen: „Texas, Roth oder Frankfurt: Für mich gibt es vor Hawaii drei Varianten.“ Challenge und Ironman, deren 3000 Teilnehmerplätze hier wie da in Windeseile ausgebucht waren, bestätigen jeweils, die Gespräche mit den Topathleten aufgenommen zu haben. Das Hauen und Stechen geht also weiter.


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