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Ex-Spitzensportler Hein-Direck Neu erinnert sich an die Dopingpraktiken der 60er und 70er Jahre





Wiesbaden
Der Diskuswerfer und der Anabolika-Meter
Ex-Spitzensportler Hein-Direck Neu erinnert sich an die Dopingpraktiken der 60er und 70er Jahre

sid,  09. August 2013, 00:00 Uhr
„Wir sind reichlich mit Spritzen, aber auch mit Tabletten versorgt worden.“ Der ehemalige deutsche Top-Diskuswerfer Hein-Direck Neu berichtet Erstaunliches von seinen Erfahrungen mit Dopingmitteln zu seiner aktiven Zeit.


 
Der frühere deutsche Top-Diskuswerfer Hein-Direck Neu hat ausführlich die Ausmaße des bundesdeutschen Dopings in den 60er und 70er Jahren geschildert: „Praktisch jeder von uns Werfern, der sportlich weiterkommen wollte, hat damals mehr oder weniger regelmäßig zu Anabolika gegriffen oder es zumindest einmal probiert“, sagte der sechsmalige deutsche Meister und Olympia-Teilnehmer von 1968, 1972 und 1976 im Gespräch mit dem Wiesbadener Kurier.

Der 69-Jährige deutete an, dass zu seiner Zeit ohne Doping für deutsche Werfer keine internationalen Top-Platzierungen möglich gewesen wären. „Wenn du die Werfer aus der DDR, vor allem aber aus Amerika gesehen hast, die mit dem Zeug ganz offen umgegangen sind und im Gegensatz zu uns Studenten damals schon unter Profibedingungen trainiert haben, dann blieb dir doch gar keine andere Möglichkeit. Die Alternative wäre gewesen, mit dem Sport aufzuhören“, sagte Neu, der für Mainz und Leverkusen startete: „Die Anforderungen wurden immer höher, und wenn du deine 100 Mark Sporthilfe im Monat nicht verlieren wolltest, musstet du Leistung bringen.“

Zum Ablauf der Doping-Praktiken sagte Neu: „Zusammen mit unserem damaligen DLV-Trainer Karlheinz Steinmetz, der noch bis vor wenigen Jahren auch Lars Riedel betreute, sind wir regelmäßig zu Professor Armin Klümper in die Uniklinik nach Freiburg gefahren. Dort sind wir reichlich mit Spritzen, aber auch mit Tabletten versorgt worden. Ich hatte mich damals noch gewundert, dass die Krankenkasse das alles bezahlt.“ Laut Neu ließ sich die Auswirkung der Dopingmittel relativ genau beziffern: „Damals gab es in Athletenkreisen das geflügelte Wort vom Anabolika-Meter, der 110 Zentimeter entspricht.“

Die Funktionäre seien laut Neu durchaus im Bilde gewesen: „Keiner wollte natürlich offiziell etwas davon wissen. Da wir Athleten unter uns ganz offen darüber gesprochen haben, kann es aber niemandem verborgen geblieben sein. Jeder wusste, dass Weltklasseweiten nicht von ungefähr kommen. Die Hemmschwelle war sehr niedrig.“

Neu selbst wurde im Mai 1978 positiv auf Anabolika getestet: „Ich war damals völlig perplex, als ich von dem positiven Befund erfuhr. Die letzte Spritze hatte ich einige Wochen zuvor bekommen und gar nicht daran gedacht. Das Risiko, aufzufallen, war eher gering. Einige Trainer erkundigten sich vor Wettkämpfen darüber, ob es dort Kontrollen gibt. Da hast du dann halt im Zweifelsfall auf einen Start verzichtet.“

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