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Warum Christian Schwarzer Olympia-Silber wichtiger ist als jeder Titel – Ein Ziel hat er noch



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Alles beginnt mit einem Besuch in München
Warum Christian Schwarzer Olympia-Silber wichtiger ist als jeder Titel – Ein Ziel hat er noch

Daniel Konrad,  13. Februar 2016, 02:00 Uhr
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Olympia-Helden In einer neuen Serie trifft sich die SZ-Sportredaktion mit deutschen Medaillengewinnern bei Olympischen Spielen, die zugleich eine besondere Beziehung zum Saarland haben. Teil 2 der Serie: Christian Schwarzer (46).
 
Eine Goldmedaille ist das Größte, was ein Sportler erreichen kann. Für Christian Schwarzer aber wiegt eine silberne Medaille mehr als all seine goldenen. Er ist Handball-Europameister 2004, Weltmeister 2007, sogar im eigenen Land, und er hat auch in seinen Vereinen alles abgeräumt – doch nichts geht über das olympische Silber 2004 in Athen. „Mit der Olympiamedaille ist mein größter Traum in Erfüllung gegangen. Zu den Olympischen Spielen hatte ich schon immer eine ganz besondere Beziehung“, erzählt Schwarzer.

Diese Beziehung entsteht 1974. Als Fünfjähriger besichtigt der kleine Christian mit seiner Familie die Sportstätten in München, wo zwei Jahre zuvor die Sommerspiele stattgefunden hatten. „Wir waren uns den Olympiapark anschauen, und ich war sofort völlig fasziniert. Am imponierendsten waren das Olympiastadion und die Olympiahalle“, erinnert sich Schwarzer. Er will selbst ein Teil davon sein, von Olympia, diesem Mythos. Dass er gleich vier Mal an den Spielen teilnehmen wird, ahnt damals niemand – erst recht nicht, dass er das als Handballer schaffen wird.

Ursprünglich will Christian Schwarzer Fußballspieler werden. In Hamburg-Bergedorf, wo er seine Kindheit verbringt, kennt er nur einen Tagesablauf: „Schule, Mittagessen, Hausaufgaben und raus mit Freunden Fußball spielen. Es ist ein einfacher Sport, den man überall spielen kann“, sagt der gebürtige Braunschweiger. Dass er zum Handball kommt, hat er seinen schmutzigen Kleidern zu verdanken. „Draußen war schlechtes Wetter, und mein Bruder Markus und ich waren wieder dreckig vom Kicken. Da meinte unsere Mutter Ingrid: Könnt ihr euch nicht einen Sport in der Halle suchen? So sind wir 1979 mit einem Freund zum Training der TSG Bergedorf – und sind beim Handball geblieben“, berichtet Schwarzer mit einem Lächeln im Gesicht.

Weil er unbedingt mit seinem ein Jahr älteren Bruder spielen will, muss Christian bei den Älteren ran und ist einer der kleineren und schmächtigeren – heute undenkbar. So landet er zwischen den Pfosten. „Ich habe die ersten drei Jahre im Tor gespielt. Das hat mir richtig Spaß gemacht, und schlecht war ich auch nicht. Aber irgendwann hat es mir gereicht und ich wollte selbst Tore werfen“, erinnert er sich. Mit 13 Jahren wird er erstmals an den Kreis gestellt.

1984, also mit 15, sitzt Schwarzer mit seiner Mannschaft beim Länderspiel Deutschland gegen Russland auf der Tribüne, ist Feuer und Flamme und fasst den Entschluss, später auch mal den deutschen Adler auf der Brust tragen zu wollen. „Nach dem Spiel habe ich mir einen Zettel geschrieben, was ich in meiner Sportlaufbahn noch alles erreichen möchte. Vieles hat dann auch funktioniert“, sagt Schwarzer. Dieser Zettel hängt noch immer im Kinderzimmer im Haus seiner Eltern. Ergänzt wurde er nicht mehr, und bis auf zwei Dinge konnte Schwarzer alle Punkte abhaken: die Aufnahme in die norddeutsche Auswahl, ein Spiel in der Bundesliga, eins in der A-Nationalmannschaft und eine Olympia-Teilnahme. Verwehrt bleiben ihm in seiner mehr als 20-jährigen Laufbahn Auftritte in der deutschen Jugend- und Junioren-Nationalmannschaft. Heute kann er das allerdings locker verschmerzen.

Nach seinem Vereinswechsel zu Wandsbek 72, wo er es in die norddeutsche Auswahl schafft, wird Schwarzer bei einer Sichtung des Deutschen Handball-Bundes nicht genommen. „Das war eine ganz schwere Zeit für mich. Ich habe da echt zu Hause gesessen und geheult“, schildert der 46-Jährige. Diesen Rückschlag nimmt er zum Anlass, noch mehr und noch härter an sich zu arbeiten. Da er weiter in der norddeutschen Auswahl spielt, darf er schon mit 16 bei den Aktiven mitmischen. So kann er früh Oberliga-Luft schnuppern. Was folgt, ist ein unfassbarer Aufstieg. 1987 wechselt Schwarzer zum Zweitligisten VfL Fredenbeck, steigt im ersten Jahr in die Bundesliga auf, gibt mit 18 Jahren sein Bundesliga-Debüt. „Ich hatte das Glück, dass mein Trainer Mane Skercevic viel auf junge Spieler setzte. So bekam ich meine Einsatzzeit und habe es wohl ganz ordentlich gemacht.“

Ganz ordentlich ist untertrieben. Schon am 21. November 1989 kommt er in Wilhelmshaven gegen die DDR zu seinem ersten Länderspiel – und steht plötzlich im Blickfeld der Topvereine in Deutschland. Auch der TV Niederwürzbach will ihn haben. Unbedingt. 1990 sagt Schwarzer dem Vereinschef Rudi Hartz noch ab, im Jahr darauf hat er sein Fachabitur in der Tasche und das Kapitel Bundeswehr abgeschlossen. Dem Wechsel steht nichts mehr im Wege. „Ich hatte auch Angebote von Bad Schwartau und Flensburg-Handewitt. Doch die größere Distanz ins Saarland hat mich einfach gereizt“, sagt Schwarzer.

Er unterschreibt beim TVN und zieht mit seiner damaligen Freundin und heutigen Frau Tanja nach Homburg, wo sich die beiden prächtig einleben. „Es war für uns beide die erste eigene Wohnung. Wir haben uns sehr schnell wohl gefühlt, und es hat alles gut funktioniert – auch wenn wir wegen der Sprache am Anfang dachten, wir wären im Ausland“, sagt Schwarzer und lacht. Schnell bauen sie einen großen Freundeskreis auf und entscheiden, sich „hier mehr oder weniger niederzulassen“. Mit dem Hausbau 1996 in Niederwürzbach ist dieser Schritt endgültig.

Auch sportlich läuft es weiter rund. Bei der WM 1993 in Schweden spielt Schwarzer sein erstes großes Turnier – 14 weitere sollen folgen. Doch 1999 der Schock: Der TV Niederwürzbach meldet seine Mannschaft vom Bundesliga-Betrieb ab. „Ich hatte die Wahl zwischen der Bundesliga und ausländischen Vereinen. Beim FC Barcelona konnte ich mir schließlich den Traum erfüllen, auch in der spanischen Liga zu spielen“, erklärt der 46-Jährige. Es folgt seine erfolgreichste Zeit: Mit Barcelona und später dem TBV Lemgo gewinnt „Blacky“ Schwarzer national und kontinental alle Titel – egal ob Meisterschaft, Pokal, Champions League oder Supercup.

Auch in der deutschen Nationalmannschaft läuft es nach dem Jahrtausendwechsel richtig rund. Vize-Europameister 2002, Vize-Weltmeister 2003, Europameister 2004 und Weltmeister im eigenen Land 2007, was er selbst als „Zugabe“ bezeichnet – immerhin ist er da schon 37 Jahre alt. Doch für „Blacky“ zählt besonders das olympische Turnier in Athen 2004. Denn die Gedanken an München sind immer präsent.

Auf dem Weg zur Medaille kommt es im Viertelfinale zu einem der kuriosesten Spiele der Handball-Geschichte. Gegen Spanien gibt es auch nach zweimaliger Verlängerung noch keine Entscheidung (30:30), obwohl Schwarzer ein überragendes Spiel (neun Tore) abliefert. Das Siebenmeter-Werfen muss entscheiden. Die Deutschen legen vor, doch Stefan Kretzschmar und Florian Kehrmann scheitern – ebenso wie Markus Baur als vierter Werfer. Da die Spanier aber nicht einen ihrer vier Versuche treffen, reichen die Tore von Torsten Jansen und Daniel Stephan zum Halbfinal-Einzug. „Das war ein unglaubliches Gefühl. Nach dem entscheidenden Wurf bin ich fast zusammengebrochen, weil es mental so aufreibend war. Ich war fix und fertig und wollte einfach nur meine Ruhe“, erinnert sich Schwarzer.

Am Ende steht nach dem 21:15-Erfolg im Halbfinale gegen Russland und der 24:26-Finalniederlage gegen Kroatien die Silbermedaille zu Buche, und nach kurzer Enttäuschung entwickelt sich ein ganz besonderes Gefühl: „Man weiß, dass man in den Geschichtsbüchern der Spiele verewigt ist. Das ist unbeschreiblich“, sagt Schwarzer.

2009 ist nach einer zweijährigen Station bei den Rhein-Neckar Löwen Schluss mit der aktiven Karriere. Doch dem Handball bleibt Schwarzer verbunden. Neben seinen Engagements als TV-Experte und Markenbotschafter für eine Nahrungsergänzungsmittel-Firma kümmert er sich intensiv um den Nachwuchs. Bis Ende 2015 für den Deutschen Handball-Bund, der sich dann allerdings für eine Trennung entscheidet, parallel dazu und heute immer noch auch als Jugendkoordinator und Trainer beim Handball-Verband Saar (HVS). Schwarzer will den Handball voranbringen und nachhaltig verbessern. Ausruhen? Das ist nicht sein Naturell.

Außerdem hat er noch ein Ziel, das er bisher nicht erreicht hat – und das damals auch nicht auf seinem Zettel stand: „Irgendwann würde ich schon gerne die A-Nationalmannschaft trainieren. Doch in der nahen Zukunft sehe ich mich absolut hier beim HVS.“ Vielleicht kann er ja helfen, dass junge Sportler aus dem Saarland den Ehrgeiz und Willen aufbringen, die ihn ausgezeichnet haben, dass sie sich einen Zettel mit Zielen schreiben und diese konsequent verfolgen, dass sie sich ihre sportlichen Träume erfüllen und irgendwann, wie er selbst, zu einem Olympia-Helden aus dem Saarland werden. > Serie wird fortgesetzt
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