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„Trainer, Ersatzvater, Diktator“





Berlin
„Trainer, Ersatzvater, Diktator“
Von  Jörg Soldwisch, 
21. April 2017, 02:00 Uhr
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(sid) Gemütlich feiern in einer Fischerklause in Warnemünde, ein Shantychor spielt seine Lieblingslieder – Margret Wegner hatte die Überraschungs-Party für ihren Mann bis ins letzte Detail geplant. Doch der machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Für Ulli Wegner geht das Boxen mal wieder vor. Seinen 75. Geburtstag am kommenden Mittwoch feiert der Trainer lieber im bulgarischen Sofia, wo er Schwergewichtler Kubrat Pulew auf seinen Kampf gegen Kevin Johnson vorbereitet. Bereits am morgigen Samstag (22.30 Uhr/MDR) in Erfurt will Wegner seinem Schützling Arthur Abraham im Kampf gegen Robin Krasniqi zu einer neuen WM-Chance verhelfen.

An die Box-Rente denkt der Kulttrainer noch lange nicht. „Wenn ich das nicht machen würde, würde ich nur durch die Gegend fahren. Das will ich nicht“, sagte Wegner: „Seit neun Jahren bekomme ich Rente, mit der würde ich über die Runden kommen. Aber vom Fachlichen her kann ich den Jungs noch unheimlich viel geben.“ Abraham weiß das, aber seine Wertschätzung für „Herrn Wegner“, wie er seinen langjährigen Trainer ehrfurchtsvoll nennt, geht weit darüber hinaus. „Ich liebe ihn vom ganzen Herzen“, sagte der Ex-Weltmeister: „Er ist für mich ein ganz besonderer Mensch: Trainer, Ersatzvater, Berater, Diktator.“

Wegner war es, der von Beginn an an den aus Armenien nach Deutschland ausgewanderten Abraham geglaubt hatte. Er, der mit einer Mischung aus strenger Autorität und väterlicher Milde schon Kämpfer wie Sven Ottke und Markus Beyer zu Weltmeistern geformt hatte, sah im schlaggewaltigen Abraham einen Ausnahmeboxer. Unter ihm stieg der Supermittelgewichtler sportlich und sozial auf. Oder, wie Wegner es plastisch ausdrückt: „Von der Plastiktüte zum Ferrari.“

Spätestens seit Abrahams legendärem Punktsieg im September 2006, als er stark blutend Edison Miranda trotz eines doppelten Kieferbruchs in die Knie zwang, ist die Beziehung zwischen Trainer und Boxer eine besondere. Wegner warf damals nicht das Handtuch, sondern er pushte seinen Schützling zum Sieg – und zu einer Popularität, von der der Deutsch-Iraner noch heute profitiert. „Durch den Kieferbruch ist er ein Held geworden“, sagt Wegner. Danach kriselte es zwischen Wegner und Abraham immer mal wieder, nach Niederlagen machte jeder dem anderen zum Teil heftige Vorwürfe.

Doch der eine scheint ohne den anderen nicht zu können. „Ein Papa ist ja auch manchmal böse auf seinen Sohn“, sagte Abraham. Böse wäre Wegner vor allem, wenn „König Arthur“ gegen Krasniqi verliert: „Dann soll er sich ja nicht erlauben, in die Kabine zu kommen.“ Bei einem Sieg im offiziellen WBO-Ausscheidungskampf winkt Abraham ein WM-Kampf in der Gewichtsklasse des Kleinblittersdorfer Profiboxers Jürgen Doberstein. Der „Dobermann“ hatte im Sommer 2016 gegen Krasniqi nach Punkten knapp verloren.




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