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Motorsport: Formel 1 verändert sich im Jahr 2017 – Bricht die Dominanz von Mercedes?





Abu Dhabi
Neue Chance für die Konkurrenz
Motorsport: Formel 1 verändert sich im Jahr 2017 – Bricht die Dominanz von Mercedes?

sid-Mitarbeiter Marco Heibel,  30. November 2016, 02:00 Uhr
Das Saisonfinale in Abu Dhabi mit dem Triumph von Nico Rosberg markierte einen Einschnitt für die Formel 1. Die Königsklasse könnte sich 2017 deutlich verändern. Profitieren werden wohl nicht alle Rennställe.

Neue Regeln, ein neuer Besitzer – eine neue Formel 1? Das künftige Aerodynamik- und Reifenreglement könnte das Feld 2017 durcheinanderwirbeln und die Dominanz von Mercedes beenden. Dazu will Liberty Media der Königsklasse neuen Glanz mit frischen Ideen verleihen. Nach dem Saisonfinale 2016 in Abu Dhabi lässt sich allerdings nur mutmaßen, ob diese Maßnahmen zu einer Zeitenwende führen – oder ob es eher ein leichtes Facelifting wird.

Promoter Bernie Ecclestone bringt das aktuelle Kernproblem der Formel 1 auf den Punkt. „Seriensieger sind nicht gut für das Produkt“, sagt der Brite: „Im Moment weiß jeder, wer gewinnt.“ Und das ist Mercedes. Auch im dritten Jahr der Hybrid-Ära waren die Silberpfeile allen Konkurrenten weit voraus. Der neue Weltmeister Nico Rosberg und Lewis Hamilton fuhren seit 2014 in 59 Rennen 51 Siege ein. So überlegen war selbst Ferrari in der Ära von Michael Schumacher nicht, auch McLaren mit der legendären Fahrerpaarung Senna/Prost konnte eine derartige Dominanz über einen solchen Zeitraum nicht ausüben.

Doch durch das neue Reglement, das Züge einer „Macho-Kur“ trägt, könnte die Vormachtstellung von Mercedes bröckeln. Die Autos werden 2017 um 20 Zentimeter breiter, die Reifen um 25 Prozent, der Heckflügel schließt deutlich tiefer ab. Und die imposanten Boliden werden nicht nur schnell aussehen. Laut Berechnungen der Teams, die allesamt seit Monaten an den Fahrzeugen arbeiten, werden die Rundenzeiten um bis zu fünf Sekunden sinken. Skeptiker werfen allerdings ein, dass das Überholen durch zusätzliche Luftverwirbelungen künftig noch schwerer fallen könnte.

„Die neuen Regeln sind für jeden wie ein leeres Blatt Papier“, sagt Christian Horner, dessen Red-Bull-Team eine treibende Kraft der „Macho-Kur“ war: „Wir sind optimistisch, dass es für uns nach vorne geht.“ Der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel hofft nach einer katastrophalen Saison mit Ferrari ebenfalls auf den nächsten Schritt, meint aber: „Alle haben die gleiche Chance, einen größeren Schritt zu tun als die Konkurrenz.“

So ganz stimmt das nicht. Der Kreis der möglichen Profiteure dürfte sich wohl auf Ferrari, Red Bull und Renault beschränken. Denn weiterhin funktioniert die Formel 1 ja nach einem System, welches die großen Teams noch reicher macht, den kleineren Rennställen bleibt wenig vom milliardenschweren Kuchen.

Ändern könnte sich daran erst etwas, wenn der US-Unterhaltungsriese Liberty Media die Übernahme der Formel 1 abgeschlossen hat. Das soll allerdings erst im Frühjahr nach der Prüfung durch die Kartellwächter der Fall sein. In Abu Dhabi zeigte sich der designierte Formel-1-Vorstand Chase Carey erneut im Fahrerlager, doch die konkreten Pläne von Liberty Media sind weiter unklar. Mehr Unterhaltung, mehr Digitalität und die Stärkung des zuletzt darbenden Formel-1-Kernmarktes Europa – Stichwort: Hockenheim-Aus 2017 – sind vage Vorstellungen, die durchgesickert sind. Fix ist aber nichts, auch nicht die Zukunft des mittlerweile bereits 86-jährigen Ecclestone. Den halten längst nicht mehr alle Teamchefs für den richtigen Steuermann, auch wenn es eine direkte öffentliche Aussage dazu bislang nicht gibt.

Losgelöst von Liberty Media wollen auch die aktuellen Entscheidungsträger die Attraktivität der Serie erhöhen, daher steht auch eine neue Idee zur Abstimmung: Demnach soll nach jeder Safety-Car-Phase künftig stehend gestartet werden. Dadurch würden in zahlreichen Rennen mehr Hochspannungs-Momente geschaffen und das Feld ziemlich sicher durchgemischt – was bis auf Mercedes sicher allen gefallen würde. Vor allem den Fans, die sich wegen der drohenden Langeweile von der Formel 1 abgewandt haben.

Zum Thema:

Auf einen Blick Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg will seiner Geburtsstadt Wiesbaden heute einen kurzen Besuch abstatten und seinen ersten Termin nach dem Titelgewinn in Deutschland absolvieren. Einen Eintrag ins Goldene Buch der Landeshauptstadt von Hessen wird es jedoch nicht geben, Rosberg hatte sich dort bereits 2012 verewigt. Trotzdem sollen die Verdienste Rosbergs nach dem größten Erfolg seiner Karriere erneut gewürdigt werden. Der 31-Jährige, der seinen Lebensmittelpunkt mittlerweile im Fürstentum Monaco hat, reiste nach seinem Titelgewinn am Sonntag in Abu Dhabi direkt weiter zu einem Sponsorentermin nach Kuala Lumpur und wird heute zurück in Europa erwartet. Bis zum Wochenende stehen eine Vielzahl an Terminen auf dem Programm. Rosberg wird unter anderem die Werke der Silberpfeile in Deutschland und England besuchen und erhält am Freitag im Rahmen der Gala des Automobil-Weltverbandes Fia in Wien offiziell die WM-Trophäe. sid



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