Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn (links) begrüßt den Präsidenten der Brüsseler EU-Kommission, José Manuel Barroso (Mitte). dpa
Schengen feiert Reisefreiheit über die Grenzen hinweg
Von SZ-Mitarbeiter Bernd Wientjes
Schengen. Die Symbolik des Tages zeigt sich nicht in dem eigens auf der Moseluferstraße aufgebauten Festzelt, sondern 500 Meter nebenan, über der Mosel. Dort auf der anderen Seite, wo Deutschland und Frankreich aufeinandertreffen, fahren gerade, als Schengens Bürgermeister Roger Weber die 300 geladenen Gäste begrüßt, ein deutscher und französischer Streifenwagen vor. Die Polizisten steigen aus, begrüßen sich freundlich. Vor über 25 Jahren wäre das undenkbar gewesen.
Angst vor dem Zoll
Die grenzüberschreitende Polizeiarbeit war vor dem Abkommen, das heute in dem 500-Einwohner-Ort in dem luxemburgischen Moselort, vis-á-vis von Deutschland und Frankreich gefeiert wird, nur mit großem bürokratischen Aufwand möglich. Genau wie der grenzüberschreitende Alltag. „Man musste immer seine Papiere dabei haben, wenn man über die Grenze gefahren ist“, erinnert sich Ernest Legill. Er ist einer von 100 Schengenern, die zu dem Festakt eingeladen worden sind.
Der 82-jährige Winzer aus Schengen hat Weinberge in Luxemburg, Deutschland und Frankreich. „Wenn wir mit Trauben aus Frankreich oder Deutschland gekommen sind, wurden die an der Grenze abgewogen“, sagt Legill. „Man hat immer Angst gehabt vor den Zoll“, erinnert sich Schengens Bürgermeister Weber. Die Kontrollen seien „Schikanen für die Bürger“ gewesen, meint auch Robert Goebbels. Er ist damals als luxemburgischer Staatssekretär bei der Unterzeichnung des Abkommens auf dem Moselschiff Marie-Astrid auf der Schengener Seite der Mosel dabei gewesen.
Seit ein paar Jahren ist die Moselstraße, wo das Festzelt steht und das europäische Museum, das gestern offiziell eröffnet wurde, nach Goebbels benannt. Es sei damals das erste Mal gewesen, dass sich die „große Politik“ für das Europa der kleinen Bürger interessiert habe, erinnert er sich. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn spricht daher auch von einem „Europa der Bürger“, das durch das Schengen-Abkommen entstanden ist. Mittlerweile ist der Winzerort weltbekannt. Leider fehlen an dem „großen Tag“ (Bürgermeister Weber) viele namhafte Politiker.
Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker lässt sich entschuldigen. Neben Asselborn vertritt das großherzogliche Paar Luxemburg. Während Länder wie Spanien, Irland, Portugal und Tschechien ihre Außenminister nach Schengen geschickt haben, ist Deutschland durch den Staatssekretär im Außenministerium, Werner Hoyer, vertreten. Aus Rheinland-Pfalz oder der Region Trier findet sich kein Vertreter auf der Liste der Offiziellen, dafür aus dem Saarland. Innenminister Stephan Toscani (CDU) ist gekommen und lobt das Schengener Abkommen als „Meilenstein der europäischen Geschichte“.
Heute sei der Geburtstag aller Europäer, freut sich der Pole Jerzy Buzek, Präsident des Europäischen Parlaments. Mittlerweile kämen auf jeden der 500 Einwohner von Schengen eine Million Europäer, das zeige, was aus dem Abkommen von vor 25 Jahren geworden ist. Und der sogenannte Schengen-Raum, mit bislang 25 Mitgliedsstaaten, werde weiter wachsen, sagt EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso.
Beitrag vom: 14.06.2010, 00:41
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Angst vor dem Zoll
Die grenzüberschreitende Polizeiarbeit war vor dem Abkommen, das heute in dem 500-Einwohner-Ort in dem luxemburgischen Moselort, vis-á-vis von Deutschland und Frankreich gefeiert wird, nur mit großem bürokratischen Aufwand möglich. Genau wie der grenzüberschreitende Alltag. „Man musste immer seine Papiere dabei haben, wenn man über die Grenze gefahren ist“, erinnert sich Ernest Legill. Er ist einer von 100 Schengenern, die zu dem Festakt eingeladen worden sind.
Der 82-jährige Winzer aus Schengen hat Weinberge in Luxemburg, Deutschland und Frankreich. „Wenn wir mit Trauben aus Frankreich oder Deutschland gekommen sind, wurden die an der Grenze abgewogen“, sagt Legill. „Man hat immer Angst gehabt vor den Zoll“, erinnert sich Schengens Bürgermeister Weber. Die Kontrollen seien „Schikanen für die Bürger“ gewesen, meint auch Robert Goebbels. Er ist damals als luxemburgischer Staatssekretär bei der Unterzeichnung des Abkommens auf dem Moselschiff Marie-Astrid auf der Schengener Seite der Mosel dabei gewesen.
Seit ein paar Jahren ist die Moselstraße, wo das Festzelt steht und das europäische Museum, das gestern offiziell eröffnet wurde, nach Goebbels benannt. Es sei damals das erste Mal gewesen, dass sich die „große Politik“ für das Europa der kleinen Bürger interessiert habe, erinnert er sich. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn spricht daher auch von einem „Europa der Bürger“, das durch das Schengen-Abkommen entstanden ist. Mittlerweile ist der Winzerort weltbekannt. Leider fehlen an dem „großen Tag“ (Bürgermeister Weber) viele namhafte Politiker.
Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker lässt sich entschuldigen. Neben Asselborn vertritt das großherzogliche Paar Luxemburg. Während Länder wie Spanien, Irland, Portugal und Tschechien ihre Außenminister nach Schengen geschickt haben, ist Deutschland durch den Staatssekretär im Außenministerium, Werner Hoyer, vertreten. Aus Rheinland-Pfalz oder der Region Trier findet sich kein Vertreter auf der Liste der Offiziellen, dafür aus dem Saarland. Innenminister Stephan Toscani (CDU) ist gekommen und lobt das Schengener Abkommen als „Meilenstein der europäischen Geschichte“.
Heute sei der Geburtstag aller Europäer, freut sich der Pole Jerzy Buzek, Präsident des Europäischen Parlaments. Mittlerweile kämen auf jeden der 500 Einwohner von Schengen eine Million Europäer, das zeige, was aus dem Abkommen von vor 25 Jahren geworden ist. Und der sogenannte Schengen-Raum, mit bislang 25 Mitgliedsstaaten, werde weiter wachsen, sagt EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso.
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