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„Auf jeden Fall besser als nichts“

SZ-Umfrage: Völklinger könnten sich mit einem abgespeckten City-Center arrangieren


Von Peter Wagner und Bernhard Geber (SZ), 18.05.2013 00:00
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Seit 2009 keine Fortschritte: ein Blick auf die Kaufhof-Ruine und das leer geräumte Umfeld in der Innenstadt. Foto: Becker & Bredel Foto: Becker & Bredel
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Ursula Balzer
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MichaelCervenka
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MiranPutschnigg
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IngridAltmayer
Das Völklinger City-Center wird, wenn überhaupt, nicht so groß und schön gebaut, wie es erste Projektskizzen versprachen. Statt eines mehrgeschossigen Konsumtempels will der neue Investor allenfalls noch Läden im Erdgeschoss entlang der Rathausstraße bauen lassen.
Völklinger können sich mit dieser kleineren Variante offenbar arrangieren, wie eine Umfrage unserer Zeitung am Tag nach Bekanntwerden der geänderten Planung ergab. „Besser klein und funktionierend als groß und pleite“, formulierte es Hans-Herbert Gläs markant. Ursula Balzer vom Heidstock hat sich kürzlich mit einem Strickladen („Kreativwerkstatt Löwenzahn“) neu in der Rathausstraße niedergelassen. Sie wäre fast direkte Nachbarin des kommenden City-Centers. Sie freut sich darauf, „denn die Leute müssen endlich wieder hier reingezogen werden in die Stadtmitte. Völklingen wartet auf etwas Buntes.“

Auch Ingrid Altmayer, Bedienung im Café Duck Dich, hat eine Art Gier nach Angeboten ausgemacht: „Wenn in Völklingen was angeboten wird, dann strömen die Leute hin, es sind alle da. Aber es passiert zu wenig.“ Das „Center neu“ sei ein Schritt in die richtige Richtung. Einer, der hin und wieder als Besucher kommt, ist der Dillinger Miran Putschnigg. Sein Urteil über Völklingen: „Wie Dillingen, Stahlstadt, nicht sehr einladend, nicht sehr sauber, aber sympathisch. Bei den Geschäften müsste sich mehr bewegen. Ich kaufe meine Sachen in Saarlouis.“

Bekennender Völklinger Kunde („von Brot bis Jeans“) ist Michael Cervenka, der seit 1977 hier arbeitet. Der Mitarbeiter des Pflegestützpunktes hat direkten Blick auf die potenzielle Großbaustelle. Er sieht das „kleine“ City-Center positiv: „Es müsste dringend überhaupt irgendetwas voran gehen, etwas Greifbares kommen, damit nicht noch mehr Leute abwandern.“

Hans Agostini, das Sprachrohr der Völklinger Einzelhändler, hält auch die zweite Variante des Centers mit möglicherweise nur 20 statt 40 Geschäften für „eine Riesensache“. Wichtig sei aber, dass schnell Bagger anrücken – „damit man was sieht“.

„Besser als nichts“, sagt Hermann Binz, Völklinger Immobilienmakler mit jahrzehntelanger Erfahrung, zur Umplanung. Die L-Form sei für den Bauherren wesentlich kostengünstiger als der Rundbau. Völklingen brauche vor allem einen großen Kleider-Markt. Dieser könne dann zusätzlich die vielen Franzosen anziehen, die bereits wegen Lebensmitteln in den Globus kämen. Auch ein Drogeriemarkt sei notwendig und auf der vorgesehenen Fläche auch vielleicht absehbar.

Das Gedankenspiel von Oberbürgermeister Klaus Lorig, Teile der Verwaltung ins neue City-Center auszulagern, weckt bei Hans Obermann Erinnerungen an die 1960er Jahre, in denen das Neue Rathaus gebaut wurde. Der ehemalige Stadtarchivar kann heute noch sagen, welches Büro welchen Amtes seinerzeit in welchem Haus untergebracht war. So etwa, sagt Obermann, möchte man nicht mehr haben, denn die Leute hätten den Überblick verloren, wo „ihre“ richtige Stelle sei.

„Es war für uns zunächst eine große Enttäuschung“, schilderte SPD-Fraktionschef Erik Kuhn gestern die Stimmung nach der geheimen Ratssitzung, in der der Investor seine neuen Pläne vorstellte. Doch es sei doch noch besser als die gegenwärtige Situation.

Er persönlich könne sich durchaus vorstellen, entlang der Rathausstraße bis hinein in die Alte Schulstraße auf rund 6000 Quadratmetern im Erdgeschoss Geschäfte unterzubringen. Unabhängig davon sei kritisch zu prüfen, ob im Bereich des früheren Kaufhof-Querriegels in den Obergeschossen Teile der Stadtverwaltung untergebracht werden sollten. Kuhn: „Dann schaffe ich woanders eine neue Ruine und habe wirtschaftlich und städtebaulich nichts erreicht.“ Karl-Heinz Remark, Fraktionschef von Pro Völklingen, bedankte sich gestern bei Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU): „Auch wenn das City-Center etwas kleiner ausfallen soll, müssen wir Bürger uns doch glücklich schätzen, wenn überhaupt noch ein neues Kaufhaus gebaut wird.“

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