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Dem Abschied folgt ein Umbruch am Markt

Keltermann-Apotheke schließt Ende Juni, neuer Mieter in Sicht


Von SZ-RedakteurFrank Kohler, 15.05.2013 00:00
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Ein großes Plakat zeugt von der Mieter-Suche für die Keltermann-Apotheke am St. Johanner Markt. Einen Interessenten gibt es bereits. Foto: Becker&Bredel Foto: Becker&Bredel
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Michael Raber in seinem Büro am Markt. Foto: www.axlklein.com Foto: www.axlklein.com
Ein Geschäft, das viele Jahre den St. Johanner Markt mitprägte, ist in wenigen Wochen Vergangenheit: die Keltermann-Apotheke. Für Immobilienkenner spiegeln sich darin große Veränderungen im Handel. Aber die Mischung am Markt und in seinen Nebenstraßen stimme, sagen sie.
„Zu vermieten.“ Das Plakat an der Tür der Keltermann-Apotheke lässt die beiden Passanten stehen bleiben. Und stutzen. Kein Wunder, wenn ein Geschäft am St. Johanner Markt verschwindet, das seit Jahrzehnten einfach dazugehörte. Was ist da los? „Die Mieterin hat fristgerecht zum 30. Juni gekündigt“, sagt Michael Raber, einer der bedeutendsten Makler in Saarbrücken und ständiger Beobachter des Handels.

Eine Mieterhöhung habe dabei keine Rolle gespielt, sagt Raber, der seit Ende 2012 Miteigentümer des Hauses ist. „Die Apothekerin hätte den Mietvertrag um fünf Jahre zu den gleichen Konditionen verlängern können.“ Seine Einschätzung: „Eine Apotheke lässt sich in einer solchen Lage nicht mehr auskömmlich betreiben.“ Grund 1: Der Verkaufsraum sei mit nur 54 Quadratmetern für eine Apotheke ziemlich klein. Grund 2: Die Zahl der Patienten, die nach dem Arztbesuch reinkommen, um gleich ihre Medikamente mitzunehmen, sei an dieser Stelle zu gering.

Was soll also dorthin? Raber hat sich längst auf dem Markt umgetan und einen ernsthaften Interessenten an der Hand. Es ist der Pariser Tee-Hersteller Kusmi, der am Markt eine seiner Tee-Boutiquen eröffnen könnte.

Ein zugkräftiger Händler wäre nach Rabers Ansicht ein weiteres Puzzleteilchen in einem Gesamtbild, das sich sehen lassen könne. „Bei Ansiedlungen fragen wir uns immer: Handelt es sich um ein Projekt, das der Frequenz dient, also Käufer anlockt? Wir wollen aber nicht unseren Kunden Konkurrenz ins Haus holen. Uns ist ein Mieter, dem es gut geht, lieber als zwei Mieter, denen es schlecht geht.“ Die Mischung stimme am St. Johanner Markt und in den Seitenstraßen. Für Raber war das Grund genug, mit seinem Partner die St. Johanner Markt Verwaltungsgesellschaft mbH zu gründen. „Wir haben den gesamten Immobilienbestand des Büros Dr. Gustav Weber erworben. Weber hat maßgeblich an der Gestaltung des St. Johanner Marktes mitgewirkt. Webers Erben war es wichtig, dass die Häuser im Eigentum von Saarbrückern bleiben.“ Sein Eindruck zum Branchenmix im Herzen der Altstadt? „Der Besatz mit Geschäften war in allen Lagen inklusive Nebenstraßen noch nie besser.“ Auffallend sei aber auch: „In den vergangenen 20 Jahren fielen 2500 Quadratmeter Gastronomieflächen ersatzlos weg.“ Da sei es wichtig, sagt Raber an die Adresse der Stadtverwaltung, am St. Johanner Markt Bewegung zuzulassen. Die Verwaltung dürfe zum Beispiel nicht Nutzungsmöglichkeiten per Gaststättenkonzession an einzelnen Häusern festmachen, sondern müsse offene Augen dafür haben, wo sich etwas bewegt – und dann darauf reagieren.

Auch Max Schoenberg, Vorsitzender des Vereins für Handel und Gewerbe, sieht die bevorstehende Schließung der Apotheke keineswegs als Krisensymptom. „Wir sind am Markt vom Branchenmix her gut aufgestellt.“

Wegen der kleinen Verkaufsflächen eigneten sich die Gewerbe-Immobilien am St. Johanner Markt zwar zum Beispiel nicht für Supermärkte oder Drogerien. Dagegen passten Mode und Schmuck ideal zu den kleinen Verkaufsräumen. „Der St. Johanner Markt und die kleinen Nebenstraßen sind zum Modemekka geworden.“ Dabei sei die Mischung am Markt aus Familienunternehmen, Filialen großer Ketten und Franchise-Unternehmern ausgewogen.

Die Mieten am Markt seien nicht generell zu hoch, sagt Schoenberg. Wenn sie steigen, dann habe das mit der Attraktivität der Einkaufsstadt Saarbrücken zu tun.

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