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Netzwerk St. Wendeler Land diskutiert über Stärken und Schwächen des Landkreises





Hasborn-Dautweiler
Blick über den Tellerrand
Netzwerk St. Wendeler Land diskutiert über Stärken und Schwächen des Landkreises

Von  Daniel Ames, 
07. Juli 2016, 02:00 Uhr
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Referenten und Akteure der Diskussionsrunde (von links): Josef Alles, Irmgard Rech, Klaus Brill, Johannes Kühn, Anne Spang, Benno Rech, Wolfgang Eifler, Manfred Peter, Birgit Lermen beim Netzwerk-Treffen. Foto: Ames Foto: Ames
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Viele Menschen aus dem Landkreis St. Wendel haben außerhalb ihrer Heimat Karriere gemacht. Das Netzwerk St. Wendeler Land der Wendelinus-Stiftung will eine Brücke schlagen zwischen Hiergebliebenen und den erfolgreichen Ausgewanderten. Beim zweiten Treffen wurde diskutiert: Ist unser Landkreis Kreisklasse oder Champions League?
Wo steht der Landkreis St. Wendel? Was sind seine Stärken? Wo muss aufgeholt werden? Diese Themen standen beim Auftakt des zweiten Treffens des Netzwerks St. Wendeler Land der Wendelinus-Stiftung auf dem Programm.

 

Rund 50 Mitglieder des Netzwerks folgten der Einladung ins Hasborner Gasthaus Huth und lauschten dort einer lyrischen Größe von internationalem Rang: Johannes Kühn las gemeinsam mit den Eheleuten Benno und Irmgard Rech zum Auftakt Gedichte in Mundart. Die aus der Gemeinde Tholey stammende Literaturwissenschaftlerin Birgit Lermen referierte über Kühn, dem sie 1984 erstmals begegnete. „Kühn sucht das Einfache und gibt dem Kleinen Weltbedeutung“, konstatierte Lermen. Kühn sei ein Enzyklopädist der Alltagswelt; jemand der fest auf dem Boden unserer Kulturlandschaft und unseres ländlichen Raums stehe.

 

Einen Bogen über fünf geschichtliche Epochen spannte Manfred Peter, Jurist und Politologe, in seinem Vortrag: Keltenzeit, Römerzeit, die Frankenepoche, die Zeit des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation sowie der Epoche der europäischen Staaten. „In all diesen Epochen hat das St. Wendeler Land seine Spuren in der Geschichte hinterlassen“, stellte Peter fest. So griff er den Ringwall bei Otzenhausen heraus oder die Bedeutung des Schaumbergs zur Römerzeit, als sich dort zwei Handelsstraßen kreuzten und im Wareswald eine moderne Siedlung entstand. Auch bedeutende historische Figuren haben ihre Spuren im heutigen Landkreis hinterlassen, wie der heilige Wendelin, Balduin und Nikolaus von Kues, „dem letzten Philosophen des Mittelalters und dem ersten Philosophen der Neuzeit.“

 

Journalist Klaus Brill stellte die Frage: Was ist unsere Rolle in der Welt? „Für das Verständnis unserer Heimat und ihrer wechselhaften Geschichte brauchen wir eine europäische Draufsicht“, so Brill. Wechselnde Herrschaft und Kriege auf verschiedenen Seiten haben die Region laut Brill geprägt.

 

„Heute ist eine klare Vorstellung der Eigenart unserer Heimat vonnöten, um nicht in einer globalisierten Welt unterzugehen.“

 

Diese habe auch vor seinem Heimatdorf Alsweiler nicht Halt gemacht und sein Gesicht verändert. „Wir sind nicht die größten in der Welt, aber das ist auch nicht nötig.“ Was den Journalisten positiv stimmt: „Die Leute sind prima – unser größtes Kapital“.

 

Anne Spang, Professorin für Biochemie und Zellbiologie an der Uni Basel setzte ihre „subjektive Brille von außen“ auf. So habe sie festgestellt, dass sich das Bild zum Positiven gewandelt habe: „Das bemerke ich, wenn ich mit Bekannten von außerhalb über das Saarland rede.“ Tolle Arbeitsmarktzahlen, der Aufschwung im Tourismus. Aber das alleine mache das St. Wendeler Land noch nicht Champions-League-reif, so die in Türkismühle Geborene. Es gelte den Leerstand zu bekämpfen, Lösungen für den demografischen Wandel zu finden und die Wirtschaft weiter anzukurbeln.

 

Großes Lob für seine alte Heimat hatte Wolfgang Eifler übrig. „Ein kleiner Landkreis leistet Widerstand gegen den wirtschaftlichen Abschwung“, stellte der Professor für Verbrennungsmotoren an der Ruhr-Universität fest. Der Landkreis St. Wendel zeige sich im Umfeld der weiteren Kreise im Saarland als hoffnungsvoller Akteur. Die Arbeit des Netzwerks habe seinen Fokus wieder verstärkt auf die alte Heimat gerückt. Eifler: „Wir sollen uns nicht mit den großen Metropolen vergleichen.“ Mit der Entwicklung im Tourismus klopfe das St. Wendeler Land aber an der Tür zur Bundesliga an.

 

In der anschließenden Diskussionsrunde rief Landrat Udo Recktenwald ins Gedächtnis: „Wir haben viel geleistet, wenn wir darauf schauen, wo wir herkommen.“ Die wirtschaftliche Struktur aus vielen Mittelständlern und einigen großen Firmen habe sich als krisenfest erwiesen. In Zukunft seien besonders weiche Faktoren wichtig, um Menschen sowie Unternehmen in den Landkreis zu locken. Wichtig sei es, so Recktenwald, die Dorfentwicklung gemeinsam mit den Kommunen voranzutreiben und den Charakter der Ortschaften zu erhalten.

 

Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt hob hervor: „Im Saarland sind wir bereits Champions League.“ Ein Schlüssel der positiven Entwicklung in einem schwierigen Umfeld sei die Einigkeit in Zukunftsfragen.

 

Zum Thema:

 

Auf einen Blick Von Hasborn ging es im Anschluss in die Globus-Koordination, wo das Innovative Retail Laboratory besichtigt wurde, ein Forschungslabor, in dem neue Produkte und Verkaufsstrategien erprobt werden. Abschließend referierte Globus-Geschäftsführer Thomas Bruch über die Geschichte der SB-Marktkette im St. Wendeler Hotel Angels am Fruchtmarkt. Im kommenden Jahr soll das dritte Treffen des Netzwerks über die Bühne gehen. Der Vorstand der Wendelinus-Stiftung Josef Alles betonte: „Unser Ziel ist es, dass Kooperationen entstehen. Das St. Wendeler Land hat viel zu bieten.“ Alles hofft, dass die Ausgezogenen Botschafter der Region werden. ame


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