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Berater des Bundesfamilienministeriums fehlt es an Transparenz bei Trierer Bistum





St. Wendel
Missbrauch: Experte fordert externe Ermittler
Berater des Bundesfamilienministeriums fehlt es an Transparenz bei Trierer Bistum

24. August 2016, 02:00 Uhr
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Stephan Ackermann
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Aufklärung bei der katholischen Kirche in puncto sexuellen Missbrauchs: Laut Opfervertretern fristet diese ein Schattendasein unter den gegebenen Bedingungen. Symbolfoto: Harald Tittel/dpa
Was haben die Nachforschungen bei den Missbrauchsvorwürfen in Freisen ergeben? Und wie setzen sich Verantwortliche dafür ein, dass es nicht zu sexuellen Übergriffen in der Kirche kommt? Ein Opferverband verlangt mehr Aufklärungswillen.
Bei den bistumsinternen Ermittlungen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen einen ehemaligen Freisener Pfarrer geht es nur schleppend voran. Das kritisieren Betroffene. Deshalb fordern Vertreter der Opferorganisation „Sexueller Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche im Bistum Trier“ (Missbit) eine von der Kirche unabhängige Aufarbeitung. Nur dann rechne Missbit damit, dass wirklich aufgeklärt werde, sagt Claudia Adams. Die Merzigerin betreibt den Missbit-Blog, eine im Internet wie ein Tagebuch geführte Seite mit Berichten und Kommentaren.

 

Bei ihrer Forderung nach einer externen Institution, die sich um Missbrauchsfälle in der Kirche kümmern soll, erhält sie Unterstützung von Thomas Schnitzler. Der Trierer arbeitet als gewähltes Mitglied des Betroffenenbeirates in ehrenamtlicher Beratungs- und Gutachterfunktion für das Bundesfamilienministerium, Bereich sexueller Missbrauch. In den ebenfalls vom Ministerium einberufenen acht Clearingstellen seien bisher 5000 Anträge auf Hilfeleistungen bearbeitet worden.

 

Jeweils vier Experten, darunter ein von Opfern entsandter, bemühten sich darin um einen Ausgleich zwischen Betroffenen und Beschuldigten. Dabei gehe es sowohl um finanzielle Wiedergutmachung als auch um Therapien insbesondere in jenen Fällen, die juristisch verjährt sind. Das trifft wohl teils auch auf Freisener Vorwürfe zu. Demnach wird ein mittlerweile in Ruhestand stehender Pastor verdächtigt, vor Jahren Kinder sexuell missbraucht zu haben (wir berichteten).

 

Schnitzlers Vorwürfe gegen die katholischen Diözesen wiegen schwer. So gehe es der Amtskirche weniger um Vorsorge. „Aufarbeitung findet nicht statt“, behauptet er. Dies hält der Berater er für „ein Strukturproblem der deutschen Bischofskonferenz“.

 

Die hatte den Trierer Bischof Stephan Ackermann zum Missbrauchsbeauftragten in der katholischen Kirche in Deutschland bestimmt. Schnitzler kritisiert diese Verfahrensweise. Er bezweifelt, dass die von Bischof Ackermann eingesetzte Untersuchungskommission eine umfassende Aufklärung über den Kindesmissbrauch in dem Verantwortungsbereich der Deutschen Bischofskonferenz erbringen wird. Darum fordert Schnitzler wie Missbit eine von den Kirchengremien losgelöste Institution, die ermittelt. Schnitzler fehlt es an Transparenz: „Wir wissen nicht, welche Ergebnisse publiziert werden.“ Zumal nicht alle Bistümer dem Missbrauchsbeauftragten Ackermann zuarbeiteten, ihre Fälle in Eigenregie klären wollten. So könne die Studie zu Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche nicht repräsentativ sein. Zudem würden Vorfälle in Orden nicht von dem kirchlichen Missbrauchsbeauftragten erfasst, ergänzt Missbit-Vertreterin Adams. Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Freisener Pfarrer hat das Trierer Bistum dem Beschuldigten verboten, Gottesdienste zu zelebrieren. Allerdings berichteten Zeugen, dass der Ruhestandspastor an seinem neuen Wohnort an der Mosel trotzdem Messen halte.

 

Dem widersprach André Uzulis, bei der Diözese in Trier für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. In einer schriftlichen Antwort ließ er wissen: „Der ehemalige Freisener Pfarrer hat dem Bistum Trier am 17. August auf Nachfrage erklärt, er habe das ihm auferlegte Zelebrationsverbot nicht gebrochen. Auch die zuständigen Pfarrer konnten nicht bestätigen, dass er zelebriert habe.“

 

Anlass für die Nachfrage beim betreffenden Geistlichen seien gleich mehrere Medienhinweise gewesen. Es habe aber wegen fehlenden Beweises keine Rüge weder gegen den Ruhestandspriester noch den amtierenden Pfarrer an der Mosel gegeben, teilt Uzulis mit.

 

Zum Thema:

 

Hintergrund Der Freisener Pfarrer ist seit Mai 2015 im Ruhestand. Gegen ihn ermittelt die Saarbrücker Staatsanwaltschaft seit Juli dieses Jahres auf Grund einer Anzeige wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger. Es geht dabei um ein mutmaßliches Opfer. Es ist mittlerweile das vierte Verfahren. Zwei von ihnen wurden wegen mangelnden Tatnachweises 2013 und 2015 eingestellt, das von 2006 wegen Verjährung. Während die staatliche Instanz Verjährung kennt, sieht Kirchenrecht dies nicht vor. Das Bistum untersagte dem Ruhestandspriester, bis zum Ende der Untersuchungen Gottesdienste zu feiern. Außerdem ist ihm der Kontakt zu Kindern und Jugendlichen untersagt. hgn



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