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Stadt und Polizei sind aufmerksam – Konzept für den neuntägigen Weihnachtsmarkt





St Wendel
Mit Sicherheit die Stimmung genießen
Stadt und Polizei sind aufmerksam – Konzept für den neuntägigen Weihnachtsmarkt

01. Dezember 2016, 02:00 Uhr
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Martin Walter

Der Duft von Zimt in der Nase, dichtes Gedränge in den Gassen: Samstag beginnt der neuntägige St. Wendeler Weihnachtsmarkt. Damit die Besucher unbekümmert die Atmosphäre genießen können, gibt es ein Sicherheitskonzept. Was das beinhaltet, erläutern Vertreter von Stadt und Polizei im SZ-Gespräch.

Mit bis zu 200 000 Besuchern rechnet Bürgermeister Peter Klär während des St. Wendeler Weihnachtsmarktes vom 3. bis 11. Dezember. Diese Zahl ergebe sich aus Erfahrungen vergangener Jahre und bereits gebuchter Gruppenreisen mit dem Bus. „Es ist ein Qualitätsmarkt, bei dem es nicht nur ums Glühweintrinken, sondern ums Erleben geht“, sagt Klär. Zusätzlich zu rund 140 geschmückten Holzbuden wird täglich Programm geboten: So zieht eine Karawane mit Kamelen und den drei Königen durch die Gassen, wird die Weihnachtsgeschichte aufgeführt, ein Feuerspektakel gezündet.

Damit die Menschen den Markt und seine Attraktionen sorglos genießen können, gibt es ein Sicherheitskonzept. Das ist Pflicht für jede Veranstaltung, bei der mehr als 5000 Besucher erwartet werden, erklärt Thomas Vogt, Chef des städtischen Ordnungsamtes, beim Redaktionsgespräch. Nicht jüngste Terrorangst war die Motivation, mit Experten das Thema Sicherheit zu überdenken. Vogt nennt ein anderes einschneidendes Ereignis: „Nach der Love-Parade in Duisburg wurde einem bewusst, wie wichtig eine solche Konzeption ist.“ 2010 war es während der Veranstaltung dort zu einer Massenpanik gekommen, bei der 21 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden.

Besucher im Fall der Fälle schnell evakuieren und versorgen zu können – das sind zwei Aspekte, mit denen sich die Verantwortlichen im Vorfeld von Großveranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt beschäftigen. „Zunächst wird das Gefahrenpotenzial analysiert“, erklärt Vogt. Faktoren wie der Veranstaltungsort und die zu erwartenden Besuchergruppen spielen hierbei eine Rolle. Geht es um eine Veranstaltung unter freiem Himmel, müssen Witterung und Gefahren durch Starkregen, Gewitter oder Hagel bedacht werden. So wird schließlich ein Konzept erstellt, das nicht nur den Veranstalter, sondern auch Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und private Sicherheitsfirmen einbezieht.

Sollte ein Großschadensfall – wie es im Expertenjargon heißt – eintreten, wird ein Krisenstab, bestehend aus acht bis neun Personen, aktiv. Dieses Gremium besteht aus Thomas Vogt selbst, dem St. Wendeler Bürgermeister, Mitarbeitern des Stadtmarketings sowie Vertretern von Polizei, Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz und Sicherheitsdienst. „Diese Personen halten sich während des Marktes zur Verfügung“, sagt Ordnungsamt-Chef Vogt.

Ein wichtiger Partner im Sicherheitskonzept der Stadt ist die Polizei. Doch deren Aufgabe geht darüber hinaus. „Denn es gibt auch ein polizeiliches Konzept“, erläutert Martin Walter, Chef der St. Wendeler Polizei. Seit 2015 sind drei Ebenen definiert. „Die Ebene eins steht für den alltäglichen Marktverlauf“, so Walter. Mit Kontaktpolizist Karl-Heinz Fischer seien zwei Streifenteams unterwegs, um an den drei Hauptbereichen – Mott, Schlossplatz und Fruchtmarkt – Präsenz zu zeigen. Erfahrungsgemäß zieht es besonders viele Besucher an den beiden Markt-Wochenenden in die Kreisstadt – das ist Ebene zwei des Konzepts. Das erste Wochenende sei in der Regel auch für Amerikaner interessant, weiß der Polizei-Chef aus Erfahrung. „Daher werden an diesen beiden Tagen auch drei US-Militärpolizisten mit auf Streife gehen.“ Aktuell hat das US-Außenministerium seine Bürger wegen einer erhöhten Terrorgefahr zu besonderer Vorsicht bei Reisen nach Europa in der Weihnachtszeit aufgerufen. Dies gelte vor allem für Märkte unter freiem Himmel. Auf Nachfrage bei der US-Militärgemeinde in Baumholder erklärte deren Sprecher Bernd Mai, dass es eine generelle Anweisung zu erhöhter Aufmerksamkeit bei größeren Veranstaltungen gebe. Ein Weihnachtsmarkt-Verbot sei aber nicht ausgesprochen worden. Und so hofft Walter, dass wie gewohnt US-Bürger beim St. Wendeler Markt vorbeischauen. Im Gegensatz zu den Amerikanern zieht es Besucher aus den Bene-lux-Staaten sowie aus Frankreich verstärkt am Wochenende vom 11. und 12. Dezember nach St. Wendel. Dann wird die Polizei von Kollegen aus Frankreich und Luxemburg unterstützt. Ebene drei ist die Vorbereitung auf den Ernstfall.

Damit dann schnelle Hilfe möglich ist, sind nicht nur Pläne erarbeitet, sondern auch an speziellen Punkten in der Stadt Feuerlöscher und Megafone hinterlegt worden. Denn Kommunikation ist wichtig, um die Menschen gezielt evakuieren und leiten zu können. Um das Leiten der Besucher geht es auch bei den zwei auf ein Meter großen Übersichtstafeln, die 2015 erstmals aufgestellt wurden. Sie zeigen alle Fluchtwege auf, sind beispielsweise auf dem Schlossplatz und auf der Mott positioniert. Doch nicht nur die Frage, wie komme ich schnell weg, hat Vogt beim Erstellen der Tafeln beschäftigt. „Sie bieten auch Orientierung, wo es Sammelpunkte gibt.“ Als zentrale Stelle gilt der Stadtpark.

Bei all diesen Überlegungen wurden die Verantwortlichen nicht nur von dem Wort Terror geleitet. Sie haben vor allem weihnachtsmarkttypische Gefahrenquellen im Blick. Polizeichef Walter erinnert an die Explosion einer Gasflasche 2014 auf dem Trierer Weihnachtsmarkt. In St. Wendel sind alle Hütten, in denen mit Gasflaschen gearbeitet wird, markiert. Außerdem seien die Standbetreiber verpflichtet, Löschmittel dabei zu haben. „Über Nacht müssen die Gasflaschen aus den Ständen entfernt werden“, zählt Vogt eine weitere Regel auf. Denn Brandschutz sei ein ganz wichtiges Thema. Neben der Polizei seien auch Feuerwehrleute auf dem Markt unterwegs.

Zwischen weihnachtlichem Lichterglanz und stimmungsvollen Feuerstellen auf der Mott für Sicherheit zu sorgen, ohne die Atmosphäre zu beeinflussen, da ist, so deutet es Walter an, auch Fingerspitzengefühl gefragt. „Wir wollen Präsenz zeigen – aber nicht zu viel und nicht zu wenig. Denn ein Zuviel könnte die Besucher beunruhigen. Ein Zuwenig wäre unverantwortlich.“ Und so ziehen alle mit dem gemeinsamen Konzept an einem Strang, „damit wir eine friedliche Veranstaltung über die Bühne bringen.“ > : weiterer Bericht

St. Wendeler Weihnachtsmarkt samt Mittelaltermarkt vom 3. bis 11. Dezember. Geöffnet ist Freitag, Samstag und Sonntag, jeweils von 11 bis 21 Uhr, Montag bis Donnerstag, jeweils von 11 bis 20 Uhr.

Zum Thema:

Auf einen Blick Wenig Kriminalität – das bescheinigt Polizeihauptkommissar Albert Feidt dem St. Wendeler Weihnachtsmarkt. Die Statistik verzeichnet für 2014 einen Diebstahl und Falschgeld sowie für 2015 einen nächtlichen Einbruch in einen der Stände. Feidt wertet die geringe Zahl an Delikten als Erfolg der polizeilichen Präventionsarbeit. Es sind sowohl Kollegen in Uniform als auch in zivil auf dem Markt unterwegs. Da Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen, spannend für Taschendiebe sind, hat die St. Wendeler Polizei einige Tipps für Besucher parat. „Am besten nur so viel Bargeld mitnehmen, wie benötigt wird“, sagt Feidt. Und nicht offen zeigen, wie viele Geldscheine sich im Portemonnaie befinden. Hand- und Umhängetasche sollten verschlossen und nahe am Körper getragen werden. Auf Nummer sicher gehen ist auch Feidts Tipp fürs Auto. Dort sollten keine Wertgegenstände sichtbar liegen gelassen werden. evy



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