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Chefin: Mehr Notleidende als Waren – An die 1000 Menschen zurzeit unversorgt





St Wendel
Warteliste bei St. Wendeler Tafel
Chefin: Mehr Notleidende als Waren – An die 1000 Menschen zurzeit unversorgt

29. November 2016, 02:00 Uhr
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Viele Menschen im St. Wendeler Land erhalten wie auf diesem Symbolbild kostenlos Lebensmittel von der Tafel, um über die Runden zu kommen. Aber die Mitarbeiter müssen immer wieder Hilfsbedürftige vertrösten, weil die Ware nicht ausreicht. Foto: Stefan Schaubitzer/dpa Foto: Stefan Schaubitzer/dpa
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Die Tafel ist Anlaufstelle für viele, die sich es nicht leisten können, regelmäßig Lebensmittel zu kaufen. ArchivFoto: hgn

Foto: hgn
Die Zahl derer, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind, ist im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Neben Rentnern bitten insbesondere Flüchtlinge um Almosen, die unter anderem von Unternehmen bereitgestellt werden.

Die Lage scheint angespannt: Denn bei den Helfern der St. Wendeler Tafel melden sich mehr Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, als jene momentan versorgen können. „Die Lage hat sich vergangenes Jahr durch die Flüchtlingssituation zugespitzt“, erklärt Tafel-Chefin Christina Müller. Deren Zustrom habe die Situation verschärft. Ja, es gebe Engpässe, um Notleidende mit genug Lebensmittel zu versorgen. Müller: „Wir können nicht alle aufnehmen.“

Der Kreis derer, die sich aus eigener Kraft nicht ausreichend versorgen können, sei groß. So kümmere sich die karitative Einrichtung zurzeit um 400 Haushalte. „Damit versorgen wir zwischen 1300 und 1400 Bedürftige“, berichtet Müller. Sie ist seit Jahresanfang hauptamtlich für die St. Wendeler Tafel verantwortlich. Die Menschen pilgerten aus dem gesamten Landkreis St. Wendel in die Stadt, um sich ihre Ration an Lebensmittelvorräten zu sichern. Die meisten von ihnen stammten aber aus dem direkten Umkreis der Kreisstadt.

Auch schmalere Rationen

Mit den Spenden erreiche Müller mit ihren Kollegen aber längst nicht alle, die eigentlich auf Spenden angewiesen sind. Sie schätzt die Zahl derer, die auf der Warteliste stehen, auf bis zu 1000 Menschen.

Grund für die Diskrepanz: Die Bedürftigenzahl stieg, nicht aber im gleichen Maß das Aufkommen an Spenden, die im überwiegenden Maße von Unternehmen stammten. Um trotzdem möglichst viele zu versorgen, seien die Rationen pro Person auch schon mal schmaler ausgefallen. „Aber immer so hoch, dass es sich lohnt, anzustehen, um die nächsten Tage über die Runden zu kommen“, ergänzt Christina Müller.

Wie aber wird entschieden, wer etwas von den Spenden bekommt und wer leer ausgeht? Anfangs habe der Caritas-Verband Schaumberg-Blies mit Zentralsitz in Neunkirchen als Betreiber der Tafel nach Reihenfolge der Anmeldungen die Bittsteller berücksichtigt. Mittlerweile seien die Mitarbeiter aber dazu übergegangen, das Los entscheiden zu lassen.

Der Andrang sei gewaltig. Und dabei seien es nicht nur die aktuell etwa 2000 Asylsuchenden, die auf Unterstützung angewiesen sind. „Die Anzahl an Rentnern hat zugenommen.“ Darunter seien viele Frauen, die nur eine geringe staatliche Altersversorgung kassierten, weil sie selbst nicht berufstätig waren. Zunehmend registriere die Tafel-Leiterin aber auch Männer, deren Firmen schlossen, sie deswegen früher aus dem Berufsleben ausschieden und deren Rente daher zu schmal sei.

Sicherlich falle es niemandem leicht, den Schritt zur Tafel zu wagen, sich einzugestehen, es aus eigener Kraft nicht zu schaffen, weiß Müller aus ihrer Erfahrung zu berichten. Insbesondere wer ein Leben lang gearbeitet habe und plötzlich aus finanziellen Gründen hilfsbedürftig werde, hadere mit seinem Schicksal.

Die Caritas ermittle zurzeit, welche gesellschaftlichen Gruppen und aus welchen Schichten die meisten Antragsteller stammen. „Wir überarbeiten momentan die Listen. Ein Ergebnis soll frühestens Mitte Dezember vorliegen“, kündigt Müller an.

Und wie reagieren jene Menschen, die im Augenblick nicht zum Kreis derer gehören, die von der Tafel profitieren? Es komme schon vor, dass Tafelbesucher abgewiesen werden. Einige reagierten mit Unverständnis, warum ihr Nachbar etwas erhält, sie selbst indes nicht. Solche Konflikte kämen besonders ans Tageslicht, wenn es um Flüchtlinge geht, die gemeinsam in einem Haus wohnen. Aber Anfeindungen gegenüber den Kollegen seien selten. Müller versichert mit der nicht ganz ernst gemeinten Äußerung: „Morddrohungen haben wir deswegen auch noch nicht erhalten.“

Zum Thema:

Auf einen Blick Ausgabezeiten bei der St. Wendeler Tafel in der Kelsweiler Straße 15: mittwochs, donnerstags und freitags zwischen 12.30 und 14 Uhr. Bis zu 25 Mitarbeiter sind für die Einrichtung zurzeit tätig, elf davon als feste Kollegen, die übrigen ehrenamtlich. Kontakt für Neuaufnahmen: Tel. (0 68 51) 93 56 0. Ansprechpartnerin: Tafel-Chefin Christina Müller. Träger ist der Caritasverband Schaumberg-Blies in Neunkirchen/Saar. Eine Außenstelle betreibt er in St. Wendel. Caritasdirektor: Michael Schütz, Tel. (0 68 21) 92 09 12. hgn



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