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Im SZ-Interview spricht Antonio Krüger über den Supermarkt der Zukunft



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St. Wendel
Der Markt lebt von den Mitarbeitern
Im SZ-Interview spricht Antonio Krüger über den Supermarkt der Zukunft

evy,  26. Januar 2015, 00:00 Uhr
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Unterwegs mit einem Einkaufswagen, der die Waren automatisch einscannt, so dass später der Einkauf direkt am Wagen bezahlt werden kann – eine mögliche Neuerung in der Zukunft. Das Innovative Retail Laboratory in St. Wendel sieht wie ein Supermarkt aus.Fotos: Patrick Gebhard, DFKI
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Antonio Krüger
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Genaue Angaben zum Produkt auf einem Monitor – Technik, die Kunden und Mitarbeitern in der Zukunft hilfreich sein könnte.
Wie sieht die Einkaufswelt von morgen aus? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Innovative Retail Laboratory (IRL) in St. Wendel. Technische Neuerungen sollen den Kunden künftig mit mehr Informationen versorgen. SZ-Redakteurin Evelyn Schneider sprach mit Antonio Krüger, wissenschaftlicher Direktor des IRL, über den Wandel im Handel und die Herausforderungen für die Lebensmittelbranche, um konkurrenzfähig gegenüber dem Online-Einkauf zu sein.
 
Herr Krüger, wo kaufen Sie am liebsten ein? Im Laden um die Ecke oder online?

Antonio Krüger: Bücher und Elektroartikel kaufe ich online, Lebensmittel eher selten. Da gehe ich in den Laden – auch wegen des Erlebnischarakters.

Wie würden Sie den Handel in Deutschland beschreiben? Innovativ oder altmodisch?

Krüger: Wir hinken in Deutschland hinterher, was auch eine Frage der Mentalität ist. Wenn Innovationen eingeführt werden, herrscht erstmal Skepsis gegenüber der neuen Technik. Wir sind da eher konservativ, obwohl Deutschland gleichzeitig das Land der Erfinder und Forscher ist. Doch im direkten Kundenkontakt herrscht meist Zurückhaltung. Das lässt sich am Beispiel des Autos gut erklären: Im Cockpit geht es eher konservativ zu, aber unter der Motorhaube versteckt sich innovative Technik.

Wie sieht es im Lebensmittelbereich aus?

Krüger: Dieser ist vom Preisdruck geprägt. Der Discounter wurde quasi in Deutschland erfunden. Selbst Märkte, die auf frische Ware Wert legen, haben auch billige Produkte im Angebot. Ein bis zwei Prozent beträgt die Gewinnspanne im Lebensmitteleinzelhandel. Trotz dieses geringen Spielraums ist aufgrund der Online-Konkurrenz die Erkenntnis da, dass etwas gemacht werden muss. Die Supermärkte haben die Logistik heutzutage komplett auf den Kunden abgewälzt. Während früher beim Tante-Emma-Laden noch Einkäufe geliefert wurden, ist der Transport jetzt Sache des Kunden. Hier gibt es erste Schritte, dass Kunden online Produkte bestellen und an einer Abholstation abholen können. So wird dem Kunden zumindest das Einpacken erspart. Die Konzepte werden bislang nur zurückhaltend angenommen. Es gilt, eine interessante Schnittstelle zwischen online und offline für den Konsumenten zu schaffen. Auch mit Blick darauf, dass Amazon bald auch in Deutschland Lebensmittel liefert.

Wie kann der stationäre Lebensmittelhandel konkurrenzfähig bleiben?

Krüger: Immer mehr Menschen leiden unter Lebensmittelunverträglichkeiten. Diesen, das Gefühl geben, sie ernst zu nehmen, ist wichtig. Ebenso sind regionale Produkte von großer Bedeutung. Ich glaube, so hat der Lebensmittelmarkt eine gute Chance, sich zu differenzieren.

Sie erforschen mit Ihrem Team in St. Wendel den „Supermarkt der Zukunft“. Wie wird ein Einkauf in zehn Jahren aussehen?

Krüger: In fünf bis zehn Jahren werden wir immer noch im stationären Laden einkaufen. Und dieser wird noch immer eine wichtigere Rolle spielen als Online-Shops. Denn Märkte sind Kommunikationsplätze. Auch wird es Initiativen geben, dass Händler konkret an die Kunden herantreten. Denn wenn das Angebot gut ist, bleiben die Leute dem Supermarkt treu. Darauf muss man aufbauen. Außerdem soll es eine Verzahnung geben zwischen dem Lebensmittelmarkt und dem eigenen Online-Angebot. Es darf keine Konkurrenzsituation im eigenen Haus entstehen.

Welche technischen Neuerungen können Sie sich vorstellen?

Krüger: Es werden Produktinformationen zum gezielten Abruf gefragt sein. Ich kann mir eine personalisierte Lebensmittelampel vorstellen, die Alarm gibt, wenn ein Produkt nicht zu meinem Anforderungsprofil passt. Ich glaube nicht an die Selbstbedienungskassen. Was kommen wird, sind Konzepte, gleich am Einkaufswagen zu bezahlen. Das heißt, Produkte, die ich in den Wagen lege, werden automatisch erfasst und am Ende mit der Karte am Wagen bezahlt.

Viel neue Technik im Supermarkt der Zukunft. Steht das nicht in Konflikt mit dem demografischen Wandel, von dem jeder spricht? Finden sich ältere Menschen dann noch beim Einkauf zurecht?

Krüger: Die Leute denken immer, ältere Menschen sind nicht innovationsfreudig. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn Innovationen angeboten werden, die alte Menschen in ihrem Alltag helfen und unterstützen, werden diese gern angenommen. Neue Techniken dürfen keine Barrieren auf-, sondern abbauen. So ist zum Beispiel ein Smartphone an sich kein Problem für ältere Menschen. Nur die Handhabung ist ein Problem – zu kleine Schrift, zu kleine Tasten.

Und wie steht es um die Arbeitsplätze, wenn so viel moderne Technik im Spiel ist? Wird im Supermarkt der Zukunft der Verkäufer und Kassierer überflüssig?

Krüger: Informatiker automatisieren – das ist deren Aufgabe. Und so fallen bestimmte Tätigkeiten weg. Nehmen wir mal die Kassiererin von früher: Die musste nicht nur schnell die Preise in die Kasse tippen, sondern auch diese im Kopf haben. Heute wird das Produkt nur noch über den Scanner gezogen. Sollten sich die Selbstbedienungskassen durchsetzen, werden Kassierer nicht mehr gebraucht. Aber deshalb wird es nicht weniger Verkäufer geben. Im Gegenteil. Der soziale Kontakt ist wichtig, ein Markt lebt von den Mitarbeitern. Allerdings wird sich deren Berufsbild ändern – weniger Logistik und mehr Kundenansprache.

Wie wird der Wandel im Handel weitergehen?

Krüger: Hinter den Kulissen wird Technik eine große Rolle spielen. Da ist noch einiges zu tun. Wichtig wird der Erlebnischarakter beim Einkauf, die individuelle Kundenansprache und das Vertrauen in den Markt. Der kluge Einzelhändler wird das aufgreifen, und wir helfen mit entsprechender Technik.

 

Zum Thema:

Zur PersonAntonio Krüger studierte Informatik an der Universität des Saarlandes und promovierte dort 1999. In der Folge arbeitete er als leitender Wissenschaftler bei einem Sonderforschungsprojekt an der Universität des Saarlandes und am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Von 2004 bis 2009 war Krüger unter anderem als Professor für Informatik und Geoinformatik an der Universität Münster tätig. Seit 2009 ist er Wissenschaftlicher Direktor des Innovative Retail Laboratorys (IRL) in St. Wendel. Das Forschungslabor des DFKI ist in der Zentrale der Globus-SB-Warenhaus Holding untergebracht und wie ein Supermarkt eingerichtet. Die Mitarbeiter beschäftigen sich dort mit dem Einzelhandel der Zukunft. evy
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