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Wer ist der Vater?





Wer ist der Vater?
Von SZ-Mitarbeiter Lukas Kowol,  14. Mai 2012, 00:04 Uhr
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Das Standbild der schwangeren Helena Demuth, das an der St. Wendeler Stadtmauer aufgestellt ist. Fotos (2): Stadt

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Der Blick über die Schulter fällt auf ein Bildnis von Karl Marx, das Lenchen in der Hand hält.
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Kurt Tassotti
St. Wendel. Der deutsche Historiker Heinrich von Treitschke (1834 - 1896) sagte: "Große Männer machen Geschichte." Oft stehen hinter ihnen einflussreiche Frauen. Eine davon ist die 1820 in St. Wendel geborene Helena "Lenchen" Demuth


 
St. Wendel. Der deutsche Historiker Heinrich von Treitschke (1834 - 1896) sagte: "Große Männer machen Geschichte." Oft stehen hinter ihnen einflussreiche Frauen. Eine davon ist die 1820 in St. Wendel geborene Helena "Lenchen" Demuth. Sie war die Haushälterin der Familie Karl Marx, inspirierende Gesprächspartnerin und möglicherweise Geliebte des Trierer Gesellschaftstheoretikers. Ein Denkmal, das Demuth darstellt, steht jetzt an der St. Wendeler Stadtmauer. Bürgermeister Klaus Bouillon und der Künstler Kurt Tassotti enthüllten gemeinsam das Standbild.

"Sie war eine Frau, die wir heute emanzipiert nennen würden, und verfügte über eine hohe politische Kompetenz. Ich habe sie so erschaffen, wie ich sie mir vorstelle. Zu ihrem emanzipierten Wesen gehörte auch der Mutterwunsch", sagte der aus Österreich stammende Künstler. Denn das ist das Besondere an seinem Werk: Demuth ist schwanger dargestellt. Sie blickt auf ein Bild, das sie in der Hand hält. Darauf: Karl Marx. Es sei der Wunsch Tassottis, dass der Betrachter Demuth über die Schulter blicke, um das Bild zu erkennen.

"Es ist historisch nicht gesichert, dass Marx der Vater ihres Kindes gewesen ist. Es gibt nur Vermutungen", erklärte Cornelieke Lagerwaard vom St. Wendeler Stadtmuseum. Sicher sei, dass die gebürtige St. Wendelerin 38 Jahre bei der Familie Marx Haushälterin war. Doch war sie mehr als das. Lagerwaard: "Sie spielte mit Marx Schach und gewann oft. Außerdem führte sie lange Gespräche mit ihm und half, seine Ideen zu verbreiten."

Nachdem Demuth 1845 zur Familie Marx nach Brüssel gekommen war, blieb sie bei ihnen bis zum Tod des Philosophen 1883. Sie folgte der Familie nach Paris, Köln und ins Exil nach London. "Ich glaube, sie hat im Kopf nicht mehr trennen können, wo die Familie Marx aufhört und ihre eigene beginnt", veranschaulichte Lagerwaard.

Ständig gemeinsam, intensive Gespräche, intellektueller Austausch - vielleicht entzündete sich daran ein Funke der Leidenschaft. Denn 1851 gebar Demuth einen Sohn, Harry Frederick Demuth. Den Namen des Vaters gab sie nie preis. Marx käme in Frage, Beweise gibt es keine, auch, weil der sowjetische Diktator Stalin 1934 alle Dokumente der Forschung entzog. Der Grund: Kein Schatten sollte auf die Lichtgestalt des Kommunismus fallen.

Daher bleiben nur Spekulationen. Demuth zog nach dem Tod von Karl Marx zu Friedrich Engels, der mit Marx die marxistischen Theorien entwickelte. 1890 erkrankte sie an Krebs und starb am 4. November in London. Beigesetzt wurde sie im Familiengrab der Familie Marx. Bis 2011 erinnerte die St. Wendeler Helene-Demuth-Schule an die Tochter der Stadt. Die Bildungsstätte wurde aber mit der Buchwaldschule in Mosberg-Richweiler zur Bliestalschule in Oberthal zusammengelegt. Nun also macht eine Statue, in der Nähe ihres Geburtshauses, auf Lenchen Demuth aufmerksam.

Foto: B&K

Auf einen Blick

30 000 Euro hat das Bronzedenkmal von Helena "Lenchen" Demuth gekostet. Es ist die mittlerweile dritte von dem Künstler Kurt Tassotti gestaltete Plastik, die an bedeutende St. Wendeler oder Personen, die die Stadt prägten, erinnern soll.

Seit 2009 steht der Heilige Wendelin in der Mott. Auch die Stammmutter des englischen Herrschergeschlechts der Windsors, Herzogin Luise, lebte eine Zeit lang in St. Wendel und steht seit 2011 in Bronze vor dem Rathaus.

St. Wendels Bürgermeister Klaus Bouillon verriet bereits, wer als Nächstes an der Reihe ist: Nikolaus von Kues (1401-1464), latinisiert Cusanus, ein bedeutender Kirchenpolitiker und Gelehrter, der St. Wendel als Pfründe besaß. Ab dem nächsten Jahr soll eine Statue an ihn erinnern. lk



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