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„Die Kirche macht die Sozialarbeit“

Warum die Unterstützung aus Deutschland für indische Hilfsprojekte so wichtig ist


Von SZ-RedakteurVolker Fuchs, 18.05.2013 00:00
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Die Indienhilfe des Jochen-Rausch-Zentrums hat den Ausbau und die Erweiterung der St.-Josephs-Highschool in Duraikudieruppu unterstützt, die diese Schülerinnen besuchen. Foto: Scharf Foto: Scharf
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Peter Adams und Professor Anandam, von links, bei ihrem Besuch in der St. Wendeler Lokalredaktion. Foto: Schneider Foto: Schneider
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Anandam im Januar dieses Jahres in seinem Büro im Priesterseminar von Madurai. Foto: Scharf Foto: Scharf
Der indische Priester Anandam hält seit Jahren engen Kontakt zu seinen Freunden im St. Wendeler Land. Bei seinem jüngsten Deutschlandbesuch war der Leiter eines Priesterseminares auch zu Gast in der St. Wendeler Lokalredaktion. Anandam berichtete über die Situation der Christen in Indien und erklärte, warum die Unterstützung für Hilfsprojekte nach wie vor so wichtig ist.
1,2 Milliarden Menschen leben in Indien, nach China ist es das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde. Die Wirtschaft wächst seit Jahren. Ob Computer-Experten oder hochmoderne Einkaufsmeilen in den Großstädten, in vielen Bereichen ist Indien kein Entwicklungsland mehr. Oder doch?

„40 Prozent der Menschen in Indien leben unterhalb der Armutsgrenze.“ Das sagt Professor Anandam Lourdu, Leiter eines katholischen Priesterseminares in Madurai im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. „Indien wird langsam ein reiches Land“, beschreibt er die aufstrebende Wirtschaftsmacht. „Aber es gibt gleichzeitig immer mehr Arme. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist unvermeidbar. Die Slums in den Großstädten werden größer, viele Arme leben aber auch auf dem Land.“

Und deshalb ist die Unterstützung aus Deutschland für verschiedene Hilfsprojekte in Indien für ihn nach wie vor wichtig und unerlässlich. Unterstützung, wie sie zum Beispiel im Landkreis St. Wendel die Indienhilfe des Jochen-Rausch-Zentrums, die Pfarreiengemeinschaft Oberthal und die Indienhilfe Obere Nahe leisten.

Im Redaktionsgespräch in der St. Wendeler Lokalredaktion berichtet Anandam auf Deutsch über das Leben der Christen in Indien. Die Verbindung zu St. Wendel geht auf Peter Adams zurück, den Projektleiter Indienhilfe des Jochen-Rausch-Zentrums. Kennengelernt haben sich die beiden 1990 in Freiburg. Dort hielt sich der indische Priester bis 1994 knapp sechs Jahre auf, machte seinen Doktor in Systematischer Theologie. „Ich war der erste Priester aus Tamil Nadu, der seine Promotion in Deutschland gemacht hat“, erzählt Anandam.

Zurzeit ist der 54-Jährige Leiter des Priesterseminares St. Peter in Madurai. Allein im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu unterhält die katholische Kirche fünf Priesterseminare. Einen Mangel an Priestern gibt es dort nicht. Zuvor war Anandam Sprecher der Bischöfe von Tamil Nadu und sieben Jahre lang Chefredakteur einer katholischen Kirchenzeitschrift.

Die Kontakte mit Peter Adams, dem Oberthaler CDU-Landtagsabgeordneten Hermann Scharf sowie dem ehemaligen Oberthaler Pastor Klaus-Peter Kohler halten seit Jahren. Sind diese in Indien, ist Anandam in Deutschland wie vor wenigen Tagen, gehören die Besuche zum festen Reiseprogramm.

2,3 Prozent der Inder sind Christen, in Tamil Nadu sind es sechs Prozent. Ihre Zahl bleibt laut Anandam in etwa gleich.

In den vergangenen Jahren kümmere sich der Staat verstärkt um die Armen und will mehr Gerechtigkeit schaffen. Das reiche aber nicht. In den Bereichen Erziehung, Medizin und Sozialarbeit ist die katholische Kirche stark engagiert. „Die Kirche macht die Sozialarbeit“, so Anandam. So habe jede Diözese in Tamil Nadu einen Caritasverband. Der leiste Hilfe zur Selbsthilfe. Besonders wichtig sei nach wie vor die Unterstützung bei der Schulbildung und Ausbildung: „Wir müssen die Menschen fähig machen, selbst zu arbeiten. Aber gleichzeitig auch den Armen und Kranken zu helfen.“ Anandam: „Da sehe ich die Rolle der Hilfswerke auch aus dem Saarland. Ihr helft, weil die eigenen Mittel und Kräfte nicht ausreichen.“ Er habe gesehen, was zum Beispiel die Hilfe des Jochen-Rausch-Zentrums mit der Unterstützung zweier Kinderheime ermögliche. Der Priester: „Diese Hilfe, die uns erreicht, gibt das Leben zu den Kindern der ärmsten Familien.“

Die Religiosität spielt im Alltag der Christen in Indien eine deutlich größere Rolle als in Deutschland, meint Anandam, auf den Vergleich angesprochen: „Für uns ist Kirche nicht nur ein Ort der Anbetung, sondern auch ein Ort der Aktivität und des Treffens.“ Deshalb würden in seiner Heimat immer wieder neue Gotteshäuser gebaut. Anandam: „Jeden Tag gibt es Gottesdienste und die Kirche ist voll. Sonntags stehen die Menschen sogar draußen.“

Der Seelsorger hofft auf weitere Unterstützung für die Hilfsprojekte in Indien: „Wir leben durch den Austausch und die Partnerschaft. Wir sind alle Weltkirche.“

Zum Thema:

HintergrundDer Apostel Thomas hat nach der Überlieferung den christlichen Glauben 46 nach Christus nach Indien gebracht. Er wurde von Einheimischen mit einem Speer getötet. Sein Grab wird in der Basilika von Chennai in Südindien verehrt. Seit dem vierten Jahrhundert lebten im Süden Indiens die sogenannten Thomas-Christen. Ursprünglich ging man davon aus, dass es sich um Nachfahren der Christianisierung durch den Apostel Thomas handelte. Laut Anandam liegt der Ursprung der Thomas-Christen jedoch in Syrien. Vor allem portugiesische Missionare brachten im 15. Jahrhundert den christlichen Glauben nach Südindien. Besonders verehrt wird unter ihnen der heilige Franz Xavier. Anandam hat gerade ein 400 Seiten starkes Buch über die Geschichte des Christentums in Indien geschrieben. vf
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