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Bäckerei und Bürgerhof, eine Institution in Wadgassen



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Wadgassen
Bäcker Barbrakes Bären und ein Bananendampfer
Bäckerei und Bürgerhof, eine Institution in Wadgassen

27. Februar 2016, 02:00 Uhr
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Bäckermeister Helmut Barbrake mahlt das Korn von einem Wadgasser Bauernhof für eines seiner Spezialbrote selbst. Foto: Hartmann Jenal Foto: Hartmann Jenal
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Was einen Ort ausmacht, das erlebt man nur von innen, das sind nicht hübsche oder weniger hübsche Fassaden. Was sich dahinter abspielt, die Menschen dort, das ist der Ort. Einer in Wadgassen zum Beispiel: Helmut Barbrake. Ein Bäcker, in Wahrheit aber viel mehr.


 
Morgens um fünf verlassen die letzten Gäste den Bürgerhof, oder einfach „bei Carmen“, in Wadgassen. Manche nehmen ein Baguette mit, oder Brötchen. Die Bäckerei Barbarke direkt nebenan öffnet werktags schon um fünf. Bäckerei und Bürgerhof gehören zusammen. Immer schon. „Oh, genau weiß ich das nicht, aber Bäckerei und Wirtshaus sind hier sicher schon vor 1900 gewesen“, sagt Helmut Barbrake. Er ist der Senior von Bäckerei und Wirtshaus.

Und so sitzen im Bürgerhof seit wenigstens 120 Jahren Wadgasser, trinken ihr Bierchen und erzählen sich Geschichten. Die zum Beispiel, wie Barbrake 1986 eine Wette gegen den Schornsteinfegermeister verlor. Der behauptete, binnen einer Stunde drei echte Bären an die Theke der Kneipe zu kriegen und schaffte das auch. Die drei Bären brachte er von einen nahebei campierenden Zirkus.

Der Bürgerhof ist heute eine Institution in Wadgassen. Barbrakes Vater kaufte die beiden Gebäude 1938. Auf ihn folgte als Bäckermeister Helmut Barbrake, jetzt führt Neffe Christian das Geschäft. Videos zeigen auf einem Bildschirm im Laden täglich neu, wie die kleine Belegschaft in der Backstube arbeitet. „Wir waren es leid, dass die Leute dauernd fragten, ob wir wirklich noch von Hand arbeiten und backen wie früher. Hier sieht man es.“

Sauerteig spielt eine große Rolle, vor allem bei den Spezialbroten. Sofort ausverkauft, sagt Barbrake, sei das Wadgasser Klosterbrot, 60 Stück, einmal die Woche. Das Korn kommt von einem Bauern der Gemeinde, Barbrake mahlt es selbst. Er setzt Biertreber zu, die beim Brauen des Wadgasser Klosterbräus in der Brauerei Bruch abfallen.

Zwei mal 1,50 Meter misst der Zopf, den Barbrake der Karnevalsgesellschaft Glasspatzen jedes Jahr spendiert, das passt gerade so in den Backofen. Die Glasspatzen machten ihn 2014 zum Ehrensenator. Feuerwehrmann ist Barbrake („früher waren wir eine Handwerker-Feuerwehr, das gibt es nicht mehr“), er kocht mit Freunden und fährt im Verein mit anderen pinkfarbene Schwalbe-Mopeds.

Barbrakes Leben ist mit dem Ort verzahnt. Geboren wurde er 1947 im Obergeschoss des Wirtshauses. Seine Mutter stand noch mit 80 im Laden. Nach dem Krieg habe sie Manchem illegal Backwaren zugesteckt gegen den Hunger, das habe man bis heute nicht vergessen, sagt Barbrake anerkennend über die Wadgasser.

1967 heuerte er auf einem Bananendampfer an, erzählt er im Bürgerhof, als „Kochmaat/Bäcker“. Die Perseus fuhr nach Ecuador. Ein Freund, ein Metzgergeselle aus der Nachbarschaft, der mit wollte, sprang in letzter Minute ab. Besprochen hatten die beiden ihre Träume zuvor natürlich auch hier, im dunkel getäfelten Bürgerhof neben der Backstube.


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